Radwegebau Ruwer: Fast hundert Eidechsen sind schon umgezogen

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Tierökologe Martin Schorr evakuiert eine Mauereidechse aus einer Eimerfalle am Rand der alten Eisenbahnstrecke in Ruwer.

Bildquelle: Presseamt Trier

RUWER. Auf dem inzwischen gerodeten Gelände des künftigen Radwegs bei Ruwer kümmern sich Martin Schorr und Uwe Lingenfelder im Auftrag des städtischen Grünflächenamts zur Zeit um die Umsiedlung der dort lebenden, streng geschützten Mauereidechsen.

Es ist ein Geduldsspiel: Uwe Lingenfelder hat sich mit einer Angel auf die Lauer gelegt. Er hofft, dass er mit der daran befestigten Schlinge die zwischen den Gleisen und im Schotterbett der alten Moselbahn herumwuselnden Eidechsen im richtigen Moment zu fassen kriegt. Doch kaum hat er eines der schlanken, grünlich-braun schimmernden Tiere erspäht, ist es auch schon wieder in einer Ritze verschwunden. „Es wird immer schwieriger, denn inzwischen haben sie gemerkt, was los ist“, konstatiert der Biogeograph.

Unterdessen schaut Martin Schorr nach, ob Tiere in den über das Gelände verteilten Eimerfallen gelandet sind. Außerdem liegen Vergrämungsplanen auf dem Boden: „Darunter wird es den Tieren zu heiß und indem die Planen immer weiter vorgeschoben werden, treiben wir sie langsam in Richtung ihres neuen Lebensraums“, erklärt der Landschaftsplaner und Tierökologe.

Es geschieht alles zum Besten der Mauereidechsen, denn schon kurz nach ihrer Gefangennahme werden sie in einem neuen Habitat wieder ausgesetzt. Bevor die Bagger und Walzmaschinen für den Bau des neuen Radwegs, der die Lücke zwischen dem Grüneberg und der Ruwertal-Radroute schließt, in Aktion treten, soll die aus rund 170 Tieren bestehende Population umgesiedelt und somit gerettet werden. Rechtliche Grundlage dafür ist der Anhang IV der europäischen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie: Der Lebensraum der darin genannten Arten darf nicht zerstört oder geschädigt werden. Und wenn doch, muss Ersatz geschaffen werden.

Nachdem Martin Schorr die Eidechsen aus den Eimern geborgen hat, gibt er sie jeweils in ein Säckchen und trägt sie damit rund 150 Meter zu einem der neuen Habitate, die von dem Trierer Landschaftsarchitekturbüro Ernst und Partner angelegt wurden: Sie bestehen aus halbkreisförmigen Palisaden mit großen Kieselsteinen, die zur Eiablage zum Teil mit Sand aufgefüllt sind, und aus Reisighaufen, die als Versteck vor Greifvögeln genutzt werden können. Vor Beginn der Aktion wurden rund um das Gleisbett Schutzzäune aufgestellt, die verhindern sollen, dass die bereits umgesiedelten Echsen wieder auf das Gelände zurückkommen.

Bis Mitte der Woche hatten Schorr und Lingenfelder 96 Mauereidechsen eingefangen und umgesiedelt. Bei sonniger und warmer Witterung waren es bis zu 27 Tiere pro Tag, doch bei Temperaturen unter zehn Grad wie zuletzt bleiben sie lieber in ihren warmen Höhlen. Beate Brucksch vom städtischen Grünflächenamt geht davon aus, dass die Sammelaktion, für die der Stadtrat im Dezember 245.000 Euro bewilligt hatte, bis Mitte Mai abgeschlossen ist

4 KOMMENTARE

  1. Grüneberg , gibts da einen Radweg ? ich kenne da nur einen Wirtschaftsweg der gefühlt seit 100 Jahren vor sich hinvegetiert und verrottet.

  2. Da freut ich die Natur wenn sie in einem künstlich angelegten Habitat gedeihen darf. Am Besten wir machen das Gleiche mit dem tropischen Regenwald, ein künstliches Habitat anlegen dann können wir den echten Regenwald abholzen.
    Die Andere Frage ist obs nicht sinnvoller wäre die Gleise zu erhalten und langfristig in eine Stadtbahn zu integrieren, bis ca. zur Tankstelle in Ruwer sind die Gleise ja noch befahrbar und werden für Trafotransporte genutzt.

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