Korso über die Nordschleife: Motorradsaison startet mit „Anlassen“ am Nürburgring

Motorräder, kirchlicher Segen und ein Korso über die Nordschleife: Warum das «Anlassen» in der Eifel für viele ein Höhepunkt der Saison ist.

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Zahlreiche Motorradfans werden zum Auftakt auf dem Nürburgring erwartet. (Archivbild) Foto: Thomas Frey/dpa

NÜRBURG. Wenn Motoren aufheulen und sich Tausende Biker in der Eifel versammeln, beginnt am Nürburgring mehr als nur eine neue Motorradsaison. An diesem Sonntag werden Tausende Besucher zum traditionellen Motorrad-Gottesdienst auf dem Nürburgring erwartet.

Pfarrer Klaus Kohnz aus der Pfarrei Kelberger Land St. Christophorus in Müllenbach wird den ökumenischen Gottesdienst gemeinsam mit seiner evangelischen Kollegin Andrea Thon-Stein von der Evangelischen Kirche Adenau leiten. «Diesen Gottesdienst gibt es seit 1999 – und seitdem bin ich dabei», sagte Kohnz.

Der Grund für das große Interesse ist aus seiner Sicht klar: «Viele wollen den Start in die Saison mit Gottessegen beginnen.» Motorradfahren sei aufgrund der fehlenden Knautschzone risikoreicher als Autofahren, daher betonte Kohnz: «Der Mensch braucht ein Sicherheitsgefühl, dabei kann der Gottesdienst helfen.» Er selbst habe keinen Motorradführerschein.

Für Kohnz ist es nach eigener Aussage eine Herausforderung, vor so vielen Menschen zu sprechen, wenngleich er sich über die nun jahrzehntelange Erfahrung daran gewöhnt hat. Im vergangenen Jahr seien mehr als 40.000 Menschen zum traditionellen Gottesdienst gekommen. «Manchmal habe ich mehr Zuhörer als der Papst auf dem Petersplatz», sagte Kohnz.

Während im Jahr 2019 vor Corona noch 20.000 Teilnehmer vor Ort waren, waren es im vergangenen Jahr rund 42.000, wie eine Sprecherin des Nürburgrings mitteilte.

«Kann es kaum erwarten»

Andrea Thon-Stein ist zum ersten Mal beim Motorrad-Gottesdienst dabei. «Es ist für mich eine Premiere dabei zu sein und gleich auch die Predigt halten zu dürfen», sagte sie. Dabei wird sie den Fokus auf das kleine Schutzglöckchen legen, dass viele Motorradfahrer bei sich tragen. «Ich freue mich sehr auf den Gottesdienst und kann es kaum erwarten, diesen mit so vielen Gleichgesinnten feiern zu dürfen», sagte Thon-Stein, die auch Schulleiterin der Grundschule Adenau ist.

Die 62-Jährige ist selbst Motorradfahrerin. «Fasziniert hat mich immer das Gefühl der Freiheit und – so konträr das sicher für einige Menschen klingt – der Einklang mit der Natur», sagte sie. «Wenn man alleine durch eine schöne Gegend fährt, nimmt man die Gerüche und Stimmungen der Landschaft ganz anders war.» Sie fahre gemütlich, sei keine Rennfahrerin.

«Große Ehre»

Nach dem Gottesdienst fährt ein Korso über die Nordschleife. Auch in diesem Jahr vorneweg: Guido Nisius, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Adenau am Nürburgring. Für den 59-Jährigen ist das ein «Highlight». «Da habe ich halt in meiner Funktion die große Ehre, direkt hinter dem vorausfahrenden Polizeifahrzeug diesen Korso anführen zu dürfen», sagte er. «Das ist schon ein sehr, sehr erhebendes Gefühl.»

Der CDU-Politiker ist seit 2014 im Amt und seitdem auch jedes Jahr beim Motorrad-Gottesdienst dabei. «Das Anlassen, das war eine Idee meines Amtsvorgängers, der dann mit dem Nürburgring zusammen auf die Idee kam», berichtete Nisius. Ziel sei es gewesen, dass die Motorradfahrer den kirchlichen Segen bekommen, um gut durch die Saison zu kommen.

«Mein Amtsvorgänger sagte mir, man habe damals mit 200 Motorradfahrern angefangen», sagte Nisius. Inzwischen stehe der damalige Hauptzweck, der Gottesdienst, nicht mehr im Vordergrund, «sondern eigentlich alles rund ums Motorrad».

Aufgemotzte Maschinen

Den Bürgermeister begeistert es besonders, durch die Reihen der Tausenden aufgestellten Motorräder zu laufen. «Je nachdem sind da schon mal Motorräder, die richtig aufgemotzt sind, und da erfreut man sich so ein bisschen dran», sagte er.

Auch wenn die Saison offiziell bereits begonnen hat, ist Nisius in diesem Jahr noch nicht viel gefahren, er wartet auf das «Anlassen». «Da haben wir auch den kirchlichen Segen und können getrost in die Saison gehen, was für mich jedes Jahr ein schönes Gefühl ist», sagte er. Nisius beschreibt sich selbst als Gut-Wetter-Fahrer, der vor allen Dingen in einem angemessenen Tempo die Landschaft genießen will – «das ist letztendlich das Schöne am Motorradfahren», sagte er. Die Eifel eigne sich mit ihren kurvenreichen Strecken und der teils unberührten Landschaft besonders dafür. «Das ist halt für einen Motorradfahrer schon großes Kino», sagte Nisius. (Quelle: dpa)

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