Machtwechsel bei der AfD: Neuer Fraktionschef – Jan Bollinger trotz Wahlerfolg abgelöst!

5
„AfD-Logo mit rotem Pfeil, Menschen im Vordergrund im Schatten, Quelle: dpa“
„AfD-Logo bei einer Veranstaltung. Quelle: dpa“

MAINZ. Noch vor wenigen Tagen stand Jan Bollinger nach dem starken Abschneiden der AfD bei der Landtagswahl im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Der Spitzenkandidat hatte mit seiner Partei ein Rekordergebnis eingefahren und galt als naheliegender Anwärter auf eine zentrale Rolle in der neuen Oppositionsarbeit. Doch nun kommt es anders: Bollinger ist nicht mehr Chef der AfD-Landtagsfraktion. Die Abgeordneten wählten in ihrer konstituierenden Sitzung stattdessen Michael Büge zum neuen Fraktionsvorsitzenden.

Überraschende Wende nach dem Wahlerfolg

Die Entscheidung ist bemerkenswert, weil Bollinger noch als Spitzenkandidat in den Wahlkampf gezogen war und die AfD in Rheinland-Pfalz mit ihm ein besonders starkes Ergebnis erzielt hatte. Nach der Wahl war deshalb offen spekuliert worden, ob er als künftiger Oppositionsführer eine noch stärkere Rolle im Mainzer Landtag übernehmen könnte.

Stattdessen hat sich die Fraktion nun anders entschieden. Neuer Vorsitzender ist der 60-jährige Michael Büge.

Bollinger war das Gesicht des Wahlkampfs

Jan Bollinger war im Landtagswahlkampf das sichtbare Gesicht der AfD in Rheinland-Pfalz. Er hatte sich in den vergangenen Jahren parteiintern durchgesetzt, 2022 den Landesvorsitz übernommen und anschließend auch den Vorsitz der Landtagsfraktion geführt.

Auch bei der Wahl zum Spitzenkandidaten hatte sich Bollinger klar behauptet. Im Wahlkampf setzte die AfD auf ihn als zentrale Figur – nun verliert er ausgerechnet bei der Bildung der neuen Fraktionsspitze seinen wichtigsten Machtposten.

Gerade deshalb ist die Personalentscheidung innerhalb der Partei politisch brisant. Denn der Mann, der die AfD in die Wahl führte, steht nun nicht mehr an der Spitze der Landtagsfraktion.

Michael Büge übernimmt die Fraktion

Mit Michael Büge rückt ein Politiker an die Spitze der Fraktion, der bereits seit Jahren im Hintergrund für die AfD in Rheinland-Pfalz tätig ist. Seit 2017 ist er Fraktionsgeschäftsführer der AfD im rheinland-pfälzischen Landtag. Büge ist zudem Mitglied im Kreisverband Mainz.

Seine politische Laufbahn begann allerdings nicht bei der AfD, sondern bei der Berliner CDU. Dort stieg er 2012 sogar zum Sozial-Staatssekretär auf.

Früher CDU, heute AfD

In der CDU geriet Büge jedoch wegen seiner Zugehörigkeit zur Burschenschaft Gothia unter Druck, der damals bereits eine Nähe zu rechtsextremen Kreisen nachgesagt wurde. Vor die Wahl gestellt, entschied sich Büge gegen die CDU und für die Burschenschaft.

Später wechselte er zur AfD. Dort sollte er den Bundestagswahlkampf 2017 organisieren. Dieser Einsatz blieb allerdings offenbar nicht ohne Kritik. Damals wurde berichtet, seine Kampagnen seien AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel zu radikal gewesen.

Noch vor der Bundestagswahl 2017 war Büge dann erneut auf Jobsuche – und wurde schließlich in Mainz fündig. Seitdem arbeitet er in führender Funktion für die AfD-Landtagsfraktion.

Machtfrage in der AfD neu gestellt

Die Wahl von Büge ist deshalb weit mehr als nur ein Personalwechsel. Sie zeigt, dass die Machtfrage innerhalb der AfD in Rheinland-Pfalz auch nach dem Wahlerfolg nicht abschließend zugunsten von Jan Bollinger entschieden ist.

Noch im Vorfeld war damit gerechnet worden, dass Bollinger erneut nach dem Fraktionsvorsitz greifen würde. Nun steht stattdessen Michael Büge an der Spitze – und mit ihm ein Mann, der eher aus der Parteiorganisation und dem strategischen Hintergrund kommt.

Für Bollinger ist das ein empfindlicher Dämpfer. Für die AfD bedeutet es zugleich, dass sie nach ihrem Rekordergebnis in Rheinland-Pfalz mit einer veränderten Führungsstruktur in die neue Legislaturperiode startet.

Was die Personalie jetzt bedeutet

Die Entscheidung dürfte auch deshalb aufmerksam beobachtet werden, weil die AfD nach der Wahl in Rheinland-Pfalz eine deutlich stärkere Rolle im Parlament einnehmen kann. Wer diese Rolle nach außen prägt, ist deshalb von erheblicher Bedeutung.

Mit Michael Büge setzt die Fraktion nun auf einen neuen Kopf. Dass Jan Bollinger trotz Wahlkampf, Spitzenkandidatur und Rekordergebnis den Vorsitz verliert, macht die Entscheidung umso bemerkenswerter.

Vorheriger ArtikelTelefonbetrüger mit neuer Masche: Trierer um 10.000 Euro abgezockt
Nächster ArtikelFahrbahnsanierung „Im Avelertal“: Sperrung beginnt am kommenden Samstag

5 Kommentare

  1. Na und? Ein parteiinterner demokratischer Prozess. Es wurde abgestimmt. Feaser (SPD) wurde nach der Hessenwahl auch nicht Landes- oder Fraktionsvorsitzende. Und Scholz wurde ebenfalls kein Fraktionsvorsitzender. Und es gibt zig ähnliche und ganz normale Fälle in allen Parteien.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.