„Ambulant vor stationär“ – Fachtagung diskutiert pflegerische Versorgung

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Symbolbild

Bildquelle: pixabay

MAINZ. Unter dem Titel „Zuhause ist immer besser!?“ haben die rheinland-pfälzische Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler und die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens zur 3. Berliner Runde zur Zukunft der Pflege eingeladen. Im Fokus stand die Frage, ob die bisherige strikte Trennung von Lebenswelten nach dem Grundsatz „ambulant vor stationär“ neu gedacht werden müsse.

Bätzing-Lichtenthäler erklärte: „Wir müssen kritisch und auch mutig hinterfragen, ob diese getrennte Perspektive auf ambulante und stationäre Versorgungsformen noch ein zukunftsfähiges Modell ist, und ob es uns mit dieser Abgrenzung gelingt, eine gute Pflege sicherzustellen und Pflegemissstände zu verhindern.“ Sie setze darauf, dass in allen Lebensbereichen eine menschenwürdige Pflege, soziale Betreuung und Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft möglich sein müsse. „Wir dürfen ambulante Bereiche nicht verklären und stationäre Ansätze nicht diskriminieren, damit machen wir es uns zu einfach. Stattdessen brauchen wir eine differenzierte Betrachtung und letztlich eine Auflösung der noch immer starren Sektoren ‚ambulant und stationär‘. Aus der Überwindung der Abgrenzung kann dann eine gegenseitige Bereicherung entstehen.“

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NRW-Ministerin Barbara Steffens sagte: „Im Mittelpunkt müssen die Bedürfnisse der Menschen stehen, nicht die Frage ‚ambulant oder stationär‘. So vielfältig und unterschiedlich wie die Bedürfnisse der Pflegebedürftigen sind, müssen auch die Versorgungsangebote sein. Nur so ist für Betroffene ein selbstbestimmtes Leben auch bei Unterstützungsbedarf möglich. Die Mehrheit der Pflegebedürftigen möchte in der gewohnten Umgebung leben bleiben. Dazu fehlen aber in vielen Fällen die notwendigen Strukturen. Einkaufsmöglichkeiten und Angebote zur gesellschaftlichen Teilhabe sind ebenso wie die Stärkung und Unterstützung der pflegenden Angehörigen nicht ausreichend vorhanden.“

„Der Schlüssel zu einer individuell passgenauen Versorgung liegt aber dementsprechend in den Kommunen, in deren Planung und Förderung vor Ort, im Quartier, in den Wohnvierteln und Dörfern. Dabei geht es nicht um entweder stationär oder ambulant, sondern um eine Vernetzung und Weiterentwicklung von Angeboten und neuen, innovativen Wegen in der Pflege. Die größten Defizite haben wir derzeit im Bereich der Unterstützung in der eigenen Wohnung und bei kleinräumigen Angeboten im vertrauten Stadtteil. Hier ist ‚ambulant vor stationär‘ ganz weit entfernt von bestehenden Versorgungsangeboten. Diese Lücke zwischen Nachfrage und Angebot müssen wir schließen, um das Selbstbestimmungsrecht wirklich zu ermöglichen“, so die Ministerin

Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann, stellte fest: „Die allermeisten Menschen in unserem Land wünschen sich, auch dann weiterhin zu Hause wohnen zu können, wenn sie pflegebedürftig sind. Darum haben wir mit dem Pflegestärkungsgesetz I die häusliche Pflege nachhaltig gestärkt. Besonders wichtig ist mir dabei gewesen, dass wir den Anspruch der Pflegebedürftigen auf die Leistungen der Tages- und Nachtpflege de facto verdoppelt haben. Denn gerade die Tagespflege kann eine große Bereicherung im Tagesablauf der Pflegebedürftigen darstellen und ein wichtiger Baustein einer guten häuslichen Pflege sein.“

Bätzing-Lichtenthäler und Steffens betonten, dass eine breite gesellschaftliche Debatte zu der Frage der Sektorenüberwindung ambulant und stationär dringend notwendig sei. „Wir wollen das Vertrauen in die Pflege in allen Bereichen durch partnerschaftliche Prozesse stärken. Gleichzeitig werden wir sicherstellen, dass die Menschen die für sie richtigen und wichtigen Angebote der Pflege und Unterstützung auch dort finden, wo sie leben möchten, zu Hause ebenso wie in einer Einrichtung“, betonten beide.

Das Format der Berliner Runde soll dem länderübergreifenden Austausch zu kritischen Themen dienen und zu gemeinsamen Lösungen beitragen. Eingeladen werden Expertinnen und Experten, die Ansätze aus unterschiedlichen und durchaus auch kontroversen Perspektiven diskutieren. Initiiert werden die Berliner Runden – die sich an Vertreterinnen und Vertreter von Bund und Ländern, Organisationen der Pflege und Selbsthilfe wie auch die interessierte Öffentlichkeit richten – von den Gesundheitsministerien in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen.

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