Ein Sieg zum Abschied unter Tränen

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Laurynas Samenas, hier bei einem erfolgreichen Dreier, bot seine beste Leistung im TBB-Trikot.

TRIER. Schluss. Aus. Vorbei. Ein Vierteljahrhundert Basketball-Bundesliga-Geschichte der TBB ist am Donnerstagabend unwiderruflich zu Ende gegangen. Im letzten Spiel der Historie gewannen die Moselaner gegen den Mitteldeutschen BC mit 89:81 (41:40). Die TBB hatte am 20. März Insolvenz beantragt. Heute soll Verfahren vom vorläufigen in das offizielle übergehen. Die Trierer wollen in der PRO A an den Start gehen, ob sie dürfen, wird am 15. Mai entschieden.

Nein, das war kein Basketball-Abend wie immer in der Arena Trier. Das wurde spätestens in den letzten Minuten dieses Spiels deutlich. Zuvor war es erstaunlich normal geblieben. Keine besonderen Aktionen der Fans, lediglich das seit Wochen schon zu sehende Transparent „One Team“ und „Liebe kennt keine Liga“. Beifall gab es beim Interview mit Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe, der den Fans Mut machte: „Wir sind hier nicht zu einer Beerdigung gekommen. Wir schauen nach vorne und wollen die Basketball-Tradition in Trier fortsetzen.“


Ebenfalls vor dem Anpfiff teilte Hallensprecher Chris Schmidt mit, dass die Treveri Baskeball AG der Vergangenheit angehört. Ein neuer Verein wurde gegründet, der als Lizenznehmer in der PRO A fungieren soll. Damit sind gleichzeitig auch alle Verträge von Trainern, Spielern und Mitarbeitern mit dem 30. April 2015 ausgelaufen.

Vielleicht deshalb war die Stimmung nach dem Sprungball nicht so euphorisch wie in den Wochen zuvor. Es gab Beifall für gelungene Aktionen, es gab das kollektive „Aah“ und „Ooh“ bei missglückten Würfen, aber alles wirkte seltsam gedämpft. Diese Atmosphäre blieb fast über die gesamte Spielzeit erhalten. Sie änderte sich vier Minuten vor Schluss, als sich die 3447 Besucher erhoben, das Team bis zur Schlusssirene anfeuerten und die Standing Ovations noch minutenlang nach Spielende fortsetzten. Enthusiastischen Beifall gab es für das Team, als es ein großes Banner ausrollte. „Vielen Dank für Eure treue Unterstützung“ stand drauf – die Aktion wurde bejubelt wie der Gewinn der deutschen Meisterschaft.

Der Titel der Hallenzeitung beim letzten Bundesligaspiel.
Der Titel der Hallenzeitung beim letzten Bundesligaspiel.

Drei Akteure hatten dem Spiel zuvor den Stempel aufgedrückt. Dass Jermaine Bucknor Teil dieses Trios war, ist wenig überraschend. Der Kanadier kam auf 22 Punkte und neun Rebounds und war damit der Beste des Abends. Gleich nach ihm ist Laurynas Samenas zu nennen, der von Cheftrainer Henrik Rödl ebenso ein Sonderlob erhielt wie Dennis Kramer, der im letzten Spiel für die TBB seine beste Leistung ablieferte.

Die Pressekonferenz hatte noch mehr zu bieten. Der Satz von Rödl, man könne nur hoffen, dass Trier bald wieder in der 1. Liga spielt, kann interpretiert werden. Er sagte „Trier“ und nicht „wir“. Dazu passt auch seine Antwort auf die Frage, wie er sich fühle: „Beschissen.“

Diese Grundstimmung war während des Spiels höchstens partiell an seiner Mimik abzulesen. Ansonsten coachte er das Team wie immer: Konzentriert und dennoch emotional – so, als ob es noch um alles ginge. Das übertrug sich auf die Mannschaft, die sich regelrecht in das Spiel verbiss und am Ende einen verdienten Sieg feierte. Die Abschiedsrunde durch die Arena mit dem obligatorischen Abklatschen ließ keinen kalt. Manche blickten in die Leere, viele, auch Zuschauer, hatten Tränen in den Augen. Der letzte Satz des Hallensprechers lautete: „Wir kommen wieder, bleibt uns treu!“

[td_text_with_title custom_title=“Stimmen zum Spiel“] Henrik Rödl (Headcoach TBB Trier): „Glückwunsch an Silvano zu einer wieder einmal sehr guten Saison. Mit diesem Budget und dieser Mannschaft so problemlos die Klasse zu halten, ist eine sensationelle Leistung. Ich habe immer großen Respekt vor der stabilen Leistung dieses Vereins. Davon können sich viele was abschneiden. Ich bin auch heute Abend wieder stolz auf mein Team, es hat großen Spaß gemacht, in dieser schwierigen Zeit zusammen mit der Mannschaft zu arbeiten. Ich freue mich, dass wir einen positiven Abschluss finden und den Fans etwas zurück geben konnten – die Stimmung war toll. Es gab am Ende sehr bewegende Momente. Man kann nur hoffen, dass Trier bald wieder in der ersten Liga spielt.“

Silvano Poropat (Headcoach Mitteldeutscher BC): „Man hat gesehen, dass die Mannschaft und der Trainer und die Fans in Trier diesen Sieg verdient haben. Sie haben mit allem, was sie hatten dafür gearbeitet. Ich gratuliere zu diesem Sieg. Wenn wir das Spiel analysieren, sehen wir doofe Aktionen von uns und verlegte Freiwürfe. Aber wir hatten eine schöne Saison mit Höhepunkten, vor allem gegen Göttingen war es toll. Ich wünsche allen Menschen, die in Trier für diese Sportart leben und täglich alles dafür tun, dass es bald wieder positive Nachrichten gibt. Ich kann mitfühlen, weil ich in ähnlichen Situationen war. Das Leben geht weiter, und für die gesamte Sache werden auch wieder bessere Tage kommen.“

TBB Trier – MBC 89:81 (41:40)
TBB Trier: Ricky Harris (8) , Marian Dahlem (0), Marko Lukovic (8), Stefan Schmidt (8), Johann Fritzen (0), Mathis Mönninghoff (2), Laurynas Samenas (18), Benedikt Breiling (0), Adin Vrabac (1), Jermaine Bucknor (22), Dennis Kramer (10), Jermaine Anderson (12)

Mitteldeutscher BC: Malte Schwarz (3), Robert Zinn (0), Marc Liyanage (5), Frantz Massenat (14), Christian Standhardinger (7), Djordje Pantelic (15), Hördur Vilhjalmsson (9), Christian Kuhn (0), Philip Patrick Richard (11), Oliver Clay (4), Beckham Wyrick (13)

Schiedsrichter: Nesa Kovacevic/Johannes Hack/Jens Hegemann – Zuschauer: 3447

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