Drohender Mähtod: Jägerschaft Trier-Saarburg rettet unzählige Kitze dank Wärmebild-Drohnen

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Foto: Jägerschaft der Kreisgruppe Trier-Saarburg

HOLZERATH. Jetzt, wo sich die Wiesen in Mai in einem saftigen Grün präsentieren, steht die Zeit der ersten Mahd an. Leider kommen genau zu dieser Zeit auch die wilden Jungtiere zur Welt. Zur sogenannten Brut- und Setzzeit sind die Wiesen und Äcker Kinderstuben für Rehe, Hasen, Kiebitze, Rebhühner und Co.

Wenn die landwirtschaftlichen Maschinen mit Ihren großen Mähwerken anrollen, haben all diese Jungtiere keine Chance sich in Sicherheit zu bringen. Durch ihren angeborenen Duckreflex, der sie eigentlich vor Fressfeinden schützen soll, sind sie dem Mähwerk schutzlos ausgeliefert – Kitze, Junghasen und Küken bleiben regungslos in der Wiese liegen und werden von den Maschinen tödlich verletzt. Dabei kann dieses Tierleid ganz einfach verhindert werden.

Foto: Jägerschaft der Kreisgruppe Trier-Saarburg

Bevor der Landwirt seine Flächen mäht, muss er rechtzeitig (mindestens 24 bis 48 Stunden vor der Mahd) den zuständigen Jagdpächter informieren. Entsprechend der Hegeverpflichtung nach § 3 BJagdG und dem Verursacherprinzip ist der Landwirt als Flächeneigentümer bzw. -bewirtschafter sogar gesetzlich dazu verpflichtet. Auch im Tierschutzgesetz (§ 1TierSchG) und im Bundesnaturschutzgesetz (§ 39 Abs 1 BNatschG) ist geregelt, dass man einem Tier kein Leid, Schmerz oder Schaden ohne vernünftigen Grund zufügen darf – die Mahd stellt ohne entsprechende Schutzmaßnahmen keinen vernünftigen Grund dar. Wer sich nicht an diese Verpflichtung hält, muss mit empfindlichen Strafen von bis zu 10.000 Euro rechnen.

Foto: Jägerschaft der Kreisgruppe Trier-Saarburg

Um die Landwirte aktiv unterstützen zu können, hat die Kreisgruppe Trier-Saarburg des Landesjagdverbandes Rheinland-Pfalz e.V. insgesamt drei Drohen mit Wärmebildkameras angeschafft. Zwei dieser Drohnen wurden durch ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft subventioniert. Seit einer Woche suchen nun drei ehrenamtliche Drohnenteams die Wiesen im Kreis und in der Stadt nach Kitzen ab. Dafür heißt es für die Teams, mitten in der Nacht aus den Federn zu springen, um noch vor Sonnenaufgang auf den Feldern zu stehen, um diese nach Wärmequellen, d.h. den Jungtieren, abzusuchen.

Foto: Jägerschaft der Kreisgruppe Trier-Saarburg

Sobald ein Kitz mit der Drohne lokalisiert werden kann, macht sich ein Bergetrupp, bestehend aus zwei Personen, auf den Weg und bewegt sich langsam auf das Kitz zu. Via Funk werden sie vom Drohnenpiloten durch das Wiesenlabyrinth zum Kitz geleitet. Mit Handschuhen und dicken Grasbüscheln ausgestattet – damit möglichst wenig menschlicher Geruch auf das Jungtier übertragen wird – greifen die Jäger das Kitz und legen es in einen mit Gras ausgelegten Kitzrettungskarton. Diese Kartons werden am Feldrand deponiert und von den Helfern gut bewacht. Nun sollte die Mahd zügig beginnen, damit die Kitze nicht all zu lange in den Kartons und damit getrennt von der Ricke ausharren müssen. Sobald die Wiese vollständig gemäht ist, werden die Kitze umgehend in die Freiheit entlassen. Auf diese Weise konnten in dieser Woche bereits rund 20 Kitze gerettet werden.

Foto: Jägerschaft der Kreisgruppe Trier-Saarburg

In den Jahren 2023 und 2024 ist diese Unterstützung durch die ehrenamtlichen Drohnenteams für den Landwirt komplett kostenfrei. Landwirte sollten nicht zögern, die Teams zu kontaktieren:

Hegering Kyll-Sauer/Trier: Alwin Hontheim ([email protected])
Hegering Hochwald: Franz Schmitt ([email protected])
Hegering Tobiashaus/Trassem: David Kiefer ([email protected])

Die Kontaktdaten der rheinland-pfälzischen Drohnenteams sind zudem auf der Homepage des Landesjagdverbandes Rheinland-Pfalz e.V zu finden: https://ljv-rlp.de/. (Quelle: Kreisgruppe Trier-Saarburg im Landesjagdverband Rheinland-Pfalz e.V.)

2 Kommentare

  1. Wow, sieh an. Nützlich und gut.

    Aber man fragt sich, warum nur ehrenamtlich? Warum keine organisierte Förderung von Land und/oder Bund (wenn man bedenkt, welche astronomischen Summen ohne nachzudenken z.B. für nutzlose Coronatests aus dem Fenster geworfen wurden)?

    Im Land müsste es einige tausend km2 Wiesenfläche geben, und wenn das passende Wetter kommt, ist es eilig und alle mähen gleichzeitig. Wie wollen wenige Drohnenteams diesen Arbeitsaufwand bewältigen?

  2. Endlich mal was Positives.
    Der Forst in Quint macht jetzt auch Führungen für Schulklassen. Und am Forstamt kann man neuerdings Wildfleisch erwerben. Da hängt ein entsprechendes Plakat.
    So geht nachhaltige Forstwirtschaft. Mehr Geld für den Forst bedeutet bessere Waldgesundheit und weniger Tierleid. Weiter so!
    Schönen Sonntag an alle Leser und das Lokalo-Redaktionsteam!

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