Einsatzleitung war bei Ahr-Flut überfordert – weitere Vorwürfe gegen EX-Landrat Pföhler

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Blick auf einen zerstörten Gasthof am Ufer der Ahr in Dernau drei Monate nach der Flutkatastrophe. Foto: Boris Roessler/dpa

KOBLENZ. Die Technische Einsatzleitung (TEL) des Landkreises Ahrweiler war während der Sturzflut vom vergangenen Sommer nach den Worten eines Mitglieds zwar professionell aufgestellt, aber überfordert.

«Für mich ist über den Kreis Ahrweiler ein Tsunami gezogen», sagte Udo Schumacher am Freitag im Untersuchungsausschuss Flutkatastrophe des rheinland-pfälzischen Landtags. «Eine kleine TEL wie wir ist mit so einer Lage überfordert, das müsste jedem bewusst sein», sagte der 64-Jährige, der seit 45 Jahren im Brand- und Katastrophenschutz tätig ist und die TEL seit 2004 mit aufgebaut hat. «Wir sind von der Lage überrannt worden.»

Den damaligen Landrat Jürgen Pföhler (CDU) habe er am 14. Juli in der TEL nur «zweimal kurz gesehen», einmal gegen 19.30 Uhr zusammen mit Innenminister Roger Lewentz (SPD). Davor sei Pföhler einmal durch den Raum gegangen, und habe kurz mit dem ehrenamtlichen Brand- und Katastrophenschutzinspekteur gesprochen, dem Leiter der TEL. Gegen diese beiden ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen womöglich zu später Warnungen und Evakuierungen.

«Ich habe keinerlei Kontakt zum Landrat gehabt», sagte Schumacher, der nach seinen Worten von etwa 15 Uhr bis zum nächsten Morgen gegen 9 Uhr im Einsatz war. Ihm sei auch nicht bekannt, dass andere TEL-Mitglieder Kontakt zu Pföhler gehabt hätten oder es einen längeren Austausch mit dem TEL-Leiter gegeben habe.

Von einem Landrat erwarte er, dass er sich ein Bild von der TEL mache, «wie die funktioniert und arbeitet» und dann seine gesamtpolitischen Kontakte für Aktivitäten einschalte, um die TEL zu unterstützen, sagte Schumacher. «Das Optimum» sei es, wenn er den Verwaltungsstab führe. Aber: «Mir ist nicht bekannt, dass es einen Verwaltungsstab gibt, im Kreishaus.»

Die TEL sei von einem Hochwasser wie 2016 ausgegangen, «das bereits als Jahrhunderthochwasser deklariert war». «Wir waren relativ schnell überfordert», berichtete Schumacher. «Alles was Sie gelernt hatten, konnten Sie vergessen.» Solche Einsätze würden in keinem Lehrbuch gelehrt. «Wir konnten nur noch Schwerpunkte setzen.» Und: «Wir haben uns die Finger wund gewählt, um an Hubschrauber zu kommen.» Er hätte jede mögliche Hilfe erwartet, ob von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) oder vom Innenministerium. Ob und von wem Lewentz einen Lagebericht bekommen habe, wisse er aber nicht.

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