Russische Luftlandetruppen greifen Charkiw an – Biden nennt Putin „Diktator“

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Brennende Häuser in der Stadt Schytomyr. Foto: Nexta TV via Twitter

KIEW. Die Kampfhandlungen in der gesamten Ukraine wurden in der zurückliegenden Nacht fortgesetzt. Besonders heftige Kämpfe soll es in Charkiw und Mariupol gegeben haben. Die Stadt Schytomyr wurde Ziel eines Luftangriffes. Unterdessen äußerte sich US-Präsident Joe Biden zum Ukraine-Krieg im Rahmen seiner Rede zur Lage der Nation in Washington.

Wie der amerikanische Nachrichtensender CNN berichtet, rückten russische Truppen am gestrigen Abend in die Hafenstadt Cherson, die am Dnjepr-Delta im Süden der Ukraine liegt, ein. Vorausgegangen war tagelanger Beschuss der Stadt durch Artillerie und heftige Gefechte. Auf seiner Facebook-Seite erklärte der Bürgermeister der Stadt, Igor Kolykhaiev, dass Wohngebäude und städtische Einrichtungen in Flammen stünden: „Wenn die russischen Soldaten und ihre Führung mich hören. Ich bitte Sie: Verlassen Sie unsere Stadt, hören Sie auf, unsere Zivilisten zu beschießen.

Wie der Nachrichtensender n-tv berichtet, soll es der ukrainischen Armee hingegen gelungen sein, ein russische Kolonne aus 800 Militärfahrzeugen bei der südukrainischen Stadt Baschtanka durch Luftangriffe zu vernichten. Auf die Stadt Schytomyr im Norden des Landes gab es einen Luftangriff, bei dem vier Menschen ums Leben gekommen sind. Russische Kalibr-Marschflugkörper sollen zahlreiche Wohngebäude vernichtet haben. Der in Polen ansässige Nachrichtenkanal Nexta veröffentlichte auf seinem Twitter-Kanal ein Video des Angriffs, auf dem brennende Häuser und Feuerwehrleute im Einsatz zu sehen sind. Heftig umkämpft bleiben zudem die zweitgrößte Stadt der Ukraine, Charkiw im Nordosten des Landes, wo es Gefechte der ukrainischen Armee mit russischen Luftlandetruppen geben soll, sowie die Hafenstadt Mariupol im Südosten, aus der über 100 verletzte Bürger gemeldet werden. In Charkiw sollen die russischen Truppen auch ein Krankenhaus angegriffen haben.

Unklar bleibt weiterhin die Beteiligung von Belarus an den Kampfhandlungen. Der belarussische Diktator Alexander Lukaschenko ordnete die Entsendung von fünf taktischen Batallionsgruppen mit Panzern und Artillerie an die Südgrenze seines Landes an. Lukaschenko behauptete, dies geschehe lediglich zum Schutz der Grenze. Sein Land werde sich nicht an der russischen Offensive beteiligen. Das ukrainische Verteidigungsministerium in Kiew warnte das Nachbarland davor, den russischen Einmarsch über die Präsenz russischer Truppen hinaus zu unterstützen. Der ukrainische Militärgeheimdienst hatte zuvor erklärt, Russland arbeite an einem Vorwand, um Belarus eine direkte Beteiligung zu ermöglichen. 300 belarussische Panzer stünden hierzu bereit.

In Washington gab US-Präsident Joe Biden in seiner Rede zur Lage der Nation vor beiden Häusern des Kongresses bekannt, dass die USA ihren Luftraum für russische Flugzeuge schließen werden. Die USA folgen mit diesem Schritt der EU und Kanada, die eine solche Schließung bereits vorgenommen haben. Biden bezeichnete in der Ansprache den russischen Präsidenten Wladimir Putin als Diktator. Zugleich bekräftigte er laut CNN erneut, dass es keinesfalls zu einer direkten Konfrontation zwischen den amerikanischen und russischen Streitkräften kommen solle. Die Verlegung von US-Truppen diene ausschließlich dem Schutz osteuropäischer NATO-Verbündeter, „in dem Fall, dass Putin entscheidet, weiter nach Westen vorzurücken“: „Lassen Sie es mich klar sagen: Unsere Streitkräfte kämpfen nicht und werden nicht kämpfen in dem Konflikt mit russischen Streitkräften in der Ukraine“, so Biden laut CNN.

Wie ein Vertreter des Pentagon gegenüber Journalisten erklärte, habe das amerikanische Verteidigungsministerium Hinweise auf nachlassende Kampfmoral bei den russischen Truppen. Es gebe Fälle, in denen russische Soldaten die Benzintanks ihrer Fahrzeuge beschädigten, um nicht in den Kampf zu müssen. Der Kyiv Independent berichtet auf seiner Twitter-Seite von russischen Truppenteilen auf der besetzten Halbinsel Krim, die sich weigerten, an der Invasion teilzunehmen. General Valerii Zaluzhnyi, Oberkommandierender der ukrainischen Armee, erklärte laut dem Medium, die russischen Streitkräfte hätten die taktische Initiative verloren und seien gezwungen, ihre Reserve zu mobilisieren, um die Offensive fortsetzen zu können.

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