Ersatzverkehr stabil: Bahn hat sich auf zweite Streikwelle eingestellt

Knapp zwei Wochen nach dem ersten Streik legen die Lokführer der Deutschen Bahn mit einer zweiten Welle nach. Erneut stehen viele Räder still. Bahn und Fahrgäste haben aber bereits eine gewisse Routine entwickelt.

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Foto: dpa

FRANKFURT/TRIER. Auch in der zweiten Welle hat der bundesweite Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) zu zahlreichen Zugausfällen in Rheinland-Pfalz und im Saarland geführt.

Die Deutsche Bahn hat erneut einen Ersatzfahrplan erstellt, der am Montag nach Angaben einer Unternehmenssprecherin verlässlich abgefahren wurde. Auf jeder Linie gebe es ein Angebot, wenngleich die Regionalzüge und S-Bahnen deutlich seltener unterwegs waren als an normalen Verkehrstagen. Man gehe davon aus, rund 40 Prozent des üblichen Angebots auf die Schiene zu bekommen, so die Bahn. Die Fahrgäste hätten sich gut auf den bereits am Freitag angekündigten Streik eingestellt.

In der Nacht zum Montag hatte die GDL ihre zweite Streikwelle für den Personenverkehr gestartet, die bis Mittwoch um 02.00 Uhr dauern soll. Der Güterverkehr wird bereits seit Samstag bestreikt. Am Dienstag werde man den gleichen Ersatzfahrplan anbieten wie am Montag, sagte die Bahnsprecherin. Am Mittwoch will das Staatsunternehmen zum üblichen Fahrplan zurückkehren. Die Fahrgäste werden gebeten, sich vor Fahrtantritt in den elektronischen Bahn-Medien über ihre Verbindung zu informieren. «Trotz des verlässlichen Grundangebots kann die DB nicht garantieren, dass alle Reisenden wie gewünscht an ihr Ziel kommen», hatte die Konzern-Zentrale in Berlin mitgeteilt.

Stark betroffen war in Rheinland-Pfalz und im Saarland sowohl der Regional- als auch der S-Bahnverkehr. So fuhren nach Angaben der Deutschen Bahn etwa auf der Strecke zwischen Homburg über Kaiserslautern in Richtung Mannheim nur Züge der Linie S1. Auf der Strecke zwischen Germersheim und Schifferstadt in Richtung Mannheim waren nur Züge der S3 unterwegs. Verbindungen der Linien S2 und S4 entfielen. Für andere Linien wurde der Takt ausgedünnt oder es fahren Busse in einem Ersatzverkehr, etwa auf den Linien RB 52/RB54 zwischen Wörth und Bad Bergzabern.

Auch im Bereich des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV), zu dem die Landeshauptstadt Mainz zählt, fuhren die S-Bahnen nur alle 60 Minuten. Auf den Linien S7 und S9 waren gar keine Züge unterwegs. Alternativ fahren auf dieser Linie demnach Regionalzüge. Bei manchen Linien wird der Takt stark ausgedünnt oder sie entfallen an den Streiktagen komplett. Nicht betroffen vom Streik sind dagegen Linien, die von anderen Bahnunternehmen bedient werden, etwa Vias oder Vlexx.

Bundesweit hat die Deutsche Bahn 75 Prozent ihrer Fernzüge gestrichen und rechnete auch im Regionalverkehr mit rund 60 Prozent Ausfällen und Verspätungen.

In dem Tarifstreit geht es unter anderem um mehr Geld für die Beschäftigten. Über die Höhe der künftigen Löhne und Gehälter sind sich beide Seiten einig: 3,2 Prozent mehr soll es geben. Aber über den Zeitpunkt der Auszahlung besteht Uneinigkeit. Offen sind außerdem Fragen zur Betriebsrente, die Höhe einer möglichen Corona-Prämie für die Beschäftigten sowie der Einflussbereich der GDL.

Ein Versuch der Bahn, den Streik mit einem weiteren Tarifvorschlag abzuwenden, war gescheitert. Der Konzern stellte unter anderem Verhandlungen über die Corona-Prämie in Aussicht. Noch am Sonntag lehnte Gewerkschaftschef Claus Weselsky das Angebot ab und setzte den Streik fort. Weselsky betonte erneut, dass ein verbessertes Angebot der Deutschen Bahn Voraussetzung für weitere Verhandlungen sei.

Nicht zuletzt geht es der Gewerkschaft in der Auseinandersetzung auch um den eigenen Einfluss im Konzern, den sie durch das sogenannte Tarifeinheitsgesetz gefährdet sieht. Das Gesetz sieht vor, dass in einem Betrieb mit zwei konkurrierenden Gewerkschaften nur die Tarifverträge der mitgliederstärkeren Arbeitnehmervertretung zur Anwendung kommen. Bei den Betrieben der Deutschen Bahn ist das bislang meist die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG).

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