„Wir wollen internationale Musiker zusammenbringen.“ Ein Gespräch mit Joseph Moog, dem Leiter des Musikfestivals Konz

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Joseph Moog am Flügel. Foto: Alexander Scheidweiler

Am Freitag eröffnete der Star-Pianist und neue Festival-Leiter Joseph Moog gemeinsam mit dem Cellisten Alexander Hülshoff in der Konzer Nikolauskirche das Musikfestival Konz mit Stücken von Saint-Saëns und Chopin. Bis zum 29.8. bietet das Festival Top-Events von Klassik bis Jazz mit internationalen Künstlern an besonderen Spielorten in der Region. Am Rande des Konzerts hat Joseph Moog mit Lokalo gesprochen – über den internationalen Charakter des Festivals im Herzen Europas, das Bestreben, junge Musiker zu fördern und das spezielle Flair der Spielorte.

Lokalo: Herr Moog, zunächst einmal vielen Dank, dass Sie sich am Eröffnungstag des Festivals die Zeit für ein Interview nehmen. Wir starten heute in der schönen Nikolauskirche in das Musikfestival Konz. Sie leiten das Festival, heute Abend treten Sie aber auch selbst als Künstler auf. Wir werden Saint-Saëns hören, dessen 100. Todestag in diesem Dezember ansteht, und Chopin. Warum haben Sie diese beiden Komponisten für den Auftakt ausgewählt?

Moog: Zum einen wegen des Jubiläums von Saint-Saëns, den ich sehr schätze und der in Deutschland noch immer ein bisschen stiefmütterlich behandelt wird. Abgesehen vom „Karneval der Tiere“ ist er in Deutschland relativ unbekannt. Es lohnt sich aber, diese Musik zu hören! Und in Kombination mit Chopin, mit einem sehr bekannten Stück in diesem Fall, der Sonate op. 65 in g-moll, mit der Romantik, bildet die Saint-Saëns-Sonate op. 123 in F-Dur eine sehr starke, schlüssige Verbindung. Das ist der zweite Grund.

Lokalo: Wie auf der Seite des Festivals zu lesen ist, setzen Sie als künstlerischer Leiter einen Schwerpunkt im kammermusikalischen Bereich mit internationalen Künstlern. Bitte erläutern Sie diese Schwerpunktsetzung ein wenig.

Moog: Die Kammermusik bietet sich aus zwei Gründen an: Zum einen wegen des Zusammenspiels, des Dialoges ohne Worte zwischen den Musikern im Konzert, zum anderen haben wir auch die Tradition einer Akademie hier in Konz, die wir in diesem Jahr zum ersten Mal wieder neu auflegen und in das Festival integrieren. Diese Akademie war früher nur für Pianisten, jetzt aber ist sie für Kammermusik eröffnet, eben aus genau diesem Grund. Wir wollen internationale Musiker zusammenbringen. So habe ich habe gerade eben gehört, dass in einem Haus, ganz hier in der Nähe der Kirche, ein Musiker untergebracht ist und dort auch schon übt. Das erfüllt die Stadt mit Musik. Und das ist wirklich toll!

Lokalo: Damit haben Sie die nächste Frage fast schon beantwortet! Denn genau nach der Meisterakademie wollte ich fragen. Sie gehört zum Festival dazu, wie Sie bereits erklärt haben. Welche Rolle innerhalb des Festivals hat sie genau? Es wird ja auch noch ein Konzert mit den Teilnehmern geben.

Moog: Genau so ist es! Es wird sogar mehrere Konzerte mit unseren jungen Talenten geben. Wir wollen mit der Akademie zum einen aufgreifen, was es früher in Konz über 25 Jahre schon gab. Damals hieß es noch „Konzer Sommerakademie“, wie gesagt nur für Klavier. Jetzt aber haben wir die Meisterakademie für Kammermusiker, und wir haben sogar ein kleines Orchester für den „Karneval der Tiere“, in dem die Teilnehmer dann alle zusammenspielen werden.
Wir wollen jungen Musikern so die Möglichkeit geben, eine internationale Festival-Situation zu erleben, aufzutreten gemeinsam mit arrivierten Künstlern. Im Idealfall entstehen daraus vielleicht Freundschaften fürs Leben. Das ist auf jeden Fall mein Wunsch.

Lokalo: Das Festival findet im Vier-Länder-Eck statt. Wir sind schon rein geographisch international, also zwischen Deutschland, Luxemburg, Frankreich und Belgien. Was bedeutet diese besondere geographische Lage im Herzen Europas für das Festival?

Moog: Ja, sie sagen es: Im Herzen Europas! Ich glaube, es gibt wenige Regionen, in denen der europäische Gedanke so Teil des Alltags ist wie hier. Viele Menschen arbeiten in Luxemburg, fahren dann nach Deutschland oder Frankreich, Belgien zurück. Man kann an einem Tag problemlos alle vier Länder besuchen, und das geschieht auch teilweise. Ich habe mit unserem Team gemeinsam beobachtet, dass der Austausch auf der kulturellen Ebene allerdings noch ausbaufähig ist. Es ist durchaus so, dass man dies noch deutlich weiter intensivieren kann. Ich glaube, die Luxemburger bleiben doch eher in ihrem Bereich und kommen noch nicht so häufig zu uns herüber. Warum das so ist, darüber kann man gegenwärtig nur spekulieren. Wir wollen das aber ändern, indem wir die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im kulturellen Bereich entwickeln. Diese Besonderheit der engen Beziehungen wollen wir noch aktiver gestalten, damit luxemburgische Künstler zu uns kommen und auch umgekehrt. Wir wollen auch verstärkt in Luxemburg auftreten. Wir hoffen für die Zukunft, dass uns das besser gelingt.

Lokalo: Das Festival bietet ja auch eine Vielzahl von ganz unterschiedlichen Spielorten mit jeweils besonderer Atmosphäre. Wie gesagt: Wir sind heute Abend hier in der Nikolauskirche. Sie werden morgen ein Open-Air-Konzert am Zusammenfluss von Saar und Mosel geben. Dann wird es weitere Konzerte auf Weingütern und in Klöstern geben. Inwieweit tragen die Spielorte zum besonderen Flair des Festivals bei?

Moog: Ein Festival darf und muss besondere Spielorte bieten, anders als vielleicht die etablierten, städtischen Reihen, die ihre Räume haben. Wir wollen dabei auch ein bisschen etwas wagen, etwas riskieren. Wir gehen nach draußen. Und es gibt phantastische Orte, die in dieser Art und Weise noch nicht genutzt wurden, z.B. das Weingut Van Volxem in Wiltingen. Dort gab es klassische Konzerte mit symphonischer Literatur noch nie. Wir wollen sehen, wie sich das Ganze entwickelt.
Es war auch ein Konzert auf dem Schiff „Marie Astrid“ geplant, aber das war dann wegen Corona leider nicht möglich. Aber wir haben noch viele Ideen für die Zukunft! Und als Festival muss man auch etwas bieten, was vielleicht, wie gesagt, in den normalen Reihen nicht zu finden ist.

Lokalo: Herr Moog, ich bedanke mich sehr herzlich für das Gespräch.

Moog: Ich danke Ihnen.

Die Fragen stellte Alexander Scheidweiler.

Weitere Informationen sowie die Möglichkeit, Karten zu bestellen, gibt es auf der Homepage des Festivals: https://www.konzmusikfestival.de.

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