„Wer in Trier gräbt, der findet“ – OB Leibe erklärt beeindruckende Ausgrabungen am Nordbad

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OB Leibe bei den Ausgrabungen in Trier-Nord; Quelle: Facebook

„Wer in Trier gräbt, der findet unweigerlich etwas“ – Der in Trier altbekannte Spruch hat sich, wie OB Leibe via facebook mitteilt, auch beim Umbau des Nordbades mal wieder eindrucksvoll bewahrheitet. Dort habe er auf Einladung des Rheinisches Landesmuseum Trier die Ausgrabungen angeschaut und sei von dem echten „Hotspot der Geschichte“ ziemlich beeindruckt.

Was der Oberbürgermeister zu den Ausgrabungen und deren Geschichte erfahren hat, teilte Leibe in seinem Facebook-Posting mit:

„Hier stand einst eine der vier großen Trierer Abteien, St. Marien oder auch St. Mergen genannt. Die Reste der Kirche des Klosters mit einigen Gräbern haben die Archäologen jetzt ergraben und ich habe ziemlich viel erfahren.

Hier stand eine römische Villa, die in den dreißiger Jahren gefunden und dann wieder vergessen wurde. Und hier war der Legende nach in der Spätantike die Residenz der ersten Trierer Bischöfe.

Und auch die Bedeutung des Klosters für die Entwicklung der Stadt und der Region ist groß. Immerhin steht unser Moselstadion dort, wo die Mönche Landwirtschaft und Fischzucht betrieben. Das Gebäude, in der unsere SV Eintracht-Trier 05 ihre Geschäftsstelle hat, war das Landhaus der Mönche. Und ihr Stadthof war der Mergener Hof, in Trier besser als Miez bekannt.

Wenig bekannt ist die große Bedeutung der Abtei St. Marien für den Weinbau. Der Scharzhof in Wiltingen, heute eines der höchstbewerteten Rieslingweingüter der Welt, gehörte dem Kloster St. Marien. Der letzte Prior, also Stellvertreter des Abtes, war Johann Jakob Koch, er ersteigerte nach der Auflösung des Klosters durch die Franzosen mit dem übrig gebliebenen Vermögen der Mönche im Auftrag seines Abtes die Weinberge an der Saar zurück. Man glaubte an eine Zeit nach den Franzosen. Koch gab das Weingut mit seinen Toplagen aber nicht zurück, sondern behielt es und heiratete seine Haushälterin und bewirtschaftete das Weingut selbst. Das weltbekannte Weingut Egon Müller Scharzhof, bis heute in Familiensitz der direkten Erben des letzten Priors, wurde also von einem abtrünnigen Mönch aus Trier gegründet. Und diese Geschichte geht noch weiter und wird dann wichtig für unsere Stadtentwicklung. Denn Kochs Tochter Klara wollte die Tat des Vaters wiedergutmachen, verkaufte ihren Erbteil am Weingut und gründete mit dem Geld das Benediktinerinnen-Kloster „Zur ewigen Anbetung“ im Gartenfeld in Trier-Ost, das dann 1922 nach Kürenz umzog, wo es heute noch im Kobusweg zu finden ist. Auch der Trierer Augenscheiner, heute im Besitz der Vereinigte Hospitien Trier, gehörte diesem Kloster und hier befand sich bis zur Kanalisierung der Mosel die wichtigste Moselfähre Triers.
Ziemlich skurril: 1512 „fanden“ die Mönche der Abtei die „Tunica Mariens“, das Kleid Marias, zufällig zeitgleich mit der ersten Zeigung des Heiligen Rockes. Die Tunica sei ursprünglich von Papst Sergius dem Heiligen Willibrord geschenkt worden, dann aber in Vergessenheit geraten. nach dem Ende der Abtei schenkte der letzte Abt das vorgebliche Kleid der Pfarrei Liebfrauen, wo es heute noch ist.

Aber auch an dunkle Episoden der deutschen Geschichte erinnern die letzten übrig gebliebenen Gebäude der ehemaligen Abtei, den Trierern heute als Exhaus bekannt. Exhaus oder Exzellenzhaus erinnert an die militärische Nutzung in preußischer Zeit: Hier war zunächst ein Pulvermagazin und dann residierte der Kommandeur der 16. Infanteriedivision, eines Großverbandes der preußischen Armee, in der alle Truppen der südlichen Rheinprovinz zusammengefasst waren, mehrere zehntausend Mann. Diesem Divisionskommandeur gebührte als einem der führenden Militärs im Land die Anrede „Exzellenz“. Einer der letzten Exzellenzen dort war zu Beginn des 20. Jahrhunderts Lothar von Trotha, der von hier ins damalige Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia aufbrach, wo er das Kommando der Schutztruppen übernahm und den Aufstand der Herero und Nama brutal niederschlug, Geschichtsträchtiger Boden also. Vielleicht denken sie einmal daran, wenn sie ab Mai 2022 im neuen Nordbad schwimmen gehen.“

(Quelle: Wolfram Leibe – Oberbürgermeister der Stadt Trier)

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