Leere Praxen: Niedergelassene Ärzte beklagen Umsatzrückgang in Krise

Es klingt auf den ersten Blick skurril: In einer Gesundheitskrise bleiben Arztpraxen leer. Doch die Angst vor einer Ansteckung mit dem neuen Coronavirus lässt Patienten zuhause bleiben und bereitet niedergelassenen Medizinern Probleme.

Niedergelassene Ärzte in Rheinland-Pfalz beklagen in Zeiten der Corona-Krise herbe Umsatzrückgänge. Praxen bleiben Ärztevertretern zufolge häufig leer, weil Patienten Angst vor einer Ansteckung mit dem neuen Coronavirus hätten. Auch heißt es, dass viele Leistungen telefonisch erbracht würden, aber damit nicht abgerechnet werden könnten wie Behandlungen bei Patientenbesuchen. Die niedergelassenen Ärzte sehen sich in Pandemie-Zeiten schlechter behandelt als etwa Kliniken, auch beim Thema Kurzarbeit sind in der Regel die Hände gebunden.

Die Initiative der Fachärzte in Rheinland-Pfalz spricht von einer «Corona-Angst» bei Patienten. Dies führe zu Mindereinnahmen bei vielen ambulant tätigen Fachärzten, die mittelfristig ihren Praxisbetrieb nicht mehr im notwendigen Maße aufrechterhalten könnten. Die Initiative verweist beispielhaft auf eine bundesweite Umfrage von Ende April, nach der das Patientenaufkommen in diesen Praxen im Vergleich zum Vorjahresquartal um die Hälfte geschrumpft sei – gleichzeitig blieben die Öffnungszeiten aber die gleichen.

Für die stationäre Versorgung von Patienten seien umfassende Hilfspakete geschnürt worden, betonte die Initiative der Fachärzte. Für niedergelassene Ärzte sei bislang keine «adäquate Unterstützung» erkennbar. Dabei würden sechs von sieben Covid-19-Patienten ambulant behandelt. Die Regelungen für niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten im Covid-19-Krankenhausentlastungsgesetz auf Bundesebene genügen der Initiative nicht. Das legt fest, dass ab einer gewissen Umsatzminderung Ausgleichszahlungen erfolgen sollen.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) kritisierte jüngst, dass unter den vom Bundestag beschlossenen vertragsärztlichen Schutzschirm nur Umsätze aus der Tätigkeit innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung fielen. Nicht abgedeckt seien Einnahmen, die sonst zum Beispiel mit privatärztlichen oder arbeitsmedizinischen Leistungen erzielt würden. Die könnten aber einen hohen Anteil an den Einnahmen haben.

Vor dem Hintergrund wandte sich die KBV auch gegen die «pauschale Ablehnung von Anträgen auf Kurzarbeitergeld für Arztpraxen», wie sie es formulierte. Nach Einzelfallprüfungen solle es sehr wohl zur Zahlung von Kurzarbeitergeld für Praxen kommen, da ansonsten betriebsbedingte Kündigungen unvermeidlich seien, was für die ärztliche Infrastruktur extrem schädlich wäre.

Von der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Saarbrücken heißt es, die Gewährung von Kurzarbeitergeld richte sich derzeit nach einer Weisung vom 15. April. Die sei von der Agentur in Abstimmung mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales erlassen worden. «Gemäß dieser Weisung können Vertragsärzte kein Kurzarbeitergeld erhalten, da bei Vertragsärzten die Ausgleichszahlungen bei Arbeitsausfall aus dem Rettungsschirm im Gesundheitswesen ähnlich einer Betriebsausfallversicherung greifen.» In dieser Woche erfolge zu dieser Weisung eine Abstimmung zwischen der Bundesagentur sowie dem Bundesarbeits- und -gesundheitsministerium.

Auch Hausarzt Michael Gurr begrüßt derzeit weniger Patienten in seiner Praxis im pfälzischen Eisenberg und sieht bei Praxen im Land teils «enorme Umsatzeinbußen». Probleme bereite das vor allem niedergelassenen Ärzten auf dem Land, bei denen der Anteil der Privatpatienten deutlich geringer sei. Chronisch kranke Patienten würden indes weiter behandelt und ihnen würden auch weiter teils teure Medikamente verschrieben. Über mangelnde Arbeit kann sich Gurr unter dem Strich nicht beklagen. Es gebe viel Redebedarf, viel geschehe übers Telefon. «Es ist brutal anstrengend», sagte er.

Wie deutlich die Erlöse der Praxen in Rheinland-Pfalz geschrumpft sind, ist nach Angaben des Präsidenten der Landesärztekammer, Günther Matheis, noch nicht absehbar. Unklar ist auch noch, wie die Erstattung außerordentlicher Kosten für Praxen im Zusammenhang mit der Pandemie – etwa für Schutzausrüstung oder andere Neuerungen wegen der Behandlung von Covid-19-Patienten – aussehen wird. Hier stehen noch Verhandlungen zwischen den Kassenärztlichen Vereinigungen und den Krankenkassen an. (dpa)

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2 KOMMENTARE

  1. Das ist nicht weiter verwunderlich, wenn es bei diesen Arztpraxen zugeht wie bei der bei der ich gerade war in der Innenstadt.
    Beim Betreten der Praxis fordert die eingeglaste Sprechstundenhilfe mich auf eine Maske anzulegen.
    Ich frage sie wieso, weil die Pflicht zum Tragen einer Maske ist doch nur im öffentlichen Nahverkehr und beim Einkaufen.
    Darauf erklärt sie mir, ja doch doch, auch in einer Arztpraxis besteht diese Pflicht und eine Arztpraxis ist sowieso ein öffentliches Gebäude. Ach was….
    Da sucht man sich dann gerne mal einen anderen Arzt bei soviel geballter Kompetenz.
    In der Verordnung sind nämlich Arztpraxen ausdrücklich von der Maskenpflicht ausgenommen.

  2. Im allgemeinen wird einem anderen Berufsstand zugesprochen, dass dieser ständig am klagen ist, dass nun auch noch Ärzte ihre Stimmen erheben, ist mir unverständlich, zumal ich in der Vergangenheit des öfteren Erfahrungen mit Arztpraxen machen konnte, die subtil die reale wirtschaftliche Situation von Ärzten aufzeigten.
    So beklagte sich die Frau eines Arztes, ihr Mann müsste 1Jahr lang hart arbeiten, damit sie sich ein Haus bauen könnten.
    Mehrfach erbat ich bei diversen Arztpraxen um einen Termin, worauf die jeweilige Sprechstundenhilfe mich auf Wochen hin vertröstete. Allerdings geschahen zugegebenermaßen immer „Wunder“, als die Sprechstundenhilfe erfuhr, dass ich Privatpatient sei. Der Hinweis, auf einen Wochen späteren, freien Termin zeigt doch, welcher Ansturm bei Ärzten allgemein herrscht.
    Recherchiert man nach dem durchschnittlichen Jahreseinkommen eines Arztes, so treten meist Einkommensverhältnisse von einigen 100.000 € zutage.
    Bitte fangen Sie bei Ihren finanziellen Verhältnissen nicht an zu jammern, verhungern muss keiner von Ihnen. Derzeiten müssen Hunderttausende anderer Menschen bei uns in Deutschland um ihr täglich Brot bangen bzw. sind auf Almosen angewiesen oder werden bei den Tafeln vorstellig.

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