Neue Spielstätten, neue Perspektiven: Theater Trier stellt Spielzeit 2026/27 vor

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Freuen sich auf die erste Interimsspielzeit: Intendant Lajos Wenzel, Schauspieldirektorin Elisa von Issendorf, Generalmusikdirektor Jochem Hochstenbach, die geschäftsführende Direktorin Eva Gaertner, Oberbürgermeister Wolfram Leibe, Ballettdirektor Roberto Scaffati und Kulturdezernent Markus Nöhl (v.l.n.r.). Foto: Alexander Scheidweiler

TRIER. Unter dem Motto „Zusammen ins Offene“ hat Intendant Lajos Wenzel am heutigen Mittwoch im Beisein von Oberbürgermeister Wolfram Leibe und Kulturdezernent Markus Nöhl zusammen mit den Spartenleitern den Spielplan der ersten Interimsspielzeit des Theaters Trier vorgestellt. In der Spielzeit 2026/27 setzt das Theater weiterhin auf ein vielseitiges Programm für ein breites Publikum, erschließt sich mit neuen Spielstätten aber auch neue Räume in der Stadt, die spannende Perspektiven und Möglichkeiten eröffnen.

Oberbürgermeister Wolfram Leibe freut sich über den Start der Generalsanierung und sieht im Interim vor allem eine Chance, das Theater neu zu erleben. Mit Freude an Offenheit und Neugierde macht sich das Theater Trier auf den Weg ins Interim. Das mache das Theater Trier auch in Zukunft aus, sagte Intendant Lajos Wenzel zur Vorstellung der Spielzeit 2026/27, der ersten Interimssaison. „Auch wenn wir nach und nach unsere gewohnten Räume verlassen, freuen wir uns auf neue Formen und Möglichkeiten“, so Wenzel, der die Spielzeit unter das Motto „Zusammen ins Offene“ stellte. Schließlich könnten durch die neuen Spielstätten frische Formen des Spielens, neue Perspektiven des Schauens und viel Raum für überraschende Begegnungen und spannendes Erleben eröffnet werden. „Die kommende Spielzeit wird ein gemeinsamer Aufbruch, zu dem wir auch das Publikum herzlich einladen. Mit facettenreichen Produktionen und kritischen Blicken zeigen wir Theaterkunst für Kinder, Jugendliche und Erwachsene jeden Alters aus Trier und der Region, stellen Fragen und sorgen mit Sonderformaten für Staunen, offene Ohren und unterhaltsame Herausforderungen.“ Neu werde vor allem der en suite-Spielbetrieb sein, der im Interim logistisch notwendig ist. Das heißt, die einzelnen Produktionen werden nur in vier bis sechs Wochen am Stück gezeigt werden, bevor dann das nächste Stück Premiere feiert, erklärte Wenzel.

Monteverdis „L’Orfeo“ wird in der Kulturkirche Heiligkreuz gezeigt. Roberto Scaffati, Elisa von Issendorf und Lajos Wenzel bei der Präsentation des Programms. Foto: Alexander Scheidweiler

Oberbürgermeister Wolfram Leibe freut sich auf die neue Saison. Einerseits, weil nach jahrzehntelangen Vorbereitungen nun endlich die notwendige Generalsanierung begonnen werde, andererseits, weil die neuen Spielstätten an vielen Orten der Stadt Chancen sind, das Theater auf eine neue Art zu erleben. „Intendant Lajos Wenzel hat mit seinem Team einen Spielplan erarbeitet, der logistischen Herausforderungen klug begegnet und durch zahlreiche Synergien und effizienten Ressourceneinsatz große künstlerische Vielfalt verspricht“, so der Oberbürgermeister, „darum freue ich mich auf eine spannende Zeit, in der es sicher viel zu entdecken und erleben gibt.

Oberbürgermeister Wolfram Leibe sieht im Besucherrekord der vergangenen Spielzeit eine „Abstimmung mit den Füßen“ zugunsten des Theaters Trier und der Generalsanierung. Foto: Alexander Scheidweiler

Mit Genugtuung wies Leibe darauf hin, dass der Stadtrat am gestrigen Dienstagabend „mit 45 Ja-Stimmen und vier Nein-Stimmen den Probebühnen zugestimmt“ hat (lokalo.de berichtete). Diese seien „die Bedingung, dass überhaupt die Sanierung gemacht werden kann“, betonte der OB. Der Besucherrekord der vergangenen Spielzeit sei „ein Stück weit Abstimmung mit den Füßen gegen den veröffentlichten vermeintlichen Mainstream“, sagte Leibe mit Blick auf die Kritik an der Anmietung des Probenzentrums in Teilen der lokalen Medienlandschaft. „Jedes Mal wenn ich in den letzten Monaten als Besucher im Theater Trier war, wusste ich, warum ich für dieses Theater kämpfe“, so der OB.

Die Generalsanierung nimmt Formen an – ein Gerüst steht bereits. Foto: Alexander Scheidweiler

Zudem kündigte Leibe die Ausschreibung der Intendantenstelle an, auf die man sich im Zuge der Übernahme der alleinigen Intendanz geeinigt habe. Der Stadtrat habe damals in Absprache mit Lajos Wenzel entschieden, dass, wenn es um die Einzelintendanz gehe, sich Wenzel auf die Stelle bewerben solle. Daher sei die Ausschreibung keine Überraschung und werde ganz offen gestaltet. „Viele Fraktionen haben Herrn Wenzel in den letzten Wochen persönlich angesprochen und aufgefordert, sich auf jeden Fall zu bewerben.“ Es sei ein üblicher Vorgang, dass die Stelle ausgeschrieben wird, so Leibe.

Kulturdezernent Markus Nöhl unterstrich, dass die Interimsspielzeit durch „unheimlich tolle Spielstätten“ die Möglichkeit biete, „Kunst darzustellen und Kunst an die Menschen zu bringen“. Durch Spielorte wie die Kulturkirche Heiligkreuz entstünden „neue künstlerische Möglichkeiten, sich auszudrücken“, und „neue Perspektiven für das Publikum — und ich glaube, dass das ein großer Gewinn sein wird.“ zur Kulturkirche tritt als Interimsspielstätte der Tufa-Anbau, der nun Wechselwerk heißt, und bereits ab Oktober das Schauspiel und teilweise auch das Tanzensemble beherbergen wird, sowie die Europahalle, die ab Januar 2027 als Spielstätte des Opernensembles fungiert. Ferner wird die Europäische Kunstakademie weiterhin bespielt.

Nöhl hob mit Verweis auf rund 138.000 Besucher in der Spielzeit 2024/25 noch einmal die Bedeutung des Theaters für Stadt und Region hervor. „Das Theater ist eines der künstlerischen Zentren dieser Stadt. Mit seinem vielfältigen pädagogischen Angebot, mit über 20.000 Kindern im Familienstück zur Weihnachtszeit und dem Team der Kulturvermittlung, das in Schulen geht und Workshops anbietet, ist es zudem eine unverzichtbare Bildungseinrichtung.“ Das Theater liefere große Kunst und mache sie zugleich niedrigschwellig zugänglich, so Nöhl. „Dort werden unterhaltsam und nachhaltig Werte vermittelt, die wir uns für die Gesellschaft wünschen.

Programm

Den Auftakt in die neue Spielzeit macht das Theater Trier mit dem mittlerweile fest etablierten Open-Air auf dem Augustinerhof. Vom 20. bis zum 30. August findet das spartenübergreifende Spektakel „Anatevka“ mit Schauspiel-, Musiktheater- und Ballettensemble in Begleitung des Philharmonischen Orchesters statt. Diese Spielzeiteröffnung deutet bereits einen Schwerpunkt der Programmgestaltung an. Im Laufe der Saison wird es mehrere Produktionen zu erleben geben, in denen unterschiedliche Sparten auf der Bühne zusammenkommen. Noch im Großen Haus wird Ballettdirektor Roberto Scafati Carl Orffs mitreißendes Orchester- und Chorwerk „Carmina Burana“ zu einem spartenübergreifenden Kunstwerk formen. Das Stück wird am 31. Dezember das letzte sein, das vor dem Beginn der Generalsanierung im Großen Haus zu sehen sein wird.

Vorgeschmack auf das Open Air-Spektakel im August: Der Tenor Derek Rue singt „Wunder! Ein Wunder“ aus „Anatevka“. Foto: Alexander Scheidweiler

Mit Claudio Monteverdis „L’Orfeo“ startet das Theater dann mit der ersten Oper überhaupt endgültig ins Interim. In der Kulturkirche Heiligkreuz wird Choreograf Fernando Melo, der zuletzt das Tanzstück „Bab(b)el“ mitinszeniert hat, mit dem Ballett- und Musiktheaterensemble sowie dem Orchester diese ergreifende Geschichte von Abschied, Vertrauen und Mitleid erzählen. Der zentrale Satz „Achau nicht zurück“ steht dabei sinnbildlich für den nach vorne gerichteten Blick des Theaters, das sich voller Freude in die Offenheit des Interims begibt.

Für Richard Strauss dichtes Meisterwerk „Elektra“ fokussiert sich das Theater in der konzertanten Aufführung in der Europahalle ganz auf die eruptive Kraft der Komposition und bringt die Solistinnen und Solisten des Musiktheaterensembles mit dem Opernchor und dem Philharmonischen Orchester auf die Bühne und verbindet damit die Klarheit eines Sinfoniekonzertes mit dem erzählenden Moment der Oper.

„Die verkaufte Braut“ von Bedřich Smetana als letzte Premiere der Spielzeit bringt als mitreißendes Volkslustspiel noch einmal beste Opernunterhaltung mit glänzender Ensemblemusik und Tanz- sowie Zirkusnummern zusammen in die Europahalle.

Die „Carmina Burana“ als spartenübergreifendes Kunstwerk werden das letzte Werk sein, das zum Jahresabschluss im Großen Haus zu sehen sein wird – Francisco Camarneiro und Sofia Emanuela Capelli geben eine tänzerische Kostprobe, zum Gesang von Yuriy Hadzestkyy. Foto: Alexander Scheidweiler

Die erste Opern-Premiere findet hingegen noch im Großen Haus statt und ist ein echtes Highlight: Engelbert Humperdincks „Hänsel und Gretel“ in einer Inszenierung von Benedikt Arnold, der in der noch aktuellen Saison mit „La Traviata“ in Trier reüssiert hat. Vor zehn Jahren war die Oper zum letzten Mal in Trier zu sehen und damals die erste Produktion, an der der neu gegründete Kinder- und Jugendchor beteiligt war. Damit ist „Hänsel und Gretel“ auch der Auftakt in die Jubiläumsspielzeit der jungen Chöre.

Ein großes Geschenk kommt dann im neuen Jahr auf sie zu, wenn unter der musikalischen Leitung von Martin Folz in einer Inszenierung von Intendant Lajos Wenzel „Das fliegende Klassenzimmer“ als Musiktheater nach Erich Kästner uraufgeführt wird. Die Komposition ist ein Auftragswerk zum 10. Jubiläum des Kinder- und Jugendchores.

Unter der musikalischen Leitung von Martin Folz (r.) – hier mit Hiltrud Zock (Verein der Freunde des Theaters Trier, M.) und Lisenka Sendlacek (Leiterin Kulturvermittlung, l.) – wird „Das fliegende Klassenzimmer“ als Musiktheater nach Erich Kästner uraufgeführt. Foto: Alexander Scheidweiler

Neben den Kooperationen der Ballettcompany mit Orchester und Musiktheater wird „Momentum“ den richtigen Augenblick und notwendigen Impuls dabei beschwören. In Kooperation mit den Théâtres de la ville de Luxembourg und dem Escher Theater arbeitet Roberto Scafati mit Jean-Guillaume Weis und Elisabeth Schilling zusammen. Drei Choreografinnen und Choreografen, drei unterschiedliche Sichtweisen auf ein Thema. Daraus entsteht im Wechselwerk, dem Neubau an der Tufa, ein faszinierender Abend mit drei neuen Tanzstücken.

Das Wechselwerk wird in der Zeit des Interims, neben zahlreichen kleinen Formaten verschiedener Sparten, vor allem Heimat des Schauspiels. Schauspieldirektorin Elisa von Issendorff will in der Spielzeit 2026/27 neue Welten erschaffen: sei es mit dem Klassiker des absurden Theaters „Wir sind noch einmal davongekommen“ von Thornton Wilder, in dem sich eine Familie trotzig jedem Weltuntergang widersetzt, sei es mit einem gewöhnlichen Menschen, der sich in einer Science-Fiction-Gameshow gegen andere Spezies durchsetzen muss, wie in „Planet B“, einer Inszenierung von Manfred Langner, oder in den Klassikern „Die Verwandlung“ von Franz Kafka und „Frankenstein“ von Mary Shelley oder dem aktuellen Stück „Jeeps“, in dem die Realität des Beamtenalltags auf die absurden Ideen einer modernen Erbschaftsreform treffen.

Tragen eine Szene aus einem Klassiker des absurden Theaters vor, Thornton Wilders „Wir sind noch einmal davongekommen“: Barbara Ullmann, Susanne Schiefer und Harald Pilar von Pilchau (v.l.n.r.). Foto: Alexander Scheidweiler

Einen für viele Trierer bekannten Raum wird in „Wald“ ganz neu entdeckt: der Stadtraum. Der Audiowalk führt durch die Stadt selbst, erzählt von der vitalen Kraft der Natur und lässt so als Hör-Spaziergang Trier aus völlig neuer Perspektive sehen.

Außerdem wird das erfolgreiche Format „Blackbox“ weitergeführt und mit Liederabenden, „You better work, bitch!“, einer Kooperation mit Bühne1, dem Theaterteaser und dem interaktiven, auf ein offenes Gespräch mit dem Publikum ausgerichtetes ‚Unterhaltungsformat’ „Eine schrecklich nette Bühne“ erweitert.

Generalmusikdirektor Jochem Hochstenbach stellte das Konzertprogramm der Spielzeit 2026/27 vor, das wieder eine große Bandbreite an Epochen und Stilrichtungen umfasst. In den Sinfoniekonzerten werden herausragende Sinfonien von Mahler und Beethoven ebenso gespielt, wie Klavierkonzerte von Schumann und Mozart. Hochstenbach freute sich, mit der jungen Trierer Pianistin Elena Neumann, dem renommierten Markus Groh und dem saarländischen Orgelvirtuosen Christian Schmitt brillante Solistinnen und Solisten gewonnen zu haben. Mit Cristina Goicea kommt ein bekanntes Gesicht für Tschaikowskys Violinkonzert zurück nach Trier.

Von Schumann bis Mahler: Generalmusikdirektor Jochem Hochstenbach stellt das Konzertprogramm vor. Foto: Alexander Scheidweiler

Weitergeführt werden die fest etablierten Formate der „Klassik um 11“ und Kammerkonzerte. Das Profil der Mixed Zone-Konzerte wird in der kommenden Saison weiter geschärft: das Stummfilmkonzert, zu dem Friedrich Wilhelm Murnaus „Der letzte Mann“ zu live-Orchester-Soundtrack gezeigt wird, das Live-Hörspiel „Per Anhalter durch die Galaxis“ lässt den Kultklassiker auf einzigartige Weise erleben und mit „Im Auge des Orchesters“ kann das Konzert einmal aus der Perspektive der Musizierenden erlebt werden.

Neben den erfolgreichen Familienkonzerten von Kapellmeister Wouter Padberg wird es zum ersten Mal auch ein Kinderkarnevalskonzert geben. So kommt auch das Halloweenkonzert für Kinder, Jugendliche und alle Verkleidungsbegeisterten wieder zurück.

Dem besonderen Augenmerk des Intendanten Lajos Wenzel auf Öffnung des Theaters für neue Publikumsgruppen und Einbeziehung der Kunst- und Bevölkerungsgruppen der Stadt und der Region folgend wird es im Frühjahr 2027 eine weitere Auflage des nun schon etablierten Fringe Straßentheaterfestivals geben. Künstlerinnen und Künstler aller Sparten zeigen im Austausch mit internationalen Ensembles die überraschende Vielfalt der theatralen Möglichkeiten und gehen auf den Straßen der Stadt in den direkten Dialog mit dem Publikum. Ein großes Fest der Künste, lebendig, überraschend und voll nachdenklichen, tiefgründigen Spektakels. (Quelle: Theater Trier)

3 Kommentare

  1. Geht es auch eine Nummer kleiner? Dass die Theaterleute ihre Arbeit über den grünen Klee loben, kann man verstehen, denn sie sind stolz auf das, was sie auf die Beine gestellt haben. Außerdem ist das Theater ihre Lebensgrundlage. Klar dass sie es als etwas Unverzichtbares darstellen wie etwa die Notaufnahme im Krankenhaus. Aber dass die Politik und vllt auch die Medien solch einen Trommelwirbel veranstalten, zeigt, wie weit diese Leute vom Alltag der Bevölkerung entfernt sind. Kunst und Kultur werden mit einem Überschwang von Lobeshymnen versehen, dass man meinen könnte, sie wäre das Allheilmittel für alle Krankheiten und Elend der Welt. Es geht nur um Kunst, meine Herrschaften, Unterhaltung, Zerstreuung, Zeitvertreib. Gedrechselte Formuliierungen wie „Zusammen ins Offene“ hört, fragt man sich doch, vonwelchem Planeten kommen solche Leute mit ihren Phrasen. Wenn da posaunt wird, dass „sich mit neuen Spielstätten aber auch neue Räume in der Stadt, die spannende Perspektiven und Möglichkeiten eröffnen.“ Hat man eine neue Galaxie entdeckt, ein Durchbruch in der Medizin oder wurden einfach nur neue Spielstätten bereit gestellt? Welche „spannenden Perspektiven und Möglichkeiten“ sollen sich denn da eröffnen? Heute muss anscheinend jede Belanglosigkeit mit dem Attibut „spannend“ versehen werden. Eine Nummer kleiner geht nicht: Es ist Theater, nichts weiter, nur Theater. Die Drehrichtung der Rede wird sich dadurch nicht verändern und die Leute, die Theater machen, sollen den anderen einen kurzen Moment der Freude und des Vergnügens verschaffen, mehr nicht. Oder genügt das nicht? Muss alles versehen werden mit einem gewaltigen Anspruch? Darf es nicht vergnüglich sein, muss auch immer Tieferes darin stecken? Es ist Theater, keine Weltrevolution, kein Aufbruch zu neuen Ufern, einfaches allttägliches Theater.
    Gut mit solche riesigen Würfen und Wortmonstern, die so allgemein sind, dass jeder etwas dadrin finden oder hineinlegen kann, täuscht man natürlich darüber hinweg, dass es eigentlich nur um Theater, Schauspiel, Kurzweil geht – für wenige. Für dei wenigen Kulturbeflissenen dieser Stadt. Wenn aber das schnöde Theater aufgebausch wird als etwas, ohne das das Leben keinen Sinn mehr hat, dann kann man auch dem letzten Zweifler weismachen, dass man dafür gewaltige Summen ausgeben muss. Anderenfalls geht die Welt unter. Aber am Ende, nach all den großen Spruchblasen, bleibt es nur Theater, wohl aber teuer erkauftes.

    • @ BSW- Wähler

      Danke für den zutreffenden Kommentar der den Irrsinn auf den Punkt bringt. Ich bin ebenfalls der Meinung dass in Zeiten knapper Kassen diese Form der Subventionierung für dieses Provinztheater quasi ein Schlag in das Gesicht des Grossteils der Bevölkerung ist.

      Andere “ Kulturschaffende“ wie Bands, Maler, u.s.w. müssen sich ihr Publikum suchen. Entweder es gibt genug zahlende „Kunden“ oder der Künstler muss sich einen anderen Broterwerb suchen.

      Erinnern wir uns an die historische Wurzel dieser Form des subventionierten
      Theaterklamauks. Der feudale Adel presste gerne die einfache Bevölkerung gnadenlos aus und nutzte diese Gelder für private Unterhaltung wie Orgien oder diese Theateranstalten. Der Bevölkerung geht es schlecht, marode Schulen, kein EX Haus u.s.w. Egal, Hauptsache ein schöner Spielplan für ein meiner Einschätzung nach sehr verzichtbare provinzielle Einrichtung.

      Meine Wahrnehmung zeigt extreme Parallelen zur Geschichte, offensichtlich hat sich nicht viel geändert.

  2. Bei der Vorstellung des neuen Spielplans wurden viele und besonders große Worte gemacht. Den meisten einfachen Bürgern der Stadt dürfte das zu dick aufgetragen sein. Sie leben nicht für und schon gar nicht vom Theater. Sie sind diejenigen, die dafür zahlen.
    Wenn man die Lobgesänge hört, könnte man glauben, dass es sich um eine neue Bergpredigt handelt, nicht die Vorstellung eines simplen Spielplans. So meint denn Intendant Wenzel: „ Schließlich könnten durch die neuen Spielstätten frische Formen des Spielens, neue Perspektiven des Schauens und viel Raum für überraschende Begegnungen und spannendes Erleben eröffnet werden“ Große Worte!
    Oberbürgermeister Leibe will sich da nicht lumpen lassen und zieht nach. Er weissagt, dass „die neuen Spielstätten an vielen Orten der Stadt Chancen sind, das Theater auf eine neue Art zu erleben“
    Auch Kulturdezernent Markus Nöhl glaubt, dass das Interim „ein großer Gewinn sein wird.“ Denn es biete sich die Möglichkeit, „Kunst darzustellen und Kunst an die Menschen zu bringen, neue künstlerische Möglichkeiten, sich auszudrücken und „neue Perspektiven für das Publikum“.
    Nach so viel Schönfärberei und großartigen Visionen stellt sich dann doch die Frage: „Warum muss das Theater dann überhaupt für zig Millionen renoviert werden? Wenn doch die Verteilung auf viele verschiedene Spielstätten eine Chance ist, „Theater auf eine neue Art zu erleben“. Warum lässt man es dann nicht bei diesem viel gepriesenen Zustand statt zurück zum alten, das zudem noch Millionen verschlingt? Was wird aus Wenzels „frische Formen des Spielens, neue Perspektiven des Schauens und viel Raum für überraschende Begegnungen und spannendes Erleben“, die doch die Verteilung auf verschiedene Spielstätten bringen soll? Wird das alles zusammen mit dem vielen Geld für die Renovierung ins Klo gekippt?
    Was bleibt dann von Nöhls leuchtender Vision, „Kunst darzustellen und Kunst an die Menschen zu bringen, neue künstlerische Möglichkeiten, sich auszudrücken und „neue Perspektiven für das Publikum“? Warum nicht beibehalten, was doch so glänzend zu sein scheint, und dabei noch viele Millionen sparen?
    Denn nach solchen Worten vonseiten der Verantwortlichen scheint diese Zwischenzeit eher eine Bereicherung statt eine Einschränkung zu sein. Warum belässt man es dann nicht einfach beim Interim, statt mit der Renovierung ein Millionengrab auszuheben? Was will man denn mehr, wenn doch die Interimszeit der große Wurf ist in neue Theaterwelten? Es scheint doch auch so zu gehen, wie die großen Worte der Verantwortlichen selbst belegen.
    Mit dem von Wenzel so gelobten „en suite-Spielbetrieb“ ist ja der Theaterbesuch weiterhin logistisch gewährleistet. Und wieso sollte das nicht länger als 5 + X Jahre funktionieren? Zumal Leibe dem Intendanten bescheinigt, den „logistischen Herausforderungen klug begegnet“ zu sein und „durch zahlreiche Synergien und effizienten Ressourceneinsatz“ die künstlerische Vielfalt offenbar keinen Schaden erleidet.
    Bei einer Ersparnis von etwa 100 Mio wird man den wenigen Kulturbeflissenen auch einmal den einen oder anderen Abstrich von ihrem hoch subventionierten Vergnügen zumuten können. Schließlich müssen sie ja nicht einmal auf ihr geliebtes Theater verzichten. Wie kann unter solchen Umständen ein millionenschwerer Umbau überhaupt noch gerechtfertigt werden? Eben doch Luxus, wie die FDP meint? Und das in Zeiten, wo für die kleinen Leute das Leben immer teurer und beschwerlicher wird und die Vertreter der Tafeln bei Edeka um mehr Lebensmittelspenden betteln müssen?

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