TRIER. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, sprach im Rahmen der Reihe „Forum Bürgerkirche“ zum Thema „Jüdisches Leben in Deutschland“. An den Vortrag schloss sich eine Podiumsdiskussion mit Zuschauerfragen an. Schuster machte deutlich, dass jüdisches Leben in Deutschland vital und selbstbewusst, zugleich aber auch bedroht ist. Es zu schützen, sei eine Aufgabe, bei der die Zivilgesellschaft in der Pflicht stehe.
Von Alexander Scheidweiler
„Aus Respekt und Ehrfurcht“ widerstehe er der Versuchung, den Vortrag des Hauptredners noch einmal zusammenzufassen, so Philipp Lerch, Leiter des Politischen Bildungsforums Rheinland-Pfalz der Konrad-Adenauer-Stiftung, am Ende eines erkenntnisreichen, gut zweistündigen Vortrags- und Diskussionsabends in der Trierer Markt- und Bürgerkirche St. Gangolf. In gewissem Sinne tat er es dann aber doch, indem er zwei Schlüsselzitate aus dem Vortrag wiederholte und sie den Besucherinnen und Besuchern in der restlos gefüllten Kirche mit auf den Weg gab: „Jüdisches Leben ist viel mehr als jüdisches Leiden.“ Und weiter: „Jüdisches Leben ist nicht Vergangenheit, sondern lebendige, selbstbewusste und zugleich bedrohte Gegenwart.“
„Glasklar, eindrücklich und menschlich“
Diese mächtigen Sätze hatte zuvor Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, in seinem Vortrag zum Thema „Jüdisches Leben in Deutschland“ ausgesprochen, den Lerch mit Recht als „glasklar, eindrücklich und menschlich“ bezeichnete. In für die Veranstaltungsreihe „Forum Bürgerkirche“ fast schon traditioneller Weise schloss sich an den Vortrag eine hochkarätige Podiumsdiskussion an, die von der Journalistin Dr. Inge Kreutz moderiert wurde und in deren Rahmen Schuster das Thema im Gespräch mit Prof. Dr. Andreas Lehnertz und Dr. Dennis Halft vertiefte. Lehnertz ist Historiker und Direktor des Arye Maimon-Instituts für Geschichte der Juden der Universität Trier, Halft fungiert als Lehrstuhlverwalter am Lehrstuhl für Abrahamitische Religionen mit Schwerpunkt Islam und interreligiöser Dialog der Theologischen Fakultät Trier.
Markus Leineweber vom Kuratorium Markt- und Bürgerkirche St. Gangolf sagte in seiner Begrüßung, es sei das Ziel des Kuratoriums, „dass verschiedene Veranstaltungen in der Bürgerkirche dazu beitragen, dass Menschen sich begegnen – Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven, mit unterschiedlichen Erfahrungen und auch mit unterschiedlichen Religionen.“ Der Abend mit Schuster sei aus der Sicht des Kuratoriums daher „mehr als nur eine Vortragsveranstaltung mit einem prominenten Redner“. Vielmehr stelle der Abend zum Thema „Jüdisches Leben in Deutschland“ auch „ein Statement“ dar, konkret „für jüdisches Leben in unserer Gesellschaft, in Deutschland, und zwar in Freiheit und Sicherheit, ohne Angst.“ Leineweber wies in diesem Kontext darauf hin, dass die Einladung des Zentralratspräsidenten in der Gegenwart leider „auch ein Thema seiner persönlichen Sicherheit ist.“ Tatsächlich war für den aufmerksamen Besucher am gestrigen Dienstagabend die hohe Polizeipräsenz vor und in der Kirche unübersehbar. Obgleich auch in der Vergangenheit prominente und hochrangige Gäste im Forum Bürgerkirche aufgetreten sind, etwa der amtierende Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Stephan Harbarth, so war es doch gestern erstmalig erforderlich, im Eingangsbereich die Taschen der Besucher zu kontrollieren. Josef Schuster, der bei seinen öffentlichen Auftritten immer wieder ein hohes Risiko auf sich nehme, gebe durch seinen Mut ein Beispiel, das auch den Anwesenden eine „Ermutigung“ sein könne, „sich nicht der Angst zu beugen“, so Leineweber.
Markus Nöhl, Kulturdezernent der Stadt Trier, schlug in seinen Ausführungen den Bogen von der langen jüdischen Geschichte in Trier in die Gegenwart. Nöhl wies darauf hin, dass zu den ältesten Fundstücken aus der frühesten Phase der Besiedlung Triers eine Öllampe in Form eines siebenarmigen Leuchters, mithin ein Zeugnis jüdischen Lebens in der Stadt, zählt. Die Geschichte des Judentums in Trier sei „von sehr vielen unterschiedlichen und widersprüchlichen Phasen geprägt“. Schreckliche Phasen mit „Verfolgung, Vertreibung, systematischem Terror und Tötung“ stünden neben „konstruktiven Phasen“, in denen „die Mehrheitsgesellschaft und die Minderheit es geschafft haben, nebeneinander zu leben“ und „teilweise auch in einem intensiven Austausch zusammenzuarbeiten“. Die heutige jüdische Gemeinde in Trier sei zwar klein, aber sehr aktiv und bringe sich intensiv in die Stadtgesellschaft ein.
Nöhl nannte drei Dimensionen, in denen jüdisches Leben in Trier präsent ist. Da ist zunächst die Gedenkarbeit: „Das Gedenken an die Opfer, die Mahnung, dies nie wieder geschehen zu lassen, ist gleichsam ein Auftrag zu handeln.“ Ferner die Kulturarbeit, Nöhls ureigene Domäne. Hier hob Nöhl die Jüdischen Kulturwochen hervor, die in diesem Jahr in Trier zum zweiten Mal stattfanden. Diese zeigten „die ganze Bandbreite“. Stadt, jüdische Kultusgemeinde, Zivilgesellschaft und zahlreiche Initiativen wirkten hier zusammen, um ein vielfältiges Programm aus Konzerten, Führungen, Präsentationen zu realisieren, gruppiert um ein koscheres Pop-Up-Restaurant. Die dritte Dimension sei die Sichtbarkeit: „Jede Person soll sehen, wie selbstverständlich es ist, dass wir Jüdinnen und Juden in unserer Mitte haben.“ Trier sei „ihre Stadt, so wie es die Stadt von Jedermann ist, der hier lebt“, was künftig auch durch Kunst jüdischer Künstlerinnen und Künstler im öffentlichen Raum deutlich gemacht werden soll.
„Nicht nur ein Schattendasein“
Dr. Josef Schuster eröffnete seinen Vortrag mit der erwähnten Feststellung, dass jüdisches Leben mehr als jüdisches Leiden ist: „Die jüdische Geschichte ist eine Geschichte voller Entbehrungen, doch sie ist keine Geschichte, die den Juden ausschließlich den Platz der Opfer zuweist.“ Der Zentralratspräsident führte so als Leitmotiv seiner Ausführungen die Grundüberzeugung ein, dass bei allen Schrecken der Vergangenheit und allen Gefährdungen der Gegenwart gleichwohl Tatkraft und Zuversicht gefragt und am Platze sind.
Schuster gab einen Abriss der Geschichte des 1950 gegründeten Zentralrats, dessen ursprüngliche Aufgabe darin bestand, die Ausreise der in Deutschland verbliebenen Juden zu ermöglichen. Es sei einer relativ kleinen Gruppe von Menschen zu verdanken, dass der Zentralrat gleichwohl eine größere Rolle in der deutschen Gesellschaft zu spielen begann. Schuster erinnerte in diesem Kontext an die langjährige stellvertretende Zentralratsvorsitzende Jeannette Wolff. Diese Menschen „fassten einen Entschluss, dessen Tragkraft auch heute, über 80 Jahre nach dem Menschheitsverbrechen der Shoah unmöglich überschätzt werden kann: Sie entschlossen sich, an eine Zukunft in Deutschland zu glauben, an eine Zukunft zu glauben nach den unfassbaren Gräueltaten der Nationalsozialisten.“ Doch wichtig war nicht nur der Glaube, sondern auch der Wille, diese Zukunft aktiv zu gestalten, „nicht nur ein Schattendasein am Rande der Gesellschaft, sondern sichtbar in ihrer Mitte“ zu führen. Dieser Wille, so Schuster, war der Grundstein dafür, dass man heute überhaupt über jüdisches Leben in Deutschland sprechen kann.
Der „Elefant im Raum“
Damit jüdisches Leben in Deutschland aber auch morgen noch seinen Platz habe, müsse sich gleichwohl einiges ändern, so Schuster. Der Zentralratspräsident benannte den schrecklichen Terrorangriff der islamistischen Hamas vom 7. Oktober 2023 in Israel, bei dem rund 1.200 Jüdinnen und Juden ermordet wurden, als „Elefant im Raum“: „Der Antisemitismus war nie weg, und doch ist seit dem 7. Oktober 2023 vieles ganz anders.“ So kam es im darauffolgenden Jahr zu einem Anstieg antisemitischer Übergriffe um erschreckende 77 Prozent; aktuell sei mit durchschnittlich 24 antisemitischen Vorfällen pro Tag in Deutschland ein trauriges Allzeithoch seit Beginn der systematischen Erfassung erreicht. Schuster zog daher das ernüchternde Fazit: „Die Behauptung, Antisemitismus habe keinen Platz in unserer Gesellschaft, ist leider im Inhalt falsch.“ Antisemitismus sei, so Schuster, zu einer „Brückenideologie für Rechtsextreme, Linksextreme und Islamisten geworden.“
Der Zentralratspräsident kritisierte in deutlichen Worten den Antisemitismus, der in postkolonialen Narrativen wurzelt und sich besonders in linken akademischen Milieus großer Beliebtheit erfreut. Alle jene, die von einem andauernden Völkermord in Gaza sprächen, interessiere die Realität nicht. Ginge es ihnen um einen Genozid, so würden sie den Blick auch bspw. auf den Sudan oder Nigeria richten, was aber nicht der Fall sei: „Viele von denen, die heute von Völkermord und Apartheid sprechen, tun das, weil sie selbst Opfer sind. Opfer einer Erzählung, die in linksintellektuellen Kreisen entstanden ist und sich den Anschein der Wissenschaftlichkeit gibt. Sie sind einer Erzählung aufgesessen, die dem Umfeld der postkolonialen Studien entstammt.“ Die Sichtweise, Israel sei „ein Kolonialstaat weißer Siedler“ sei „eine groteske Verzerrung der Realität“, so Schuster unter großem Applaus. Die Idee, die Shoah sei in den Zusammenhang kolonialer europäischer Bestrebungen zu stellen, wies Schuster entschieden zurück. Sie ignoriere sowohl die Singularität des industriell ausgestalteten Massenmordes an Europas Juden durch den Nationalsozialismus wie auch die biblische Geschichte sowie die ungebrochene Kontinuität jüdischer Präsenz in Israel auch nach der Diaspora.
Um der Unkenntnis und Ignoranz etwas entgegenzusetzen, begrüßte Schuster die Entscheidung von Yad Vashem, eine Dependance in Deutschland einzurichten. Ferner erinnerte der Präsident des Zentralrats daran, dass das Grundgesetz „der historische Gegenentwurf zum Terror des Nationalsozialismus“ und „identitätsstiftend für die aufrechten Demokraten unseres Landes“ ist. Schuster lobte, dass das neue Gedenkstättenkonzept der Bundesregierung, im letzten November verabschiedet, daran festhalte, die Singularität der Shoah als Schwerpunkt der Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus begreifen. Zugleich nahm Schuster die Zivilgesellschaft in die Pflicht, denn diese sei aufgerufen, die Erinnerungskultur mit Leben zu füllen.
Appell zur Standhaftigkeit
Während er dankbar sei für die Schutzmaßnahmen für jüdisches Leben in Deutschland, so sei eine solche defensive Herangehensweise im Angesicht zunehmender antisemitischer Straftaten zu wenig. Schuster forderte daher staatlicherseits ein rechtspolitisches Nachsteuern beim Volksverhetzungsparagrafen und dem Antidiskriminierungsgesetz, schärfere Urteile der Justiz bei einschlägigen Straftaten sowie gesellschaftlicherseits einen „Abstand der Anständigen“, wie ihn einst sein Amtsvorgänger Paul Spiegel angemahnt hatte. Die schweigende Mehrheit dürfe nicht vor lauten Minderheiten zurückweichen: „Ich appelliere an Sie: Seien sie anständig. Schweigen Sie nicht. Haben Sie Mut. Bleiben Sie standhaft.“
Es sei wichtig, Antisemitismus von links nicht zu verharmlosen und islamistisch geprägten Antisemitismus weder Kleinzureden noch zu relativieren, sagte Schuster. Mit Blick auf die Wahlergebnisse, auch in Rheinland-Pfalz, müsse aber auch gesagt werden, dass die AfD zwar „Lippenbekenntnisse zum Schutz jüdischen Lebens“ vorbringe. Die Partei stelle sich aber nur dann gegen Antisemitismus, „wenn sie dadurch Ressentiments gegen Muslime und politisch Andersdenkende schüren“ könne. Funktionäre der AfD fielen immer wieder „mit Beleidigungen und Verschwörungserzählungen“ auf. Die Haltung der AfD zu den Kriegen am Golf und in der Ukraine zeige: „Ihre Loyalität liegt weder in Mainz noch in Berlin, sondern in Moskau, dort, wo zu Sowjetzeiten die Ideologie des Antizionismus entwickelt wurde.“ Die Partei sei „eine Gefahr für jüdisches Leben und für unsere Demokratie insgesamt“, ihr dürfe keine Verantwortung übertragen werden.
Podium und Zuschauerfragen
Auf die Frage der Moderatorin im Rahmen der Podiumsdiskussion, was eine Stadt wie Trier brauche, damit jüdisches Leben selbstverständlich und nicht nur ein Thema für Gedenktage sei, sagte Schuster, sie brauche im Kern das, was sie habe, „nämlich eine nicht sehr große, aber sehr aktive jüdische Gemeinde, die auch bereit ist, sich gegenüber der Allgemeinheit zu öffnen.“ Er halte nichts davon, dass jüdisches Leben sich hinter Mauern abspiele. Eine Veranstaltungsreihe wie die Jüdischen Kulturwochen sei daher genau das Richtige, „um zeigen zu können, was jüdisches Leben ist.“
Lehnertz sagte, als Mittelalterhistoriker blicke er zwar auf die Geschichte, dennoch gebe es natürlich Möglichkeiten, z.B. bei der Konzeption von Ausstellungen, an das Heutige anzuknüpfen: „Wir zeigen jüdische Kultur, Kulturobjekte, liturgische Gegenstände wie sie im Mittelalter benutzt wurden und wie sie heute benutzt werden.“ Damit leiste die Geschichtswissenschaft auch einen Beitrag zum Verständnis der Gegenwart.
Halft hob die Bedeutung der christlich-jüdischen „Nachbarschaftskultur“ hervor: „Die jüdische Gemeinde ist unsere Nachbarin.“ Dies finde etwa in den christlich-jüdischen Gemeinschaftsfeiern seinen Ausdruck oder im Solidaritätsbesuch von Bischof Ackermann bei der jüdischen Gemeinde nach dem Terroranschlag vom 7. Oktober.
Zur Frage, was in naher Zukunft geschehen müsse, um Antisemitismus entgegenzutreten, wiederholte Schuster, dass die schweigende Mehrheit lauter werden müsse. Zudem sehe er „manche Versäumnisse bei der Justiz“. Immer wieder komme es zu „Urteilen, denen jede abschreckende Wirkung fehlt.“
Lehnertz sagte, gerade seit dem 7. Oktober diene Kritik an Israel häufig zur Verschleierung antisemitischer Aussagen. Zudem benannte er die Verbreitung antisemitischer Hetze über die sozialen Medien und das Internet im Allgemeinen als „großes Problem“: „Das Internet ist übervoll mit den fürchterlichsten Behauptungen über das Judentum und über den Talmud.“
Halft mahnte an, Antisemitismus dürfe nicht zum Thema für wenige Bildungshungrige werden. Eine Möglichkeit sei, wie es auch an seinem Seminar geschehe, „künftige Lehrkräfte zu sensibilisieren und ein Bewusstsein zu schaffen“. Er erinnerte zugleich an das Motto des Katholikentages „Habt Mut, steh auf“: „Das ist genau das, was es in der Gesellschaft heute kollektiv braucht.“
Auf eine Zuschauerfrage nach der Politik Israels erklärte Schuster, Kritik an der Regierung Israels sei grundsätzlich legitim, die Legitimität ende aber bei den „drei Ds“, also Dämonisierung, Doppelstandards und Delegitimierung im Sinne der Leugnung des Existenzrechtes. Ferner dürfe nie vergessen werden, dass der Gaza-Krieg eine Konsequenz des Terrorangriffs der Hamas war.
Zu der von einer Besucherin geäußerten Angst, sich als Jüdin zu erkennen zu geben, meinte der Zentralratspräsident, dies sei nach seiner Erfahrung v.a. in Großstädten ab etwa einer halben Million Einwohner ein Problem geworden, namentlich in Berlin, Teilen des Ruhrgebiets sowie Frankfurt oder München. Nach seiner Erfahrung sei es in mittelgroßen Städten wie Trier und seiner Heimatstadt Würzburg in der Regel unproblematisch. An Universitäten sei es allerdings auch teilweise schwierig.
Unterhaken mit den Geschwistern im Glauben
Den Abschluss des Abends machte Dr. Markus Nicolay, Domkapitular, Kuratoriumsmitglied und Pfarrer der Trierer Innenstadtpfarrei Liebfrauen. Nicolay unterstrich, dass es noch immer etwas Besonderes ist, „dass der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland in einer katholischen Kirche das Wort ergreift.“ Dies sei auch ein Ausdruck der „Hoffnung auf unsere gemeinsame Zukunft“. In Trier blicke man „auf eine gemeinsame Geschichte von Menschen jüdischen und christlichen Glaubens zurück.“ Als „ganz praktisches Zeugnis“ dieser über weite Strecken friedlichen Geschichte nannte Nicolay „das ‚Vollständige Praktische Kochbuch für die jüdische Küche’ verfasst von der in Trier lebenden jüdischen Köchin Bertha Gumprich“, erschienen im Jahr 1925, das nicht nur in der jüdischen Gemeinde verbreitet war. Zugleich gebe es „Abgründe, die wir nicht beschweigen dürfen“: „Als Christ und Stadtpfarrer von Trier beschämt es mich zutiefst, was im sogenannten ‚Dritten Reich‘ auch die katholische Mehrheitsbevölkerung mitunter durch aktives Mittun, häufiger aber wohl durch passives Wegschauen und Schweigen, auch in den Jahren, in denen es noch nicht lebensgefährlich war, den Mitbürgerinnen und Mitbürgern jüdischen Glaubens an Schrecklichem angetan oder eben nicht verhindert hat.“ Die Veranstaltung sei daher, so Nicolay, auch „Ausdruck der Hoffnung, dass Gegenwart und Zukunft aus der Vergangenheit gelernt haben.“ Gerade vor dem Hintergrund der politischen Polarisierung und der Bedrohungen, denen Jüdinnen und Juden ausgesetzt sind, sei es „umso wichtiger, dass wir aus der Mitte der Bürgergesellschaft solche Signale der Hoffnung senden“. Insbesondere die Christen müssten sich „mit unseren älteren Geschwistern im Glauben, wie Papst Johannes Paul II. die Menschen jüdischen Glaubens genannt hat, unterhaken“, appellierte Nicolay.
Nach der Überreichung der Gastgeschenke an Schuster und die weiteren Diskussionsteilnehmer ließ man den Abend beim schon traditionellen Umtrunk ausklingen.

















