Wettbewerb statt Wettkampf – Olympiasieger kritisiert neue Bundesjugendspiel-Bewertung hart

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Quelle: Facebook

BERLIN. Ab dem aktuellen Schuljahr 2023/2024 werden die Leistungen von Grundschülern bei den Bundesjugendspielen anders und weniger starr bewertet – statt eines „Wettkampfs“ gibt es nur noch den „Wettbewerb“. Mit dieser Neuerung sollen die Spiele ab dem nächsten Schuljahr kindgemäßer werden, wie der Ausschuss für die Bundesjugendspiele und die Kommission Sport der Kultusministerkonferenz (KMK) bereits 2021 beschlossen hatten.

Wettkampf versus Wettbewerb

Doch was ist der Unterschied zwischen dem Wettbewerb und einem Wettkampf? „Der Wettkampf ist nach internationalen Wettkampfregeln beziehungsweise nationalen Bestimmungen des Regelwerks des Deutschen Leichtathletikverbandes normiert. Der Wettbewerb ist nicht normiert“, teilte ein Sprecher des Bundesfamilienministeriums mit, das zusammen mit der KMK und dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) in einem Kuratorium der Träger der Bundesjugendspiele ist.

Das bedeutet: Wer zu den Besten gehört, orientiert sich nicht mehr – wie bislang – an einer festgelegten Punktetabelle in Deutschland, sondern an den Leistungen der Kinder einer Schule innerhalb ihres Jahrgangs. Auch können Schulen beim Wettbewerb ohne die festgelegten Punktetabellen neben klassischen Disziplinen wie 50-Meter-Sprint oder Weitsprung noch andere Sportaufgaben anbieten – etwa Hürdensprint, Stoßen oder Drehwürfe.

Zudem sollen die Leistungen der Schüler nicht mehr zentimetergenau mit dem Maßband oder der Stoppuhr erfasst werden, wie der Ministeriumssprecher erklärte. Stattdessen gibt es künftig zum Beispiel beim Weitsprung oder Werfen bestimmte Zonen, in denen bestimmte Punkte vergeben werden. Es solle bei den jährlich stattfindenden Spielen insbesondere darum gehen, sich zu bewegen, Freude zu haben und sein Bestes zu geben, heißt es auf der Internetseite der Bundesjugendspiele. „Vor allem aber geht es auch um Fairness, Respekt, Teamfähigkeit und soziale Kompetenzen.“

Wintersport-Star übt Kritik und postet Urkunde

An der Reform der Bundesjugendspiele gibt es harrsche Kritik. Nun auch von Wintersport-Star Felix Loch. Der dreifache Olympiasieger, der in der Rodelbahn zuhause ist, hat dazu die Ehrenurkunde seines Sohnes in den Sozialen Medien gepostet.

„So schaut sie aus, die Urkunde der neuen Bundesjugendspiele „Wettbewerb“ mit OHNE Punkte! Unser Lenzi hatte vor den Sommerferien noch beides: einmal die klassischen Bundesjugendspiele (wie wir „Alten“ sie noch kennen) und einmal den neuen „Wettbewerb“. Ich durfte als Papa vor Ort mithelfen und ja, was soll ich sagen: es ist einfach Augenwischerei!“, schreibt Loch auf Facebook und zeigt die Urkunde.

„Ausnahmslos ALLE Kinder hatten richtig Bock sich zu messen. Wer wirft weiter, wer springt höher usw. Ob es jetzt „Wettkampf“ oder „Wettbewerb“ heißt, versteht sowieso kein Kind, wenn dann nur die Lehrer*innen, die versucht haben, sich die hunderten Seiten von Regeln reinzuziehen!“, so der Spitzensportler, der meint: „Kinder haben Lust auf Wettkampf – jeden Tag. Wer ist schneller mit der Hausi fertig, wer macht größere Seifenblasen, wer fährt schneller Radl. Gerade jetzt sollte es in unserem Land nicht darum gehen, Wettkämpfe zu verhindern, sondern sie zu fördern. Von mir aus JEDEN Tag mit jeweils einer Stunde Sportunterricht für alle Kinder und nicht nur einmal im Jahr vor den Ferien“.

(Facebook mit dpa)

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