Apotheken-Streik in Rheinland-Pfalz: “Wir pfeifen alle aus dem letzten Loch”

Wer ein Medikament braucht, muss am Mittwoch wohl etwas länger nach einer Apotheke suchen. Aus Protest sind diese in Rheinland-Pfalz und im Saarland im Notbetrieb. Was kritisieren sie?

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Ein Schild mit dem Apotheken-Logo weist den weg zu einer Apotheke. Foto: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

MAINZ. Aus Protest gegen die Gesundheitspolitik der Bundesregierung bleiben heute zahlreiche Apotheken in Rheinland-Pfalz und im Saarland geschlossen. Auch Filialen in Nordrhein-Westfalen und Hessen beteiligen sich an diesem Tag an dem Protest. Wer ein Medikament braucht, muss dann zu einer Notdienst-Apotheke fahren.

Der Geschäftsführer des Apothekerverbandes Rheinland-Pfalz, Peter Schreiber, geht davon aus, dass in beiden Ländern jeweils mindestens drei Viertel der Apotheken ganztags dicht blieben. Beim letzten Protesttag am 14. Juni beteiligten sich rund 90 Prozent der Apotheken.

Auch die Laurentius-Apotheke in Koblenz bleibt am Mittwoch zu. «Die Situation ist wie bei allen Apotheken, wir pfeifen alle aus dem letzten Loch», sagte Inhaber Tom Siener der Deutschen Presse-Agentur. Fehlendes Personal, knappe Medikamente und gestiegene Kosten belasteten die Apotheke. «Wir brauchen einfach einen Ausgleich», sagte Siener. «Auch bei mir ist der Strom teurer, auch ich habe Mindestlohn, auch mein Gas ist teurer.» Mit den aktuellen Regelungen sei das nicht finanzierbar.

Bereits am vergangenen Protesttag hatte seine Apotheke geschlossen. «Ich hab noch keinen Kunden gehabt, der gemeckert hat. Ich hab den Eindruck, dass die Leute das verstehen und begreifen», sagte Siener. Die Kunden würden den Mangel an Medikamenten und den Schwund an Apotheken ja selbst merken.

«Durch Lieferengpässe, Personalmangel und eine quasi auf dem Niveau von 2004 eingefrorene Vergütung ist die Lage der Apotheken seit Jahren angespannt», teilten der Verband in Rheinland-Pfalz und der saarländische Apothekerverein mit. Die wohnortnahe Versorgung der Menschen gerate durch immer stärker werdenden wirtschaftlichen Druck mehr und mehr in Gefahr. Die Apothekenzahl sei inzwischen auf einem historischen Tiefstand.

Für den Protesttag ist eine gemeinsame Kundgebung von Apothekenteams aus Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland in Dortmund geplant. Bundesweit sind noch weitere Protesttage geplant. (Quelle: dpa)

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3 Kommentare

  1. „Protest gegen die Gesundheitspolitik der Bundesregierung“

    Gibt es eigentlich irgendetwas, was die „etablierten“ Parteien, die schließlich diese Land regieren, gut machen?
    Es ist nur noch zum Weglaufen.

  2. Medikamente sind doch sowieso rar, da kann man doch glatt mal so einen Tag einlegen. Die „goldenen“ Jahre gehören schon der Vergangenheit an. Ob es mit anderen Parteien besser wird, anfangs vllt. ja, man muss ja Pluspunkte sammeln, dann läuft der Hase wieder in die andere Richtung, um den Schaden der Vorgänger wieder zu sanieren.

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