Gedenken an erschossenen 20-jährigen Alex: Mutter mit ergreifenden Worten

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Viele Bürger haben Blumen an der Tankstelle in Idar-Oberstein niedergelegt. Foto: Birgit Reichert/dpa

IDAR-OBERSTEIN. In einer Gedenkfeier haben Familie, Freunde und zahlreiche andere Menschen in Idar-Oberstein Abschied von einem getöteten 20-Jährigen genommen.

Der junge Mann war vor knapp drei Wochen als Aushilfe in einer Tankstelle von einem Kunden erschossen worden, nachdem er ihn auf die Maskenpflicht hingewiesen hatte.

«Die schockierende Tat hat uns alle fassungslos gemacht und hinterlässt in unserer Gesellschaft weiterhin eine große Betroffenheit und Trauer auch über Idar-Oberstein hinaus», sagte Oberbürgermeister Frank Frühauf (CDU) am Donnerstag bei der öffentlichen Trauerfeier in der Messehalle von Idar-Oberstein. Rund 400 Menschen waren zum «Gedenken an Alex» gekommen.

Wohl kaum jemand könne sich vorstellen, was «diese sinnlose Tat» für die Mutter, die Angehörigen und andere Betroffene bedeute, sagte Frühauf. Es sei der Wunsch der Familie gewesen, mit vielen Menschen gemeinsam an einem Ort um Alex zu trauern – ohne politische Ansprachen. «Am heutigen Tage soll Alex im Vordergrund stehen (…). Wir sind unendlich traurig

Mit emotionalen Worten hat die Mutter des in Idar-Oberstein getöteten Tankstellen-Mitarbeiters an ihren Sohn erinnert.

„Mein Engel, ich werde dich immer lieben und dein Name wird nie in Vergessenheit geraten“, sagte sie am Donnerstag bei einer öffentlichen Trauerfeier in Idar-Oberstein. „Sein Name war Alex und wir sind stolz auf ihn“. Der Schüler (20), der als Aushilfe in der Tankstelle jobbte, war am 18. September von einem Kunden erschossen worden, nachdem er ihn mehrfach auf die coronabedingte Maskenpflicht aufmerksam gemacht hatte.

Rund 400 Menschen waren zum „Gedenken an Alex“ gekommen, darunter Angehörige der Familie und viele Freunde. Schweigend und meist in Schwarz gekleidet saßen sie schon eine ganze Weile vor Beginn der Gedenkfeier in dem Saal. Vor einer Bühne, die mit weißen und roten Rosen geschmückt war. Und auf der – umrahmt von Kerzen – ein großes Bild von Alex stand. Wie er früher lachte.

Immer wieder kämpfte die Mutter mit den Tränen. Ihr Sohn sei „sehr viel mehr“ gewesen als der Junge, der an der Tankstelle starb. „Alex war ein lebenslustiger, hilfsbereiter, intelligenter, charmanter, charismatischer sowie chaotischer und verrückter, aber vor allem ein liebevoller und lustiger junger Mann“, sagte sie. Auch er wäre „überwältigt von dem, was hier und auf der Welt in den letzten Wochen geschehen ist. Vor allem all die Menschen, die bekannter- und unbekannterweise um ihn trauern.“

Er hätte nie gewollt, dass alle wegen ihm traurig seien, sagte sie weiter. „Es wäre auch nicht in seinem Sinne gewesen, dass unschuldige Menschen angefeindet werden.“ Wie zum Beispiel die Familie des Täters. „Denn auch sie sind nur Opfer. Diese Menschen haben nicht den Abzug gedrückt. Hass bringt uns nicht weiter im Leben. Hass verbittert nur. Die Liebe ist so viel mehr wert.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach wegen Mordes sind noch nicht abgeschlossen. Alex hatte einen 49-Jährigen mehrfach auf die Maskenpflicht hingewiesen, da dieser ohne Maske Bier kaufen wollte. Daraufhin schoss der Mann dem 20-Jährigen von vorne in den Kopf. Später sagte er der Polizei, dass er die Corona-Maßnahmen ablehne. Der 49-jährige Deutsche sitzt in Untersuchungshaft. Die Tat löste bundesweit großes Entsetzen und Anteilnahme aus.

Die Mutter von Alex sagte, ihr Appell an alle sei: „Nehmt euer Leben nicht als selbstverständlich. Macht etwas aus eurem Leben. Sagt den Menschen, die euch am Herzen liegen, dass ihr sie liebt und stolz auf sie seid bei jeder Gelegenheit. Denn niemand weiß, ob es ein nächstes Mal geben wird.“

Sie dankte für die große Anteilnahme und Zuneigung, die ihr nach der Tat entgegengebracht worden sei. „Corona hat uns irgendwie alle auf eine Art und Weise verändert. Aber ich bin froh, dass die Menschlichkeit dabei nicht auf der Strecke geblieben ist.“

Zwischen den Ansprachen gab es immer wieder Musikstücke. Und nach Fürbitten und einem Segen von Superintendentin Jutta Walber gingen alle in stillem Gedenken auseinander.

In einem echten und in einem virtuellen Kondolenzbuch sprachen viele Menschen der Familie ihr Mitgefühl aus. „Es ist einfach unfassbar, wir sind tief erschüttert“, hieß es da. Andere schrieben: „Die Welt muss wieder zurecht gerückt werden. Hass hat absolut nichts in dieser Welt zu suchen.“ Oder: „Nicht normal und ohne Worte, was da passiert ist.“

Für die rheinland-pfälzische Landesregierung nahm Innenminister Roger Lewentz (SPD) an der Gedenkstunde teil. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU), für die Bundesregierung vor Ort, sagte: „Es ist nach wie vor unfassbar, was hier geschehen ist. Eine solche Eskalation, die ein 20-Jähriger mit seinem Leben zahlen musste. Und der Täter wird von rechtsextremen Kreisen und Corona-Leugnern im Netz noch gefeiert. Unerträglich.“ Die Beisetzung ist zu einem späteren Zeitpunkt im engsten Familienkreis geplant.

 

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2 KOMMENTARE

  1. Ich habe die Rede von Alex Mama gehört. Eine großartige Frau. Das diese trotz der übergroßen Trauer auch an die Familie des Täters denkt ist nicht selbstverständlich und verdient allergrößen Respekt.

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