Angebliche Vergewaltigung in Kita – 137 Verfahren wegen Anfeindungen nach erfundenem Missbrauch

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Eine Statue der Justizia. Foto: Peter Steffen/dpa/Archivbild

KOBLENZ. Eltern sollen vor etwa einem halben Jahr die Vergewaltigung ihrer Tochter in einer Koblenzer Kita erfunden haben. Sie stellen ein Video ins Netz. Es folgt ein Shitstorm gegen Erzieher und Ermittler. 137 Ermittlungsverfahren werden eingeleitet. Wie ist es weitergegangen?

Eine laut Staatsanwaltschaft erfundene Vergewaltigung eines muslimischen Mädchens in einer katholischen Kita in Koblenz hat vor etwa einem halben Jahr hohe Wellen geschlagen. Wegen der folgenden Anfeindungen sind 137 Ermittlungsverfahren eingeleitet und bereits einige Geldstrafen verhängt worden, wie der Koblenzer Generalstaatsanwalt Jürgen Brauer der Deutschen Presse-Agentur mitteilt. Der fälschlich angefeindete Erzieher ist unterdessen nach eigenen Angaben berufsunfähig geworden und mit einer Depression in einer psychiatrischen Tagesklinik gelandet.

Im Herbst 2020 hat eine Mutter im Internet den Vorwurf erhoben, ihre damals vierjährige Tochter sei in der Katholischen Kita St. Martin auf der Pfaffendorfer Höhe vergewaltigt worden. Zehntausende klicken das Video an. Für die Ermittler steht unter anderem nach gynäkologischen Untersuchungen des Kindes noch am vermeintlichen Tattag und weiteren Analysen rasch fest: Die Vorwürfe sind nicht haltbar.

Dennoch bricht über die Kita, ihren damals einzigen männlichen Erzieher und die Ermittler selbst ein internationaler Shitstorm herein. Nach Morddrohungen bekommt der Erzieher vorübergehend Polizeischutz. Der Kindergarten macht zwei Wochen lang zu. Die Mutter hat in dem Video in arabischer Sprache mit deutschen Untertiteln von einer Vergewaltigung ihrer Tochter durch mehrere Männer, gefilmtem Gruppensex und Schlägen gegen Kinder gesprochen.

Gegen die Eltern des Mädchens sind laut Brauer keine Ermittlungsverfahren wegen Vortäuschens einer Straftat eingeleitet worden. «Es muss derzeit davon ausgegangen werden, dass die Eltern davon überzeugt sind, dass es zu einem Missbrauch ihres Kindes gekommen ist», erläutert der Generalstaatsanwalt. «Die Eltern haben Koblenz verlassen. Ihr Aufenthaltsort ist unbekannt.»

Dem Erzieher ist nach eigener Auskunft von der Polizei zuerst geraten worden, seinen Namen zu ändern und ins Ausland zu ziehen. Später habe er einen Herzinfarkt erlitten, sagt der Erzieher der dpa. Von Eltern seien drei weitere Strafanzeigen mit falschen Vorwürfen gegen ihn gestellt worden. «Zum Beispiel soll ich mit einem Wohnmobil Kinder eingesammelt und mit ihnen Pornos gedreht haben», sagt der 44-Jährige, der zur Sicherheit seinen Namen nicht nennen will.

Die Betreibergesellschaft des Kindergartens, die Katholische KiTa gGmbH Koblenz, teilt mit: «Die Mitarbeitenden sind aufgrund der Drohungen und der vorübergehenden Kita-Schließung wachsamer und sensibler geworden.» Immerhin entwickele sich für sie nach und nach «ein Arbeitsalltag, der mit der Zeit vor den belastenden Ereignissen vergleichbar ist». Sie würden weiter professionell begleitet. Wegen Corona gebe es in der Kita gegenwärtig ohnehin «auch Zutrittsbeschränkungen für erwachsene Personen».

Generalstaatsanwalt Brauer erklärt zu den 137 Verfahren wegen Anfeindungen vor allem im Internet von Verleumdungen bis hin zu öffentlichen Aufforderungen zu Mord: «In 30 Verfahren haben wir einen Antrag auf Erlass eines Strafbefehls gestellt, 10 Verfahren davon sind rechtskräftig abgeschlossen. Es wurden überwiegend Geldstrafen bis zu 100 Tagessätzen verhängt/beantragt.» In einem weiteren Fall wurde Anklage erhoben, sieben Verfahren wanderten zu anderen deutschen Staatsanwaltschaften und eines zu Behörden in Österreich. 37 Ermittlungsverfahren wurden laut Brauer eingestellt. 15 sind noch anhängig. In 46 Fällen konnte kein Täter ermittelt werden. «Ob und wenn ja welche Täter aus dem islamistischen Umfeld stammen, lässt sich nicht tragfähig einschätzen», ergänzt der Generalstaatsanwalt.

(Von Jens Albes, dpa)

4 KOMMENTARE

  1. Wieso dürfen die Auslöser eines solchen Shit Sturms einfach so verschwinden, ohne für die entstandenen Verdächtigungen die Verantwortung zu übernehmen ?

  2. Weil sie nicht gefragt haben ob sie dürfen?

    Auffallend wie liebedienerisch die Staatsanwaltschft eine böse Absicht verneint.
    Die Eltern, zuindest die Mutter müsste bei der Untersuchung – AM GLEICHEN TAG!- ihrerTochter auf Vergewaltigung / sexueller Mißbrauch anwesend gewesen sein.

    Dem Geschädigten und auch der Krankenkasse würde eine Privatklage gut anstehen.
    Bei einem (selbstverschuldeten) Unfall war meine Kk.
    fix dabei um zu fragen ob nicht jmd. in Regress genommen werden könnte.

  3. Diese Art und Weise sich ständig in einer Opferrolle zu präsentieren , hat ja mittlerweile bei bestimmeten Menschen in unserem Land System . Wohlwissend bei den vermeindlcihen „Opfern“ das sie keine Konsequenzen zu befürchten haben . Hier wieder mal ein Musterbeispiel !

  4. Hier wird der unschuldige Mensch alleine gelassen- psychisch und physisch am Ende, berufsunfähig.
    Die Familie, die diese wahnsinnige Geschichte in die Welt gesetzt hat, verschwindet.
    Wie kam diese Geschichte unter das Volk und konnte dazu beitragen das der Mop sich im Internet austoben konnte?
    Selbst wenn die Eltern davon ausgegangen sind, ihrem Kind sei schlimmes widerfahren, hatten sie nichts eiligeres zu tun, es zu verbreiten? Haben sie nicht innerhalb kurzer Zeit, anhand einer ärztlichen Untersuchung das Gegenteil erfahren?
    Naive Erklärungen zu den Vorgängen und Abtauchen der Famile mit Hilfe von wem auch immer.
    Es gibt hier nur ein Opfer-das ist ein Mensch dem man sein altes Leben geraubt hat.

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