Wäschegalerie Heinemann – Trierer Traditionsunternehmen feiert 150. Jubiläum

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Bildquelle: Wäschegalerie Heinemann

TRIER. Ein Unternehmen über 150 Jahre erfolgreich im Familienbesitz zu halten, ist wahrlich einer Feier würdig. Die Anfänge liegen sogar noch weiter zurück. Wenn im 19. Jahrhundert im winterlichen Sauerland die Landwirtschaft pausieren musste, widmeten sich viele Bauern der Herstellung von Strickwaren, die sie als Wandergewerbe überregional verkauften. Der Ur-Urgroßvater der heutigen Inhaberfamilie baute aus diesem ursprünglichen Nebenerwerb ein kleines Unternehmen auf und seine drei Brüder eröffneten bald Verkaufsstellen in Neuss, Düsseldorf, Mönchengladbach und eben in Trier.

Hier begann am 1. Oktober 1871 Urgroßvater Josef unter dem Namen „Gebrüder Heinemann“ den Strickwarenverkauf. Nach seinem Tod führte seine Frau das Geschäft bis nach dem ersten Weltkrieg, dann übernahm Sohn Heinrich. Dessen Frau wiederum übernahm nach seinem Tod zu Anfang des zweiten Weltkrieges das Geschäft. Ab 1947 bis 1988 lag die Leitung in den Händen von Hubertus Heinemann, dem Vater der jetzigen Inhaberfamilie. Abermals nahm dann die Witwe das Ruder in die Hand, und seit 1991 kümmert sich Sohn Christoph um die Firmengeschicke. Und immer noch sind die Frauen der Familie ein wesentlicher Faktor für den Betrieb. Die Schwester Ulrike Rothkamm organisiert die Beratung und den Verkauf, die Tochter nimmt die digitalen Geschicke unter ihre Fittiche.

Damals wie heute ist die Trierer Brotstraße der Geschäftssitz – bis auf die Zeit zwischen 1944, als das Gebäude bei einem Bombenangriff auf Trier zerstört wurde und 1947 der Betrieb nach der Neueröffnung vorübergehend in der Fleischstraße unterkam. Dann kehrte das Geschäft wieder in der Brotstraße zurück und zog 1973 an den heutigen Standort auf der anderen Straßenseite um.

Auch das Sortiment änderte sich im Laufe der Zeit mit den Wünschen der Kunden. Zu den Strickwaren gesellten sich bald Markenwaren wie Bleyle und die im frühen 20. Jahrhundert beliebten Matrosenanzüge. Mit dem Wäscheboom 1996 wurde das Sortiment komplett auf diesen Bereich umgestellt. Unter- und Nachtwäsche wurde nun auch unter modischen Aspekten betrachtet, Eleganz und beste Qualität bei guter Tragbarkeit waren plötzlich gefragt. Neben weißer Unterwäsche im Mehrfach-Pack bis hin zu aufwendigen Dessous gehören auch Lounge Wear und Bademoden hochwertiger Marken zum Angebot. So kann sich die Wäschegalerie Heinemann als eines der wenigen verbliebenen Wäschefachgeschäfte in Deutschland behaupten.

Aber auch Heinemann muss sich der Konkurrenz durch Ladenketten und Online-Handel stellen. Den zahlreichen Herausforderungen der Gegenwart setzt der Betrieb das bewährte Familienrezept „Kompetente Beratung und erstklassige Ware“ entgegen. „Es ist für mich eine besondere Verpflichtung, den Geschäftsgedanken meiner Vorfahren fortzuführen“, so Christoph Heinemann. Professionelle Beratung in freundlicher Umgebung und Ware von höchster Qualität werden eben immer noch – oder vielleicht auch gerade heute – sehr geschätzt und sollen Schwerpunkt der Geschäftsphilosophie bleiben.

Die Corona-bedingten Anforderungen haben den Blick der Familie auch mehr auf digitale Möglichkeiten gelenkt. Hier kommt die nächste Generation ins Spiel: Tochter Lena-Marie Heinemann kümmert sich derzeit um die zeitgemäße Aktualisierung der Website und weitere Möglichkeiten digitaler Präsenz. Mit „Call & Collect“ machte die Wäschegalerie während der Lockdowns gute Erfahrungen: Nach einer Beratung per Telefon oder Email wird die Ware am Ladenlokal abgeholt oder portofrei versendet. Trotz der aktuellen Widrigkeiten blickt Christoph Heinemann also positiv und mit vielen Plänen in die Zukunft.

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