Rheinland-pfälzische Unternehmen benoten Standortfaktoren mit «Drei minus»

Die Digitalisierung ist laut Umfrage für viele Betriebe in Rheinland-Pfalz ein ganz wichtiges Thema. Allerdings ist genau in diesem Bereich die Unzufriedenheit groß. Insgesamt ist das Stimmungsbild aber freundlicher.

0
Foto: dpa-Archiv

KOBLENZ/TRIER. Rund fünf Wochen vor der Landtagswahl haben rheinland-pfälzische Unternehmen die wichtigsten Standortfaktoren in dem Bundesland mit einer «Drei minus» benotet.

Am geringsten ist dabei die Zufriedenheit mit der Breitband- und Mobilfunkanbindung sowie mit der Digitalisierung von Verwaltung und Schulen, wie aus der am Freitag vorgelegten Wirtschaftsstandort-Umfrage der vier Industrie- und Handelskammern (IHK) in dem Bundesland hervorgeht. In diesen drei Bereichen verteilten die befragten Unternehmen im Durchschnitt die Noten 3,8 sowie 4,0 und 4,3. Zugleich machten sie klar, dass für sie die Breitband- und Mobilfunkanbindung das Topthema ist. Die Durchschnittsnote für die insgesamt elf wichtigsten Standortfaktoren lag bei 3,4.

Etwas größer ist die Zufriedenheit bei der breiter angelegten Frage nach dem Wirtschaftsstandort, für den es die Gesamtnote 2,9 gibt. «Das ist eine solide Bewertung, die noch Luft nach oben lässt», sagte der Hauptgeschäftsführer der IHK-Pfalz, Tibor Müller. In diese Gesamtnote fließen nach seinen Angaben auch die Beurteilungen einer ganzen Reihe von weiteren Kriterien wie Rechtssicherheit oder lebenswertes Umfeld ein. Das Stimmungsbild wurde laut IHK zwischen Mitte Dezember und Mitte Januar unter 1457 Unternehmen mit insgesamt 217 000 Beschäftigten ermittelt.

Nicht nur die Versorgung mit Breitband und Mobilfunk, sondern auch der weitere Ausbau der Verkehrsinfrastruktur werde eine «große Baustelle für die nächste Landesregierung», sagte Günter Jertz von der IHK Rheinhessen. Wichtig für die Unternehmen sei zudem der Abbau von Bürokratie und der Erlass von Sondergebühren. Zugleich bekräftigten die IHK-Vertreter die Forderung an die Politik, den Unternehmen im Land eine Perspektive für eine Beendigung der Corona-Beschränkungen aufzuzeigen. In Rheinland-Pfalz wird am 14. März ein neuer Landtag gewählt.

Die Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Rheinland-Pfalz in den vergangenen fünf Jahren bewerteten 6 Prozent der befragten Unternehmen mit «positiv» und weitere 32 Prozent mit «überwiegend positiv». 51 Prozent sahen keine Veränderung. 2 Prozent beurteilten die Entwicklung als «negativ», weitere 9 Prozent als «überwiegend negativ».

Bei der Frage nach der Gesamtnote für den Standort gab es von 2 Prozent der Befragten ein «Sehr gut», von 35 Prozent ein «Gut», von 40 Prozent ein «Befriedigend» und von 16 Prozent ein «Ausreichend». 5 Prozent vergaben die Note «mangelhaft» und 2 Prozent «ungenügend».

Der CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl, Christian Baldauf, erklärte, die Umfrage stelle Wirtschaftsminister Volker Wissing (FDP) ein «miserables Zeugnis» aus. Er hob besonders die Einzelbewertungen der Umfrage bei Breitband- und Mobilfunkanbindung, Digitalisierung und Infrastruktur hervor und warf der Landesregierung «Versagen» vor. Der CDU-Abgeordnete Helmut Martin erklärte, die Ampelkoalition sei von einer langfristigen und verlässlichen Wirtschaftspolitik «meilenweit entfernt».

Der DGB-Landesvorsitzende Dietmar Muscheid sagte, für den Wirtschaftsstandort Rheinland-Pfalz sei es entscheidend, dass es auch zukünftig ausreichend viele und gut ausgebildete Fachkräfte gebe. Doch die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe nehme immer weiter ab. «Es braucht deshalb einen betrieblich finanzierten Zukunftsfonds für gute Ausbildung», sagte er. Damit würden auch die Betriebe an der Ausbildung beteiligt, die keine Ausbildungsplätze anbieten.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.