Auch Trier über Landesdurchschnitt – Kinderarmut steigt in Rheinland-Pfalz weiter an

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Christian Charisius // dpa

Allen politischen Appellen gegen die Kinderarmut zum Trotz lebt in Rheinland-Pfalz mehr als jedes zehnte Kind in einer auf Hartz-IV-Bezug angewiesenen Familie. Ihr Anteil stieg sogar in den vergangenen fünf Jahren leicht von 11,3 auf 11,6 Prozent, wie aus einer am Mittwoch von der Bertelsmann Stiftung veröffentlichten Studie hervorgeht. Dies ist nach Bayern und Baden-Württemberg der drittniedrigste Wert der Bundesländer; der Bundesdurchschnitt liegt bei 13,8 Prozent.

Am höchsten war der Anteil der Kinder in Familien mit Leistungen aus dem Sozialgesetzbuch II (SGB II) in der Stadt Pirmasens: Dort lebte im Dezember 2019 mehr als jedes vierte Kind (28,9 Prozent) unter solchen Bedingungen. Danach folgen die Städte Ludwigshafen (24,1 Prozent) und Kaiserslautern (23,8 Prozent). Auch alle anderen kreisfreien Städte liegen über dem Landesdurchschnitt, darunter Koblenz (19,6 Prozent), Mainz (16,7 Prozent) und Trier (15,9 Prozent), wo die Zunahme seit Dezember 2014 mit 2,8 Prozentpunkten am höchsten ausfiel.

Den niedrigsten Anteil von Kindern in Familien mit SGB-II-Bezug gab es nach der Bertelsmann-Studie im Kreis Trier-Saarburg mit 5,7 Prozent. Auch in anderen ländlich geprägten Regionen lagen die Anteile meist unter dem Landesdurchschnitt, etwa in der Südwestpfalz mit 5,8 Prozent. Der Landkreis mit dem höchsten Wert ist Birkenfeld mit 16,5 Prozent.

Nach der Sommerpause berät der rheinland-pfälzische Landtag über den Armuts- und Reichtumsberichts 2020. Als von Armut gefährdet gilt demnach, wer über ein Nettoeinkommen von weniger als 60 Prozent des Durchschnitts verfügt. Gemessen am Bundesschnitt, statistisch als Median berechnet, stieg der von Armut gefährdete Anteil der Bevölkerung in Rheinland-Pfalz zwischen 2012 und 2017 von 14,6 auf 15,6 Prozent. Der Bericht zeigt auch, dass Kinder ein wesentlicher Risikofaktor für Armut sind. Bei Alleinerziehenden in Rheinland-Pfalz stieg die Armutsgefährdungsquote von 45,2 (2012) auf 48,2 Prozent (2017). An zweiter Stelle folgen Paare mit drei oder mehr Kindern, die im untersuchten Jahrfünft den größten Anstieg aufweisen: von 20,5 auf 29,5 Prozent.

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