Lebensbedingungen wiederherstellen – Ehemalige Ackerfläche im Stadtgebiet wird zum Blühstreifen

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Blühfläche mit Waldrand, Blick auf Trier.

Bildquelle: Forstamt Trier

Landesforsten Rheinland-Pfalz stellt im Stadtgebiet Trier 5ha ehemalige Ackerfläche als Blühstreifen zur Verfügung. Das Land fördert das „Wildschutzprogramm Feld und Wiese (WFW)“ des Landesjagdverbandes, mit dem derzeit landesweit neuer Lebensraum für Insekten und Niederwild geschaffen wird. Das Forstamt Trier und der Trierer Landwirt Maternus Dietzen unterstützen das Vorhaben.

TRIER. Für Wanderer zwischen Mattheiserwald und Konz-Roscheid ist es ganz einfach ein herrliches Fleckchen Erde mit Kornblumen, Ringelblumen, Klatschmohn, Sonnenblumen und zahlreichen weiteren Arten. Jäger und Naturschützer dagegen sehen die blühende ehemalige Ackerfläche als Teil einer Maßnahme, mit der die biologische Vielfalt auch in landwirtschaftliche genutzten Gebieten gewahrt und gefördert werden soll.

„Nicht nur Bienen und andere Insekten finden hier einen natürlichen Lebensraum, wir wollen auch Deckung und Nahrung für das Niederwild wie Rebhuhn, Hase, Fasan und Co. in der Feldflur wiederherstellen“, erläutert Gundolf Bartmann, Leiter des Forstamtes Trier die Intention. „Die Maßnahme ist auch ein konkreter und wichtiger Baustein zur Erfüllung der neuen Ziele, die sich die Stadt Trier aktuell in ihrem „Aktionsplan Entwicklungspolitik“ ab 2019 gegeben hat“, so Bartmann.

Die blühenden Flächen in der Agrarlandschaft finden sich aktuell an mehreren Stellen in Rheinland-Pfalz. Es ist ein auf fünf Jahre hin angelegtes Maßnahmenprogramm des Landesjagdverbandes, das unter der Bezeichnung „Wildschutzprogramm Feld & Wiese“ (WFW) in Zusammenarbeit mit der Technischen Hochschule Bingen und dem Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinhessen-Nahe-Hunsrück ins Leben gerufen wurde. Weitere tierische Nutznießer könnten beispielsweise Feldlerche, Kiebitz und Feldhamster sein. Finanziert wird das rund 1 Mio € umfassende 5 Jahresprogramm zu 80 Prozent aus Mitteln des Umweltministeriums und zu 20 Prozent aus Verbandsmitteln der Jägerschaft .

Im Verantwortungsgebiet des Forstamtes Trier (Landesforsten Rheinland-Pfalz) gibt es drei Flächen, die mit der mehrjährigen WFW-Mischung eingesät wurden. Zwei davon befinden sich im Bereich der Pellinger Straße Richtung Konz-Roscheuid eine weitere in Triere-Quint. Die Flächen bewirtschaftet der Kernscheider Landwirt Maternus Dietzen. Dietzen begrüßt diese Initiative: „Das Image der Landwirtschaft ist leider denkbar schlecht“, sagt er. Kaum ein anderer Beruf erfahre derart viel Kritik. „Das Ausmaß der Kritik tut jedem engagierten Landwirt in der Seele weh. Dabei lebt gerade unser Berufsstand von und mit der Natur“, sagt er. Eben deshalb sei es wichtig, sich als Landwirt aktiv an Maßnahmen zu beteiligen, die die Wiederherstellung des ökologischen Miteinanders zum Ziel haben: „Denn auch wir Landwirte haben sehr viel Freude an der Natur.“

Sarah Wirtz ist die zuständige WFW-Projektleiterin beim Landesjagdverband Rheinland-Pfalz e.V. Als sie auf den Vollerwerbs-Landwirt zuging, rannte sie bei Maternus Dietzen offene Türen ein. Das Saatgut wurde aus Mitteln des WFW und des Forstamtes Trier-Quint finanziert, Dietzen brachte Arbeit, Maschinen und Treibstoff ein. Nach der Aussaat in den Monaten April und Mai leistete die Natur ihren Anteil. „Es wird ein tolles Bild sein zu sehen, wie sich die Fläche in den beiden Jahren verändert“, zeigt sich der Kernscheider Landwirt erwartungsfroh. Sarah Wirtz stimmt dem zu. „Einjährige Pflanzen wie beispielsweise Sonnenblumen, Ringelblumen oder Dill werden im kommenden Jahr durch andere Arten ersetzt, die ebenfalls in der Blühmischung enthalten sind.“

Wie wichtig eine solche Aktion ist, die inzwischen an mehreren Orten in Rheinland-Pfalz umgesetzt wurde, unterstreicht Gundolf Bartmann, der sich im Jagdverband auch als deren Vizepräsident engagiert: „Die Biodiversität ist sowohl global, als auch national in großer Gefahr. Das Rebhuhn als Leitart eines ökologisch intakten Offenlandes ist mit Abstand der größte Verlierer in unserer heutigen Kulturlandschaft. Allein in der Zeit von 2009 – 2017 ist die deutschlandweite Brutpaardichte je Quadratkilometer um 44 Prozent gesunken.“

Die Gründe für den Rückgang von Rebhuhn, Feldhase, Kiebitz und Co. sind laut Landesjagdverband vielfältig: „Täglich werden in Deutschland rund 62 Hektar Fläche verbraucht, um Siedlungs- oder Verkehrsflächen auszuweisen. Durch diesen anhaltenden Flächenverbrauch gehen unter anderem hochwertige Lebensräume wie Hecken und Feldraine, verloren – wertvolle Offenlandstrukturen fallen neuen Baugebieten zum Opfer, Habitate werden zerschnitten, eine Verinselung von Lebensräumen wird billigend in Kauf genommen, ohne die Auswirkungen auf die Pflanzen und Tierwelt kritisch zu hinterfragen.“

Erste Erfolge des WFW stellen sich bereits ein: „Im vergangenen Jahr wurden beispielsweise rund 50 Hektar Blühflächen in Rheinland-Pfalz angelegt. In diesem Jahr werden in Rheinland-Pfalz weit mehr als 450 Hektar Ackerland zum Blühen gebracht und 2020 sind 1000ha wertvolle Lebensräume unser gemeinsames Ziel von Jägern und Bauern in Rheinland-Pfalz“, so Projektleiterin Sarah Wirtz.
(Forstamt Trier)

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