4 Monate zu spät gestorben: Frau darf nicht zu Mann ins Grab

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Verwaltungsgericht Trier

Bildquelle: VG Trier

TRIER (dpa/lrs). Die Urne einer Frau darf nicht ins Grab ihres Ehemannes, weil dann die festgelegte Mindestruhezeit von 15 Jahren um vier Monate unterschritten würde. Das hat das Verwaltungsgericht Trier nach Mitteilung vom Mittwoch entschieden (7 K 9781/16.TR).

Die Tochter der im April 2015 gestorbenen Frau wollte deren Asche auf dem Friedhof in Freudenburg im Reihengrab ihres Vaters beisetzen lassen. Doch das wurde ihr wegen der Friedhofssatzung verwehrt: Weil der Vater bereits vor zehn Jahren und vier Monaten gestorben war – und die Nutzungsdauer der Grabstätte auf 25 Jahre begrenzt ist.

Nachdem ein Widerspruchsverfahren der Tochter erfolglos geblieben war, reichte sie Klage vor dem Verwaltungsgericht Trier ein. Ihr Argument: Mit den in der Satzung festgelegten Fristen werde «das postmortale Persönlichkeitsrecht» missachtet. Sie beantragte die Umbettung der inzwischen in der Urnengrabkammer des Friedhofs Freudenburg (Kreis Trier-Saarburg) bestatteten Mutter.

Die Richter lehnten die Klage ab. Die Mindestruhefrist von 15 Jahren sei angemessen und auch erforderlich, «um die Achtung des sittlichen Empfindens der Allgemeinheit sowie den Schutz der Totenruhe zu gewährleisten», hieß es. Auch die Gesamtnutzungsdauer der Grabstätte von 25 Jahren verstoße nicht gegen höherrangiges Recht.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Gegen die Entscheidung kann innerhalb eines Monats Berufung bei dem Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz beantragt werden.

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3 KOMMENTARE

  1. Das „sittliche Empfinden der Allgemeinheit“ erfordert fast schon zwingend, dass Ehepartner die Möglichkeit einer gemeinsamen Grablage haben. Hier trifft eine Verwaltung, die ihre Aufgabe (Achtung!) dem Bürger zu dienen (!), aus den Augen verloren hat, auf eine Rechtsprechung, die dies „absegnet“.

  2. Zunächst muss ich Herrn Dahmen voll zustimmen!!!!! Man kann nur den Kopf schütteln, wenn man beobachtet, welche „Einfälle“ Richter in unserem Land haben! Kein Feingefühl, keine Menschlichkeit, einfach kalt! Wenn
    man jetzt an die Konsequenzen denkt, wird es dazu führen, dass zukünftig Behörden, die solche „Probleme“ bisher menschlich mit etwas Einfühlsamkeit unbürokratisch gelöst haben, „zurückhaltender“ werden. Und wenn das ganze Problem auch noch aus einer dorfgeschnitzten Satzung resultiert, die keine anderen Wahlmöglichkeiten zulässt, dann verliert man endgültig den Glauben an die Menschheit.
    Durch diese Zeitlimitierung bestimmen Gemeindevertreter den Todestag und
    terrorisieren damit alte und kranke Menschen , die den Wunsch haben , sich gemeinsam zu einem Familienmitglied beerdigen zu lassen. In unserem Land gibt es inzwischen Friedhöfe wo Hunde und Katzen
    zu Frauchen oder Herrchen beigelegt werden können. Einem Ehepartner, mit dem man ein Leben verbracht hat wird dieses verweigert………………GUTE NACHT DEUTSCHLAND!

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