Bilanz der Kampfmittelräumer: Rund 50 Bomben und 35 Tonnen Munition

Die Bombenentschärfer in Rheinland-Pfalz hatten mit Blindgängern wieder alle Hände voll zu tun. Fehler können für sie tödlich sein. Eine Ende der Bombenfunde ist auch knapp 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht absehbar.

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Symbolbild

KOBLENZ/REGION TRIER. Sie riskieren ihr Leben zum Schutz der Allgemeinheit: Rund 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs haben Kampfmittelräumer in Rheinland-Pfalz auch 2019 viele explosive Altlasten beseitigt. Bis kurz vor Weihnachten machte der Kampfmittelräumdienst (KMRD) Rheinland-Pfalz rund 50 größere Bomben unschädlich, wie Kolonnenführer Marco Ofenstein der Deutschen Presse-Agentur mitteilt.

«Ein Großteil wurde entschärft und manches auch abtransportiert, weil zum Beispiel die Zünder fehlten.» Insgesamt beseitigten die 15 männlichen Mitarbeiter des KMRD in diesem Jahr landesweit fast 35 Tonnen Munition.

Erst in der Nacht zum 20. Dezember sprengten Kampfmittelräumer im pfälzischen Germersheim eine gefährliche Phosphor-Bombe mit 50 Kilogramm Gewicht. Rund 2000 Anwohner mussten in der Gefahrenzone zur Sicherheit ihre Häuser verlassen. Der schwerste 2019 entschärfte Sprengkörper wog 1000 Kilogramm. Für die Arbeit an der US-Bombe im Juni mussten etwa 600 Anwohner rund um den Fundort bei Dattenberg im Kreis Neuwied aus ihren Wohnungen. Ein Sondengänger mit behördlicher Genehmigung hatte den Blindgänger entdeckt. «Er hat Antiquitäten gesucht und hat eine ganz andere Antiquität gefunden. Er hat sich ziemlich erschrocken», berichtet Ofenstein.

Am meisten Anwohner waren in diesem Jahr am 8. Dezember von einer Entschärfung betroffen: In Koblenz machten die Kampfmittelräumer eine 250-Kilogramm-Bombe unschädlich – rund 4000 Bürger mussten dafür einen Radius von 500 Metern rund um den Blindgänger verlassen.

Die Zahl der Fundmeldungen in diesem Jahr gibt Ofenstein mit rund 1000 an. «Da sind aber auch Nieten dabei gewesen, zum Beispiel hat jemand einen Sonnenschirmfuß im Rhein für etwas Gefährliches gehalten.» Die Fundmeldungen würden nicht weniger: «Die Leute sind teils sensibler geworden, auch durch das extreme Niedrigwasser im Rhein 2018», sagt der Kolonnenführer. Damals seien etliche Kampfmittel des Zweiten Weltkriegs zum Vorschein gekommen.

Von Zeitzeugen kommen laut Ofenstein siebeneinhalb Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg naturgemäß lediglich nur noch sehr wenige Hinweise auf Blindgänger. «Wenn die Angaben sich nur auf 20 oder 30 Quadratmeter beziehen, schauen wir hin. Wenn es sich um ein ganzes Stadtgebiet handelt, geht das natürlich nicht.»

Historische Luftbilder wertet der KMRD Rheinland-Pfalz seit 2014 nicht mehr systematisch aus, wie der Kampfmittelräumer erklärt. «Wir haben sowieso nicht alle Bilder. Höchstens für eigene Ermittlungen machen wir das mal.»

Ofenstein prophezeit: «Blindgänger werden uns noch in etlichen Generationen begleiten.» Experten schätzen, dass im Zweiten Weltkrieg rund ein Zehntel der über Deutschland abgeworfenen Bomben nicht explodiert ist. So vereisten laut dem KMRD mitunter die Zünder beim Abwurf aus mehreren Tausend Metern Höhe, so dass die Entsicherung nicht funktionierte. Oder die Bomben mit Zündern nur am Kopf und Heck schlugen so auf, dass sie nicht detonierten. Die Zielgenauigkeit war ohnehin schlecht.

Bei Koblenz hat der KMRD Rheinland-Pfalz ein Zwischenlager für Fundmunition. Diese wird anschließend meist zur bundeseigenen Gesellschaft zur Entsorgung von chemischen Kampfstoffen und Rüstungsaltlasten (Geka) im niedersächsischen Munster gebracht. Die Geka teilt mit: «Chemische und konventionelle Kampfmittel verlieren hier in hoch spezialisierten Vernichtungsverfahren ihren Schrecken.» Hauptstandort des KMRD Rheinland-Pfalz ist Koblenz und Verwaltungssitz ist Trier. Hinzu kommt ein Standort in Worms.

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