Elektrobusse statt Seilbahn – Abschied vom Trierer Seilbahn-Traum zum Petrisberg?

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Die Stadtbuslinie 3 fährt auf der Strecke zwischen Porta Nigra und Petrisberg im Zehn-Minuten-Takt durch das Aveler Tal. Unter dem Stichwort „ÖPNV-Querachse“ wird eine direktere Anbindung der Höhenstadtteile an die City diskutiert. Foto: Stadt Trier

Wie die Stadt Trier mitteilt, fährt die Stadtbuslinie 3 auf der Strecke zwischen Porta Nigra und Petrisberg im Zehn-Minuten-Takt durch das Aveler Tal. Unter dem Stichwort „ÖPNV-Querachse“ wird eine direktere Anbindung der Höhenstadtteile an die City diskutiert.

Generationen von Trierer Kommunalpolitikern haben sich mit der Frage der direkten ÖPNV-Anbindung der schnell wachsenden Höhenstadtteile an die City beschäftigt. Immer wieder war auch der Bau einer Seilbahn im Gespräch. Gutachter haben diese Idee jetzt neu bewertet und kommen zu dem Schluss, dass eine neue Elektrobustrasse die bessere Alternative wäre. Im Baudezernatsausschuss gab es dazu eine kontroverse Debatte.

Ziel war es immer, die stauanfälligen Routen durch das Olewiger und das Aveler Tal vom Verkehr zu entlasten und die Bewohner der Höhenstadtteile durch ein attraktives Angebot zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel zu motivieren. Im Fokus stand dabei zunächst der Petrisbergaufstieg, also eine direkte Verbindung zwischen dem Hauptbahnhof und dem Wissenschaftspark. Inzwischen firmiert das Projekt unter dem Titel „ÖPNV-Querachse“ und beschreibt eine Strecke von der Hochschule in Trier-West bis zum Einkaufszentrum in Tarforst.

Nachdem das kostspielige Vorhaben seit 2012 auf Eis gelegen hatte, stand es im November 2019 wieder auf der Agenda: Damals beschloss der Stadtrat, die Chancen unter Berücksichtigung des technischen Fortschritts und aktueller Fördermöglichkeiten neu auszuloten. Einen Impuls erhielt die Debatte durch ein völlig neues Verkehrsmittel: Die Seilbahn könnte für den Abschnitt zwischen Bahnhof und Mosel durch ein „UpBus“-System ergänzt werden. Dabei werden die Kabinen von der Seilbahn abgekoppelt und auf ein Fahrgestell gesetzt, sodass sie auf der Straße mitrollen können.

Nach dem Ratsbeschluss berief die Verwaltung mit dem früheren Baudezernenten Peter Dietze und dem ehemaligen Leiter der SWT-Verkehrsbetriebe Frank Birkhäuer zwei Experten, die sehr gut mit der Materie vertraut sind. In ihrem Gutachten kommen sie zu der klaren Empfehlung, dass die Seilbahn nicht weiter verfolgt werden sollte. Allein die Kostenschätzung lässt aufhorchen: Inklusive UpBus und mehreren Zwischenstationen rechnen Dietze und Birkhäuer mit Investitionskosten von gut 250 Millionen Euro für die 7,6 Kilometer lange Strecke. Nimmt man allein den Abschnitt zwischen Hauptbahnhof und Tarforst, verringert sich die Summe allerdings auf rund 75 Millionen. Ebenfalls 75 Millionen Euro veranschlagen die Experten für das alternative Konzept: den Bau einer neuen Elektrobus-Trasse über den Hang des Petrisbergs inklusive einer Brücke über den Bahnhof und eines Tunnels unter der Kurfürstenstraße. Darin enthalten sind auch Maßnahmen zur Busbeschleunigung, einerseits bis zur Hochschule und andererseits bis nach Tarforst.

Als weitere Nachteile des Seilbahnkonzepts werden die schwierige Integration in das bestehende ÖPNV-Netz genannt und die Tatsache, dass der UpBus bisher nicht zur Personenbeförderung zugelassen ist.

Angesichts der Empfehlung des Gutachtens forderten Thomas Albrecht (CDU) und Tobias Schneider (FDP) in der Ausschussdebatte machbare Lösungen, statt weiter dem „Traum“ einer Seilbahn nachzuhängen. Christiane Probst (UBT) plädierte sogar dafür, das Projekt ÖPNV-Querachse ganz aufzugeben und keine Steuergelder mehr für weitere Machbarkeitsstudien aufzuwenden.

Dagegen übten die Grünen Kritik an dem Gutachten. Es fehlten Aussagen, welchen Beitrag die beiden verglichenen Systeme zur Verkehrswende im Sinne des Trierer Mobilitätskonzepts leisten, bemängelte Ole Seidel. Das wichtige Thema der Fahrzeiten werde ausgeblendet. Auch Jörg Johann (Die Linke) sprach von einem „stark wertenden“ Gutachten und bezweifelte, ob Elektrobusse die Steigung von 13 Prozent auf den Petrisberg bewältigen könnten.

Eine Mittelposition nahm die SPD ein: Rainer Lehnart sprach sich für eine ergebnisoffene Vertiefung der Diskussion in einem Workshop aus. Diesem Vorschlag schlossen sich Baudezernent Andreas Ludwig und schließlich auch die anderen Fraktionen an. Zu dem Workshop soll mit Professor Jan-Christoph Otten von der Hochschule Trier auch ein Experte für das UpBus-System geladen werden.

16 KOMMENTARE

  1. Die Stadt Trier hat es bis heute nicht geschafft über 40 Jahre alte Verkehrskonzepte zu realisieren , der Petrisbergaufstieg gehört genauso dazu wie alles andere ( Weismark, Nordbrücke etc) da wird nur wieder
    heisse Luft durchs Tal getrieben, gerade Peter Dietze hat doch vollmundige Versprechen zum Petrisbergaufstieg gemacht und von der Realisierung zur Landesgartenschau gesprochen , wie lange ist das schon her ?
    Ich glaube keiner Absichtserklärung mehr bis ich das fertig realisierte Projekt sehe, denn wenn ich mir anschaue dass seit 8 Monaten im Nells Park gewurschtelt wird für ein paar Brückchen und einen neuen Teichauslauf fürchte ich dass die Stadt jetzt schon überfordert und überschuldet ist Grossprojekte zu realisieren.
    Nicht zu vergessen dass die Autobahnzufahrt Zurmaienerstrasse nach der langen Sanierung schon wieder saniert werden muss, wer macht denn die Bauaufsicht und Abnahme ? Affen ?

  2. Ob so oder so, es wäre alles realisierbar und finanzierbar, die Sache hat nur einen Haken. Es wird keiner seinen PKW abmelden und Bus/Seilbahn oder U-Bahn benutzen weil alle zu faul und bequem sind auch nur 3 Meter laufen zu müssen bis zur nächsten Haltestelle, das ist das Problem. Die Steuern für PKW müßten daher min. 20 mal und mehr höher sein und der Liter Benzin müßte min. 10 Euro kosten, vielleicht kommt dann mal ein Umdenken. Oder wie die Linie 400(Trier/Bitburg) seit es gibt, der Bus fährt jede Stunde leerer denn je, wer Da Pendler ist und das nicht nutzt dem ist einfach nicht mehr zu helfen.

  3. Von welchen Elektrobussen ist denn hier die Rede ? Etwa von denen die seit 2 Jahren bei der SWT vor sich hingammeln oder ist man etwa im Begriff sich eine neue Flotte ähnlicher Gurken zuzulegen ?

  4. Warum nicht erst mal eine Strecke vom Petrisberg bis zum Hauptbahnhof mit der Seilbahn planen und weitere Strecken im Anschluss? Autobahnen werden doch auch nicht im ganzen komplett geplant, sondern in Teilstücken. Am Petrisberg entsteht doch eine neue Parkfläche. Warum nicht direkt mehrere Stockwerke planen mit hunderten von Parkplätzen mit direktem Seilbahnanschluss zur Innenstadt und einem verbessertem Busanschluss ab Hauptbahnhof?

    • Das hätte man an der FH machen können als es noch eine Seilbahn ins Tal gab.
      Aber die ist ja mittlerweile Geschichte

  5. Wie viele PKW’s passen denn dann in eine Seilbahnkabine? Gibt das an den Haltestellen dann nicht fürchterliche Rückstaus?

  6. Wieder einmal sinnlos, Steuergelder aus dem Fenster geworfen, wie sooft.
    Ich erinnere nur: Es gab schon mal einen Kreisel an der Römerbrücke. Jetzt wird wieder einer gebaut. Und in 40 Jahren wieder weggemacht.
    In Trier gibt es kein vernünftiges Verkehrskonzept . Träumereien a la Seilbahn, Elekrobusse die nicht fahren, Traum einer Römerbrücke ohne Autos …
    Wacht endlich auf und macht vernünftige , realistische Vorschläge anstatt das Steuergeld aus dem Fenster zu werfen…..

  7. Ja genau, in Luftschlösser bauen sind die Verantwortlichen gross, was sollens denn noch für ausgefallene Verkehrsmittel sein? Fliegende Brummkreisel die durch das permanente Rotieren einen Teil der Energie selbst erzeugen und zwischen Bahnhof und Mosel auf Laufpylonen a la Star Wars andocken weil diese mit ihren Riesenbeinen über den Verkehr stapfen?
    https://jedipedia.fandom.com/wiki/Allterrain-Angriffstransporter/Legends
    Eine Unverschämtheit sondergleichen für solche unrealistischen Planspiele auch noch Steuergelder zu verwenden. Vielleicht sollten die verantwortlichen Vollnieten erstmal die existierenden Verkehrsträger zum Laufen kriegen z.B. die Weststrecke, da wird schon in guter deutscher Manier seit Jahrzehnten diskutiert und voran geht nix weil diese Pfeifen nichtmal eine vorhandene Bahnline wieder in Betrieb nehmen können.
    Und was die Verbindung zur Uni angeht: Was anderen Universitätsstädten gut genug ist, der Bus, wird wohl auch den Herrschaften in Trier taugen. Man kann noch diskutieren ob Elektro- oder Oberleitungsbusse, insbesondere letztere haben sich seit Jahrzehnten bewährt.

    • Tja Oberleitungsbusse, die gab es in Trier auch mal, die letzten Zeugen davon die Betonstützen für die Oberleitungen auf der Weismark wurden letztes Jahr entfernt.

  8. Eine tunnelfreie Standseilbahn -wie in Luxemburg Stadt- zwischen Hauptbahnhof und Petrisberg sollte finanzierbar sein. Leider scheint diese einfache und kostengünstige Lösung nicht gewollt. Stattdessen werden weiter Luftschlösser geplant und damit auch die Bahnhofsquerung in weite Ferne verschoben.

    • Solche Projekte wie in Luxemburg sind doch hier niemals finanzierbar, vielleicht wirft man noch Geld für Pläne rauss , wie für die Porta Nigra Platz Umgestaltungsplanung , aber realisiert wird hier höchstens zum St. Nimmerleins Tag.

  9. @Peter, genauso ist es. Auf dem Berg sind 4 Buslinien unterwegs, es dürfte wohl keinen anderen Stadtteil geben der besser angebunden ist, wenn das nicht reicht ? Und wie du sagst was die Weststrecke angeht, jetzt wo der Buschmann schon lange weg ist sollte man meinen das die Bagger anrollen, aber nichts geschieht und das seit Jahrzehnten.

  10. Ich komme gerade aus Saarbrücken, da gibt es die Saarbahn. Man tippt am Automaten 111 und mit 2,60€ bist Du im gesamten Stadtgebiet unterwegs, Zubringer Saarbahn und weiter mit dem Bus, alles gut getaktet, Luxemburgs Tram kenne ich auch und jetzt Trier, bald 120 000 Einw. und dann das??? Manchen wir dies, machen wir das, oh nee, das geht nicht, kein Geld aber Mainz baut? Ich bin so enttäuscht, geht doch vieles aber woanders, nur in Trier nicht. In Trier ist das Leben halt etwas gediegen.

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