Rechtliche Schritte gegen Leeds United wegen Robin Koch: Eintracht mit offenem Brief an DFB

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TRIER. Im Zuge der bisherigen Transfers seines Ex-Spielers Robin Koch hat Eintracht-Trier am gestrigen Mittwoch per Einschreiben einen offenen Brief an das Präsidium des DFB versandt. In diesem kritisiert der Verein ein grobes Missverhältnis in den bestehenden nationalen und internationalen Statuten zur Ausbildungsentschädigung von Amateurvereinen.

Hier der offene Brief im Original-Wortlaut:

Trier, 13.01.2021

Sehr geehrter Herr Keller, sehr geehrter Herr Dr. Koch,

wir möchten dieses Schreiben zum Anlass nehmen, um Ihnen ein bestehendes, grobes Missverhältnis in den nationalen und internationalen Regelungen zur Ausbildungsentschädigung von Amateurvereinen transparent zu machen. Es liegen objektiv belegbare Diskrepanzen vor, die kleinere Vereine so nicht akzeptieren können und denen der DFB in seiner Rolle als Interessenvertreter und -verwalter der Amateure nicht im erforderlichen Maße entgegenwirkt.

Ausgangspunkt der Kritik ist der Transfer unseres ehemaligen Jugendspielers Robin Koch vom SC Freiburg zum Leeds United Ende August 2020. Im Folgenden möchten wir an diesem Beispiel aufzeigen, wie es von Verbandsseite versäumt wird, die Basis der Vereine in nationalen Prozessen zu stärken.

Jüngst hat der Deutsche-Fußball-Bund mit dem Masterplan 2024 eine Zukunftsstrategie für den Amateurfußball geschlossen. Das Maßnahmenpaket gilt laut Pressemitteilung als „richtungsweisende Entscheidung“ und soll nicht nur die Vereinsqualität verbessern, sondern auch die komplette Basis des Fußballs in Deutschland stärken.

Grundsätzlich ist die zuvor erfolgte Einbindung von Vereinsvertretern wünschenswert und erforderlich. Ziele wie die Erhöhung von Mitgliederzahlen, Mannschaften oder auch Ressourcenoptimierung in unteren Spielklassen können wir nur befürworten. Nichtsdestotrotz sind wir als SV Eintracht-Trier 05 e.V. an einen Punkt angelangt, an dem wir die Glaubwürdigkeit der Kampagne und Ihrer Inhalte in Frage stellen:

Der SV Eintracht-Trier 05 e.V. ist ein ambitionierter Oberligist aus Rheinland-Pfalz. Stolz ist man bei uns jedoch nicht nur auf die sportliche Tradition (DFB-Pokal Halbfinale, Zweitligazugehörigkeit), sondern auch auf die soziale Verantwortung, welche wir im Jugendbereich des Vereins täglich wahrnehmen. Rund 200 Jugendspieler tummeln sich jede Woche auf dem Sportgelände am Trierer Moselstadion und werden durch Trainer, Ehrenämter und weitere Unterstützer des Vereins mit großer Freude in Ihrer sportlichen und persönlichen Entwicklung gefördert.

Hier wird seit Jahren ein hoher Betrag investiert, um für alle möglichst professionelle Bedingungen zu schaffen. Zahlreiche Beispiele der jüngeren Vergangenheit belegen die gute Arbeit, die in der fußballerischen Ausbildung geleistet wird. So haben in den letzten Jahren 15 Spieler des SVE den direkten Sprung in ein Nachwuchsleistungszentrum professioneller Vereine geschafft. Dies wird nicht zuletzt durch die Entwicklung von Robin Koch, der sechs Jahre lang bei der Eintracht ausgebildet wurde und nun als deutscher Nationalspieler zum englischen Erstligisten Leeds United gewechselt ist, belegt. R. Koch hatte uns zuvor in Richtung FC Kaiserslautern verlassen und wurde dann bei Ihrem Klub, dem SC Freiburg zum Bundesligaprofi.

Von der damaligen Ablöse in Höhe von circa vier Millionen hat unser Verein unter Ihrer Präsidentschaft in keiner Weise partizipiert. Wenngleich Koch bei uns die mit Abstand längste Zeit seiner Laufbahn aktiv war, stand uns durch den DFB/ DFL lediglich eine Ausbildungsentschädigung von 16.000 Euro zu, die durch den damaligen Vorstand aufgrund der von DFB und DFL festgelegten Regularien mehrfach eingefordert werden musste, bis er schlussendlich gezahlt wurde.

Selbstverständlich sind wir froh über gezahlte Ausbildungsentschädigungen in jeder Höhe und können auch jeden Betrag zur Weiterentwicklung unserer Jugend verwenden. Dessen ungeachtet muss bereits an dieser Stelle hinterfragt werden, wer für diese aus unserer Sicht völlig ungerechte Aufteilung die Verantwortung trägt. Denn gemessen an der Ausbildungszeit werden hier kleine Vereine nicht belohnt, sondern übergangen. Es liegt ein drastisches Missverhältnis vor.

Bei einem späteren Wechsel innerhalb der Bundesliga, also im nationalen Bereich, wären weder Eintracht-Trier noch der Heimatverein Kochs, der SV Dörbach, an einer Transfersumme beteiligt worden, obwohl der Spieler acht Jahre lang von diesen Vereinen ausgebildet wurde. Wir sind uns auch dessen bewusst, dass ein Spieler verschiedene Phasen der Entwicklung durchläuft und richtungsweisende Schritte in der Karriere oft erst in höherem Alter und im professionellen Bereich vollzogen werden.

Aber was stellt einen internationalen Wechsel, bei dem die Vereine von den Zahlungen profitieren, rein objektiv und im Sinne des propagierten Solidaritätsgedanken über einen Wechsel nach Leipzig, Dortmund oder Gladbach? Was rechtfertigt eine  Ausbildungsentschädigung auf internationaler Ebene gegenüber der nicht vorhandenen auf nationaler Ebene?

Mit dem Wechsel Kochs zu Leeds United im Sommer sollte nun der Solidaritätsmechanismus der FIFA greifen, wodurch Eintracht-Trier gemäß den geltenden Bestimmungen vom neuen Verein innerhalb von 30 Tagen nach der Registrierung des Spielers ein Betrag von 2,25% der Ablösesumme zusteht. Der erste Teil der Zahlung war am 1. Oktober fällig.

Diese Zahlung ist bis heute nicht erfolgt. Auf Anrufe, Mails und mehrfacher Nachfrage wurde seitens Leeds, wenn überhaupt nur mit dem Verweis auf andere Abteilungen desselben Vereins verwiesen, welche für uns danach ebenfalls nicht erreichbar waren. Auch dem SV Dörbach ist eine Rückmeldung bisher verwehrt geblieben. Was für uns zunächst nicht denkbar erschien, ist mittlerweile die bittere Realität: Wir als Fünftligist oder auch der SV Dörbach (Kreisliga B) müssen rechtliche Schritte gegen einen englischen Erstligisten einleiten. Dabei handelt es sich um eine Entwicklung, die dem fairen Gedanken des Solidaritätsmechanismus und nicht zuletzt auch unseren Vorstellungen vom Umgang mit anderen Vereinen komplett entgegenstehen.

Auf ein anwaltliches Schreiben mit Fristsetzung der Zahlung bis zum 31.12.2020 – drei Monate nach dem vereinbarten Zahlungsziel – gab es aus England keine Reaktion. Im zweiten Schreiben müssen wir nun mit einer Klage drohen. Vollstreckungsmaßnahmen werden dann der nächste Schritt sein. Sehr geehrter Herr Keller, sehr geehrter Herr Dr. Koch, der DFB möchte die Amateurvereine durch die Maßnahmen des Masterplans stärken und seiner Basis endlich die nötige Anerkennung zukommen lassen. Doch zunächst sollte unser Verband und Sie als Präsidium seine Vereine schützen und unterstützen.

Wo ist der Sinn von Solidaritätsmechanismen, Ausbildungsentschädigungen und jüngst Masterplänen, wenn in solch rechtlich klaren Sachverhalten die kleinen Vereine mit marginalen Beträgen befriedigt werden und diese dann nicht einmal gezahlt werden? Wie sollen wir weiter für professionelle Jugendarbeit, mit teilweise ehrenamtlicher Arbeit Menschen motivieren, sich zu engagieren, wenn solche Regelungen bestehen?

Eintracht-Trier und der SV Dörbach sind übrigens nicht das einzige Beispiel für die vorhandenen Defizite. Unter anderem beim Transfer von Toni Kroos zu Real Madrid musste Kroos Heimatverein, der Greifswalder SC, monatelang auf die Solidaritätszahlung eines der größten Vereine der Welt warten.

Was tut der DFB, in Zusammenarbeit mit UEFA und FIFA dagegen, dass solche Fälle in Zukunft ausgeschlossen sind? Was tut der DFB, was gedenken Sie hinsichtlich der bestehenden Regelungen auf nationaler Ebene zu tun, diese bestehenden, ungerechten Vorteilsmechanismen zu beenden?

Insbesondere in Zeiten der Pandemie brauchen alle Vereine Planungssicherheit, die uns am Beispiel Koch über Monate hinweg und ohne Not genommen wird. Offensichtlich steht weder für den DFB noch für andere Verbände das Wohl aller Vereine an erster Stelle. Unser Beispiel legt offen, dass der Begriff der Solidarität durch die bestehenden Regelungen auf nationaler Ebene nicht gelebt wird. Auch vertritt keine explizit bekannte Stelle des DFB unsere Interessen bei der Durchsetzung unserer Rechte.

Wenn Ihnen die im Masterplan 2024 genannten Ziele wirklich etwas bedeuten, gilt es schnellstmöglich zu handeln. Wir Amateurvereine brauchen Unterstützung in diesen Bereichen, wenn die Gedanken des Masterplans nicht nur Außendarstellung des DFB dienen sollen.

Das Präsidium des Fußballverband Rheinland erhält eine Kopie dieses Schreibens. Ebenso werden wir den dargelegten Sachverhalt auch in den Medien öffentlich diskutieren.

Hier besteht dringender Handlungsbedarf von Ihrer Seite diese Regelungen zu überarbeiten, denn die Interessen der von Ihnen vertretenen Vereine werden nicht genügend gewürdigt.

Mit Interesse werden wir die weitere Entwicklung in dieser Thematik beobachten und Sie bei etwaigen Veränderungen gerne unterstützen.

Wir wünschen Ihnen für 2021 viel Erfolg und Fortune bei Ihren bevorstehenden Entscheidungen und vor allem Gesundheit.

Mit blau-schwarz-weißen Grüßen

Alfons Jochem Björn Berens

1.Vorsitzender Geschäfsstellenleiter

SV Eintracht Trier 05 e.V. SV Eintracht Trier 05 e.V.

 

 

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