Corona positiv und dann? „Erreichbarkeit nahezu unmöglich!“ – Bürger wütend auf Hotlines der Stadt

5
Foto: Presseamt Stadt Trier

TRIER. „Bitte rufen Sie zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal an!“ – Trierer Bürgerinnen und Bürger, die versuchen das heimische Bürgeramt telefonisch zu kontaktieren kennen diesen Satz zur Genüge.

Wie uns zahlreiche Leser in den letzten Wochen und aktuell berichten, scheint das Erreichen der Verwaltung derzeit nahezu unmöglich zu sein. „Selbstverständlich bringe ich großes Verständnis mit für die momentane Situation und überlastete Telefonleitungen. Nach mittlerweile 10 Tagen und über 50 erfolglosen Versuchen, geht meine Geduld jedoch langsam dem Ende entgegen“, berichtet uns ein Leser, der mit dieser Meinung nicht alleine steht.

„Ein Ding der Unmöglichkeit“, „Es ist einfacher die Bundeskanzlerin ans Telefon zu bekommen“ oder „Ich habe es mittlerweile aufgegeben“, sind nur wenige Aussagen deprimierter Anrufer.

Eine Leserin schreibt uns: „Ich habe weiterhin großen Respekt vor den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung, die derzeit über ihrer Belastungsgrenze arbeiten müssen – mein Frust ist daher grundsätzlicher: Wie kann es sein, dass eine Stadt wie Trier über zwei Wochen für den Bürger nicht erreichbar ist?“

Doch nicht nur das Bürgeramt scheint kaum erreichbar – so häufen sich ebenfalls die Beschwerden über das Gesundheitsamt. Die Überlastung der Ämter scheint auch in Trier angekommen zu sein. So berichten uns vermehrt Menschen, beispielsweise mit einem positiven Covid-19 Test, sich von den Ämtern im Stich gelassen zu fühlen. Eine Rückmeldung gäbe es oft erst nach ein paar Tagen, bis dahin fühlen sich die Menschen hilflos und alleine gelassen – müssen privat schauen und beispielsweise entsprechende Vorkehrungen treffen und Kontakte über die aktuelle Situation aufklären.

Die Situation ist besorgniserregend – Bürgermeister der größten rheinland-pfälzischen Großstädte baten bereits um Hilfe

Bei dem Treffen in Trier im Oktober unterschrieben Jutta Steinruck (Ludwigshafen), Michael Ebling (Mainz), David Langner (Koblenz), Klaus Weichel (Kaiserslautern) und Wolfram Leibe (Trier) ein Positionspapier an Bund und Land für die Stärkung der kommunalen Ordnungsdienste und der Behördennummer 115.

Alleine das Anrufaufkommen auf der 115 (die die Stadt gemeinsam mit dem Landkreis Trier-Saarburg betreibt) hat in diesem Jahr durch Corona enorm zugenommen. So sind alleine in diesem Jahr bis August schon 240.000 Anrufe eingegangen – im Jahresschnitt waren es normalerweise 160.000 Anrufre im Schnitt. Da das Servicecenter zum Teil auch Anrufe des Gesundheitsamts bearbeitet, steigt die Nachfrage besonders wenn neue Corona-Fälle gemeldet werden.

In Anbetracht der steigenden Schwierigkeiten erscheint es umso wichtiger, die Höhe der Infektionszahlen auf einem niedrigen Niveau zu halten. Wie die Bundeskanzlerin heute mitteilte, ist eine saubere Kontaktnachverfolgung der Ämter nur bei einer 7-Tages Inzidenz von unter 50 / pro 100.000 Einwohnern reibungslos möglich – eine Aussage die auch auf die Stadt Trier zuzutreffen scheint, in der die Verwaltungsmitarbeiterinnen und -arbeiter ihr Bestes geben und sich Anruferinnen und Anrufer sehr geduldig zeigen müssen.

5 KOMMENTARE

  1. Ich stelle mir zusätzlich die Frage, warum der Staat sich nicht auf die Zahlen vorbereitet hat. Es war doch schon klar, dass die Zahlen im Herbst in die Höhe schießen werden und man hatte ein halbes Jahr Zeit, sich darauf vorzubereiten. Wenn es um das Abfragen der Symptome und um das festhalten von Kontakten geht, könnte dies sehr einfach über eine Webseite und eine Hotline (die Mitarbeiter müssten doch nicht mal beim Gesundheitsamt fest angestellt sein) geregelt werden. Laptops und Handys and ein paar Leute verschickt und diese eingewiesen, sich streng an der Vorlage zu richten, dann wären die festen Mitarbeiter der Gesundheitsämter nur mit wirklich wichtigen Dingen beschäftigt.

    Unternehmen und Unternehmer mussten von einem Tag auf den anderen auf Home Office umstellen – ich denke nicht, dass unsere Beamten, Lehrer und Politiker nicht dazu in der Lage sind.

    Wohin geht es mit Deutschland?

  2. Ja, es ist zutreffend. Die Verkehrskontrollen sollten nun wirklich nicht mit gleicher Intensität in der Stadt fortgeführt werden, wenn andererseits die personellen Ressourcen des Ordnungsdienstes in Coronazeiten schier überfordert sind. Flexibilität sollte nun angezeigt sein und die Ordnungshüter sollten sich prioritär der wohl derzeit größten Gefahr widmen und einen Strategiewechsel zugunsten der Pandemiebekämpfung vollziehen. Es ist schwer nachzuvollziehen, wenn man allenthalben Radarkontrollen im Stadtgebiet sieht und andererseits die Präsenz der Ordnungshüter im Stadtgebiet vermisst, um dabei zu unterstützten (und dies nach Möglichkeit sehr emphatisch!) das Ansteckungsrisiko durch die Beachtung der AHA Regeln zu verringern! Herr Leibe: Sie sind gefordert. Und bitte nicht wieder nur Sprüche, sondern auch Taten!

  3. Ein interessantes Urteil für alle Menschen, die mit den zweifelhaften Coronaverordnungen zu Bußgeldern verurteilt wurden. Wolfgang Kubicki von der FDP rät ja jedem Betroffenen dagegen zu klagen.

    Gestern fand vor dem Amtsgericht Dortmund ein Prozess statt, bei dem uns das gemeingefährliche Verhalten vorgeworfen wurde, an einem warmen Frühlingsabend zu Dritt in Coronadeutschland zusammen gestanden zu haben – ein angeblicher Verstoß gegen die zu diesem Zeitpunkt gültige Coronaschutzverordnung NRW. Doch vor Gericht gab es für die staatlichen Behörden eine dicke Klatsche!

    Der Richter stellte fest, dass seiner Meinung nach die Coronaschutzverordnung OHNE rechtliche Grundlage erlassen wurde – vorbei am Souverän, ohne Parlamentsvorbehalt. Genau dieser sei aber von den Gründungsvätern der Republik für solche Fälle als „Lehre aus 1933“ vorgesehen worden. Zwar sei die Corona-Situation nicht ansatzweise mit damals vergleichbar und die Politiker wollten seiner Meinung nach die Bevölkerung vor einer schweren Krankheit schützen. Aber: Rechtswidrig ist rechtswidrig, entschied der Richter, um mit „Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet“, den Staatsrechtler Carl Schmitt zu zitieren.

    Die Staatsanwaltschaft kann gegen das Urteil noch Rechtsbeschwerde zum OLG Hamm einlegen.

    Hält dieses Urteil stand, sind alle (!) Rechtsverordnungen, die seit März erlassenen wurden, unwirksam, ebenso die daraus resultierenden Verfahren.

    Urteil des AG Dortmund vom 2. November 2020, Aktenzeichen 733 OWi-127 Js 75/20-64/20
    4.8

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.