TRIER. Die bedarfsgerechte Versorgung psychisch erkrankter Menschen in Trier steht vor immer größeren Herausforderungen. Dies zeigt sich an der dauerhaften Überlastung der psychiatrischen Station des Klinikums Mutterhaus und fehlenden Kapazitäten in psychiatrischen Praxen.
Daher entstand 2024 auf Initiative der Klinikleitung und von Ordnungsdezernent Ralf Britten ein Runder Tisch. Vertreten sind dort das Mutterhaus, das Ordnungsamt, das Gesundheitsamt und die Stabsstelle Sozialplanung des Kreises Trier-Saarburg, die Polizei, das zuständige Gericht, die Eingliederungs- und die Wohnungslosenhilfe sowie die Koordinierung der Gemeindepsychiatrie in der Stadtverwaltung.
In der jüngsten Sitzung auf Einladung von Sozialdezernentin Elvira Garbes wies das Mutterhaus erneut darauf hin, dass eine zufriedenstellende Versorgung nach wie vor nicht möglich sei. Die Polizei berichtete, dass es bei ihren häufigen Kontakten mit psychisch auffälligen Personen daher oft zu aufwendigen Verfahren in der gegenseitigen Abstimmung komme. Für Garbes muss es „einerseits gelingen, die erkrankten Menschen zu behandeln, andererseits aber auch klar sein, dass auch sie sich im öffentlichen Raum aufhalten dürfen und Auffälligkeiten nur in schweren Fällen ein Grund für eine Zwangseinweisung in die Klinik sind.“ Damit sich die Lage nicht weiter verschärft, fordert der Runde Tisch, eine Klinik-Unterbringung nur bei besonderen Notfällen zu erwägen. Ansonsten sei es besser, die Menschen in ihrem Umfeld zu lassen und bestmöglich zu begleiten. Die Stadtgesellschaft müsse die Präsenz psychisch erkrankter Menschen aushalten, solange sie sich und andere nicht gefährdeten.
Um das Mutterhaus zu entlasten, ist es nach Einschätzung des Runden Tischs nötig, dass weitere Kliniken eine Versorgungsverpflichtung übernehmen. Joachim Christmann, zuständiger Geschäftsbereichsleiter im Landkreis Trier-Saarburg, berichtete, „dass das Kreiskrankenhaus Saarburg im kommenden Jahr dazu in der Lage ist“. Außerdem könnten, so der Runde Tisch, die Kliniken ihre Institutsambulanzen ausbauen, auch um die Nachfrage nach stationären Angeboten zu senken. Das Mutterhaus hat den Umfang seiner Institutsambulanz in letzter Zeit verachtfacht und strebt eine weitere Vergrößerung an.
Ein weiterer Ansatzpunkt zur Entlastung des Mutterhauses können zusätzliche Wohnangebote für psychisch erkrankte Menschen sein. Rainer Klippel (Barmherzige Brüder Schönfelder Hof) stellte Überlegungen für ein geschütztes Angebot für Erkrankte mit massiver Eigenfährdung vor. Marco Martini (Caritasverband) präsentierte das Konzept zum Umbau des Wohnverbunds im Raphaelshaus. Martin Hintz (Benedikt-Labre-Haus) stellte Überlegungen der Wohnungslosenhilfe vor, auch Menschen eine Übernachtung zu ermöglichen, die bisher abgewiesen werden müssen, da die Hausregeln für sie nicht einhaltbar waren. Da es in diesem Bereich sehr viele Menschen mit psychiatrischen Krankheiten gibt, wird auch überlegt, wie ein niedrigschwelliges Angebot im Benedikt Labre-Haus realisiert werden könnte. Auch der gemeinsame Beirat für psychische Gesundheit der Stadt und des Landkreises wird sich mit dieser Herausforderung befassen und dafür einsetzen, dass die betroffenen Menschen regional bestmöglich versorgt werden können.
Um die psychiatrische Versorgung in Trier zu verbessern, ist man nach Einschätzung des Runden Tischs auf die Hilfe des Landes angewiesen. Vom Sozialministerium habe es in den letzten Monaten Signale gegeben, dass das Land die Schaffung weiterer Wohnangebote unterstützt. Die Bemühungen, zu schnellen Lösungen zu kommen, dürfen, so der Runde Tisch, „nicht nachlassen, da nur mit Hilfe des Landes Verbesserungen in vertretbaren Zeiträumen – insbesondere in der klinischen Versorgung – möglich sind.“ (Quelle: Stadt Trier)












