++ Assistierte Ausbildung: Defizite gemeinsam meistern (Lokalo.de-Interview) ++

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Lehrmeister bringt Auszubildenden etwas bei.

Bildquelle: BAfA

TRIER. Viele Betriebe suchen händeringend nach Nachwuchskräften in der Region Trier. Für manche Schulabgänger ist es trotzdem schwierig einen Ausbildungsplatz zu finden, wenn die Schulnoten nicht allzu gut sind. Oftmals achten Arbeitgeber nicht darauf, welche sonstigen Qualifikationen Bewerberinnen und Bewerber mitbringen: Neugierde und Interesse an der Tätigkeit, handwerkliches Geschick, Zuverlässigkeit etc. Als Brückenbauer kann in so einem Fall die Assistierte Ausbildung (AsA) dienen. Dieses Angebot wird von der Agentur für Arbeit zur Verfügung gestellt.

Verschiedene regionale Bildungseinrichtungen unterstützen in diesem Rahmen Unternehmen und potentielle Azubis. Die Träger bereiten Jugendliche auf die Aufnahme einer betrieblichen Ausbildung vor. Auch während der laufenden Ausbildung werden die Beteiligten bedarfsgerecht unterstützt und an den Erwerb des Berufsabschlusses heran geführt. Neben intensivem Stütz- und Förderunterricht stehen den Azubis und Betrieben qualifizierte pädagogische Fachkräfte und Ausbildungsbegleiter als Ansprechpartner bei allen Fragen und Problemen zur Seite.

Der Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit informiert Unternehmen unter der 0800 4 5555 20 oder per Mail an Trier.Arbeitgeber@arbeitsagentur.de gerne darüber, wie sie von der AsA profitieren können. Um interessierte Jugendliche kümmert sich die Berufsberatung unter der 0800 4 5555 00 oder der Mailadresse Trier.Berufsberatung@arbeitsagentur.de.

Wie die AsA zur Erfolgsgeschichte wird, zeigt das Beispiel der im Gewerbegebiet Sehlem ansässigen DHL Freight GmbH. Dort gelang es durch enge Zusammenarbeit mit der Berufsberatung der Agentur für Arbeit und dem JHZ Don Bosco Helenenberg, zwei Jugendliche, von den einer von der Förderschule kam, durch eine zweijährige Ausbildung zum Fachlageristen bis zur erfolgreichen Gesellenprüfung zu führen.

LOKALO-INTERVIEW:

Passend zur Woche der Ausbildung erzählen Herr Szymanski (einer der damaligen Auszubildenden), der Ausbilder Herr Sungen, Herr Czogalla (Leiter Umschlagslager/Operative Lagerei), Herr Riemenschnitter (Niederlassungsleiter) sowie Frau Kreber (Leitung AsA beim JHZ Don Bosco) im Interview mit lokalo.de, wie das funktioniert hat.

Lokalo.de: „In welchem Umfang und in welcher Weise erfolgte die Unterstützung durch die Bildungseinrichtung JHZ Don Bosco?“

Szymanski: „Eine Lehrkraft bei Don Bosco erteilte mir einmal wöchentlich 90 Minuten fachbezogene Nachhilfe, die Stoffabsprache erfolgte in enger Abstimmung mit meinen Berufsschullehrern. Die Nachhilfe umfasste die Vor- und Nachbereitung des Schulstoffs, sowie Training für Klassenarbeiten. Neben der fachlichen Komponente wurde ich aber auch persönlich bzgl. Kommunikation und Auftreten unterstützt.“

Kreber: „Die Zusammenarbeit sowohl mit Herrn Szymanski wie auch mit allen Ansprechpartnern bei DHL gestaltete sich vertrauensvoll und konstruktiv lösungsorientiert. Für alle anfallenden Probleme, Sorgen und Nöte gab es stets ein ‚offenes Ohr‘. Auch die Berufsschullehrer standen uns jederzeit für Nachfragen und Informationen zur Verfügung.“

Lokalo.de: „Welche Vorteile gewann DHL als ausbildender Betrieb durch die AsA?“

Sungen: „Die regelmäßigen Gespräche im Rahmen der Ausbildungsbegleitung ermöglichten mir als zuständigem Ausbilder und Herrn Czogalla als Lagerleiter eine präzise Praxisunterstützung bei Problemen und Kenntnisdefiziten. Schulische und praktische Leistungen konnten gleichermaßen im Blick und auf einem guten Level gehalten werden. Die beiden Auszubildenden hatten in uns stets einen persönlichen Ansprechpartner.“

Czogalla: „Besonders hervorzuheben ist auch die persönliche Weiterentwicklung der Auszubildenden. Herrn Szymanskis Selbstbewusstsein wurde durch die zunehmenden fachlichen Kenntnisse und die persönliche Bestärkung so gefördert, dass er sogar seinen Mit-Auszubildenden im Bereich Lesen und Schreiben unterstützte. Inzwischen hilft er den neuen Auszubildenden auch fachlich weiter. Sein damaliger Mit-Azubi verbesserte sich während der Ausbildung erheblich in den Bereichen Lesen, Schreiben und verbaler Kommunikation.“

Riemenschnitter: „Bei beiden damaligen Auszubildenden war zu Beginn der AsA nicht absehbar, ob sie die Gesellenprüfung direkt bestehen würden. Nur deren persönlichen Einsatz in Kombination mit hohem Engagement unseres Unternehmens und der Bildungseinrichtung ist es zu verdanken, dass die Ausbildungen erfolgreich abgeschlossen wurden. Die AsA schafft eine Win-Win-Situation für den jungen Menschen und das ausbildende Unternehmen: auf der einen Seite eine gesicherte Zukunftsperspektive und auf der anderen Seite eine qualifizierte Fachkraft für das Unternehmen.“

Lokalo.de: „Gibt es eine Empfehlung für andere Arbeitgeber?“

Riemenschnitter: „Ja… ganz klare Perspektiven schaffen und visionär denken! Im Klartext: Man sollte sich nicht nur über fehlende Auszubildende beklagen, sondern auch schwächeren Jugendlichen – z.B. auch mit Migrationshintergrund – eine faire Chance auf eine Ausbildung mit einer guten Berufsperspektive geben. Jeder hat die Möglichkeit verdient, aktiv am Berufsleben zu partizipieren und sich durch ihm übertragene Verantwortung zu entwickeln. Die enge fachliche und persönliche Begleitung der Jugendlichen während der Ausbildung fördert nicht nur das Vertrauen in die eigene Persönlichkeit. Die Identifikation mit der eigenen Tätigkeit und dem Unternehmen an sich wird nachhaltig gestärkt und ausgebaut. Ziel muss eine Beschäftigung sein, die über die Ausbildung hinausgeht. Das Prinzip ‚Fördern und Fordern‘ gilt gleichermaßen für die nunmehr ausgebildete Fachkraft: Verantwortung übertragen bekommen und übernehmen, um im Unternehmen Aufstiegschancen zu sehen.“

Czogalla: „Jedes Unternehmen hat die Möglichkeit, sich aktiv für die Gewinnung eigener Fachkräfte einzusetzen. Die Agentur für Arbeit berät Sie gerne ausführlich zu dem Förderprojekt AsA und weiteren Programmen im Bereich Weiterbildung.“

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