„Schnapsidee!“ – CDU-Landeschef Schnieder zerlegt Teilzeit-Vorstoß aus eigener Partei

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Gordon Schnieder, frisch gekürter CDU-Spitzenkandidat für die rheinland-pfälzische Landtagswahl 2026.Harald Tittel/dpa

Mainz/Berlin. Der Vorstoß aus dem Wirtschaftsflügel der Union, den Rechtsanspruch auf Teilzeit einzuschränken, stößt auf scharfen Widerstand – auch innerhalb der CDU selbst. Der rheinland-pfälzische CDU-Landesvorsitzende Gordon Schnieder bezeichnete die Initiative unmissverständlich als „Schnapsidee“ und distanzierte sich klar von den Überlegungen seiner Parteikollegen.

Die Debatte komme zur Unzeit, erklärte Schnieder in Mainz. Statt über Einschränkungen bei der Teilzeit zu sprechen, müsse die Politik Wege finden, Vollzeitarbeit attraktiver zu machen. Dazu gehörten vor allem steuerliche Entlastungen und geringere Abgaben. Den Vorstoß selbst unterstütze er ausdrücklich nicht.

„Lifestyle-Teilzeit“ sorgt für Empörung

Auslöser der Diskussion ist ein Antrag der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) an den CDU-Bundesparteitag im Februar. Darin fordert die MIT, den Rechtsanspruch auf Teilzeit angesichts des Fachkräftemangels nur noch bei besonderen Gründen zu gewähren – etwa bei Kindererziehung, Pflege von Angehörigen oder Weiterbildung. Der Antrag trägt den Titel „Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit“.

Der Begriff sorgt parteiübergreifend für massive Kritik. Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) wies die Unterstellung zurück, Menschen würden aus Bequemlichkeit weniger arbeiten. In Rheinland-Pfalz sehe er vor allem Beschäftigte, die versuchten, Beruf, Familie und Privatleben zu vereinbaren. Allein im Jahr 2023 seien bundesweit 1,3 Milliarden Überstunden geleistet worden – ein klares Zeichen für hohe Arbeitsbereitschaft.

Unfreiwillige Teilzeit statt Bequemlichkeit

Schweitzer betonte zudem, dass viele Menschen – insbesondere Frauen und ältere Beschäftigte – unfreiwillig in Teilzeit arbeiteten. Ursache seien fehlende Betreuungsangebote, Pflegeverpflichtungen oder unzureichende Arbeitszeitmodelle in den Unternehmen. Die Annahme eines „Volkes fauler Arbeitnehmer“ habe mit der Realität nichts zu tun.

Auch Daniela Schmitt, Landesvorsitzende der FDP und Wirtschaftsministerin in Rheinland-Pfalz, kritisierte den Vorstoß scharf. Teilzeit dürfe nicht unter Generalverdacht gestellt werden. Wer mehr Arbeitsleistung wolle, müsse bessere Rahmenbedingungen schaffen, statt Druck auszuüben oder Rechtfertigungen einzufordern.

Gewerkschaften und Experten warnen

Rückendeckung erhielt diese Sichtweise vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Landeschefin Susanne Wingertszahn warnte, eine Einschränkung der Teilzeit würde vor allem Frauen aus dem Arbeitsmarkt drängen. Das gehe arbeitsmarktpolitisch am Ziel vorbei.

Auch der Arbeitsmarktexperte Stefan Sell sieht kaum Belege für eine relevante Zahl sogenannter „Lifestyle-Teilzeitbeschäftigter“. Menschen, die sich freiwillig und finanziell abgesichert Teilzeit leisten könnten, machten nur einen sehr kleinen Prozentsatz aus.

CDU setzt Fokus auf Kitas und Schulen

CDU-Landeschef Schnieder lenkte den Blick stattdessen auf strukturelle Probleme. Viele Menschen könnten nicht Vollzeit arbeiten, weil Kitas und Schulen unzuverlässige Öffnungszeiten hätten. Die CDU-Fraktion fordert daher einen verbindlichen Grundschulunterricht von 8 bis 14 Uhr. Zudem soll der Fremdsprachenunterricht in den Klassen drei und vier ab dem Schuljahr 2026/27 entfallen, um mehr Zeit für Kernfächer zu schaffen.

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