Online-Dating im Wandel: Warum Menschen heute anders nach Nähe suchen 

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Foto: pixabay

Wer sich ein wenig mit dem Thema Dating auseinandersetzt, erkennt schnell, dass sich die Art, wie Menschen Nähe aufbauen, seit einigen Jahren deutlich verändert. Mittlerweile sorgen verschiedene Dating-Apps dafür, dass es leichter fällt als früher, Gleichgesinnte kennenzulernen… entweder für eine feste Beziehung, einen ONS oder für „irgendetwas dazwischen“. Gleichzeitig wird neu definiert, was Intimität bedeutet. 

Während früher gemeinsame Freunde oder die berühmten Zufälle dafür gesorgt haben, dass sich zwei Menschen begegnet sind, läuft heute vieles über Swipen und die ein oder andere kurze Nachricht. 

Ein Detail, das in diesem Zusammenhang immer wieder vergessen wird: Hinter dieser scheinbar „schnellen (Dating-) Welt“ steckt ein tieferes Bedürfnis. Die folgenden Abschnitte gehen etwas genauer darauf ein, was neu ist und welche Möglichkeiten sich hinter den aktuellen Dating-Trends verbergen. 

Digitale Nähe: Vertrautheit entsteht oft vor dem ersten Date 

Viele Männer aus Hamburg interessieren sich für eine feste Partnerschaft, manche Frauen aus Saarland suchen Kontakte für eine lockere Affäre… und auch überall im Rest der Republik wird geflirtet. 

Und immer wieder zeigt sich, dass digitale Gespräche eine unverhoffte Form der Vertrautheit schaffen können. Bevor sich zwei Menschen überhaupt persönlich gegenüberstehen, wissen diese oft schon, welchen Humor der jeweils andere hat, welche kleinen Macken sympathisch wirken oder welche Sehnsüchte erfüllt werden möchten. Und genau diese frühe Vertrautheit kann eine anziehende Spannung erzeugen. 

Fest steht auch, dass der Trend „Online-Dating“ dafür gesorgt hat, dass sich auch die Geschwindigkeit verändert, mit der Nähe entsteht bzw. entstehen kann. Nachrichten richten sich nach dem Takt des Alltags, kurze Flirts entstehen häufig zwischen zwei Meetings oder nachts im Bett. Und genau diese kleinen Momente erlauben es, spielerisch Grenzen auszutesten. Ein Detail, das oft mehr oder weniger offen mitschwingt: der Wunsch nach Erotik. 

Beim modernen Online-Dating geht es nicht nur um die Partnersuche 

Für viele Menschen ist Online-Dating heute zu einer Art Normalität geworden, die sie nicht mehr missen möchten. Singles (und auch diejenigen, die sich in einer Partnerschaft befinden) nutzen Plattformen nicht nur, um feste Beziehungen oder lockere Verabredungen zu genießen, sondern auch, um sich auszutauschen, zu experimentieren oder einen sicheren Raum zu haben, in dem Wünsche ausgelotet werden können. 

Auch die Art der Kommunikation hat sich verändert. Sie ist direkter geworden. Frauen und Männer definieren ihre Bedürfnisse klarer als früher. Sie möchten keine Zeit verlieren, sondern am besten direkt eine Person finden, die gleich tickt. Dank „netter Extras“, wie Filterfunktionen, Matching-Systemen und anonymen Profilen, fühlen sie sich oft freier und ermutigt, das auszusprechen, was sie wirklich suchen. 

Erotische Untertöne müssen in diesem Zusammenhang nicht vulgär wirken. Diese neue Selbstbestimmung macht Online-Dating zu einer Bühne, auf der man sich nicht schämen muss, sich von seiner besonders attraktiven Seite zu zeigen. 

Können digitale Filter zu echter Nähe führen? 

In der Vergangenheit musste sich Online-Dating immer wieder mit dem Vorwurf, unpersönlich zu sein, auseinandersetzen. Aber interessanterweise ist oft das Gegenteil der Fall. In einem digitalen Raum, in dem niemand sofort die Körpersprache, den Tonfall oder den ersten Eindruck beurteilt, öffnen sich viele schneller. Gefühle, Wünsche und Ängste lassen sich schriftlich manchmal leichter ausdrücken. 

Deswegen können viele Gespräche schnell eine besondere Tiefe erreichen… auch in erotischer Hinsicht. 

Wenn sich zwei Menschen dann offline begegnen, wirkt es oft, als hätten sie bereits eine Art vertraute Geschichte. Die subtile Spannung, die sich in Chats aufgebaut hat, überträgt sich unmerklich in reale Gesten. Natürlich gibt es Ausnahmen. Oft ist es jedoch möglich, beim Chatten eine besondere Basis zu schaffen. 

Der Reiz des Unverbindlichen 

Wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, online den Partner fürs Leben oder einen ONS zu finden, ist natürlich auch immer von der jeweiligen Plattform abhängig. Viele Plattformen erlauben zum Beispiel ein Kennenlernen ohne sofortige Verpflichtung. Diese Freiheit führt nicht zwangsläufig zu Oberflächlichkeit. Stattdessen eröffnet sie die Möglichkeit, sich langsam anzunähern und herauszufinden, was man tatsächlich braucht. 

Und sollte sich beim Schreiben zeigen, dass die Ansichten darüber, wie die gemeinsame bzw. erotische Zukunft aussehen sollte, deutlich auseinandergehen, besteht immer die Chance, sich höflich zu verabschieden. Die Kunst besteht (wie so oft) darin, zu kommunizieren, was man möchte… und was nicht. 

Gerade die Möglichkeit, Grenzen klar zu setzen, macht digitale Kontakte sicherer und angenehmer. 

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass besagte Grenzen natürlich auch im „echten Leben“ gesetzt werden können (und sollten). Dennoch fällt der schriftliche Austausch vielen Menschen leichter. 

Wie wird sich die digitale Zukunft in den kommenden Jahren entwickeln? 

Die Chancen, dass sich Online-Dating in den nächsten Jahren weiterentwickeln wird, stehen gut. Aktuell ist zum Beispiel davon auszugehen, dass KI-gestützte Matching-Systeme immer mehr verstehen werden, was Menschen wirklich suchen. Zudem könnte das Bedürfnis nach Authentizität, Respekt und echter emotionaler Verbindung noch weiter wachsen. 

Und auch die (mehr oder weniger) subtile Erotik, die viele Menschen im digitalen Austausch schätzen, wird weiterhin eine Rolle spielen. 

Schon jetzt zeigt sich in diesem Zusammenhang, dass sich auch die Gesellschaft und deren Einstellung zur „perfekten Partnerschaft“ gewandelt hat. Wer sich heute kennenlernt und sich vielleicht länger datet, muss sich vor seinem Freundeskreis oft nicht mehr rechtfertigen, warum in naher Zukunft nicht geheiratet wird. Zudem haben etliche Menschen Verständnis, wenn ein vielbeschäftigter Manager erklärt, eben nicht bereit für eine Beziehung zu sein. 

Hinter all dem verbirgt sich ein Wunsch: so zu lieben, wie man es selbst für richtig hält. Manchmal laut, manchmal leise, aber eben immer authentisch. 

Welche Rolle spielt die Sicherheit im modernen Online Dating? 

Wer an „Sicherheit“ und „Online Dating“ und „Sicherheit“ denkt, denkt oft an „Safer Sex“ und andere (durchaus wichtige) Verantwortlichkeiten. Aber: Besagte Sicherheit ist auch in technischer Hinsicht wichtig. Nutzer möchten wissen, dass ihre persönlichen Daten geschützt sind und sie selbst bestimmen können, wie viel sie preisgeben. Viele moderne Plattformen reagieren auf Erwartungen wie diese mit weiteren Funktionen wie…: 

  • Identitätsverifizierung 
  • verschlüsselter Kommunikation 
  • der Möglichkeit, verdächtige Profile zu melden oder direkt zu blockieren. 

Und was bedeutet Sicherheit im Zusammenhang mit Real Dates? Viele Dienste geben inzwischen Tipps für sichere erste Treffen, etwa öffentliche Orte zu wählen oder Freunden den Treffpunkt mitzuteilen. 

Auch die Kontrolle über Fotos, Standortdaten und Privatsphäre-Einstellungen (und regelmäßige Anpassungen) trägt in vielen Fällen dazu bei, dass Menschen selbstbewusster und entspannter flirten können. 

Ein „netter Nebeneffekt“: Wer sich sicher fühlt, hat oft das Gefühl von Kontrolle. Und genau das kann unmittelbar die Qualität der Begegnungen beeinflussen. Denn: Wenn Nutzer sich geschützt fühlen, kommunizieren sie häufig offener und authentischer und können so die Chancen, die modernes Online-Dating mit sich bringt, im Idealfall ohne Misstrauen genießen. 

Und wer weiß? Vielleicht führt das nächste Date nicht „nur“ zu einem flüchtigen Abenteuer, sondern dazu, dass es an der Zeit ist, mehr Nähe zuzulassen, als eigentlich ursprünglich geplant war? Und das mit allen Höhen und Tiefen, die eine Beziehung mit sich bringen kann. 

  

  

  

 

 

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