Trier: Neue IG BAU-Chefin Langenbahn kritisiert Ausweitung von Minijobs

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Die neue Vorsitzende der IG BAU Saar-Trier, Ute Langenbahn. Foto: IG BAU Saar-Trier

TRIER. Wechsel an der Gewerkschaftsspitze in der Region: Ute Langenbahn ist zur Vorsitzenden des Bezirksverbands Saar-Trier der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) gewählt worden, wie die Gewerkschaft mitteilt. Die 55-Jährige übernimmt die Nachfolge von Marc Steilen, der als ihr Stellvertreter weiterhin im Bezirksvorstand aktiv ist. Damit ist Langenbahn ab sofort oberste Interessenvertreterin von Bauarbeitern, Reinigungskräften und Forstbeschäftigten in der Region. Nach Angaben der Arbeitsagentur arbeiten in den Branchen der IG BAU in Trier aktuell rund 2.200 Menschen – 930 von ihnen im Bauhauptgewerbe und 670 in der Gebäudereinigung.

Langenbahn ist gelernte Hauswirtschaftsmeisterin. Seit 2007 gehört sie dem Bezirksvorstand der IG BAU an. Die gebürtige Fränkin, die im rheinland-pfälzischen Contwig lebt, war über viele Jahre Objektleiterin in der Gebäudereinigung und arbeitet derzeit am Uniklinikum Homburg (Saar). Ehrenamtlich engagiert sie sich als Vollversammlungsmitglied der Handwerkskammer des Saarlandes und als Mitglied der Vertreterversammlung der Arbeitskammer Saar. Außerdem ist sie Vorsitzende der IG BAU-Fachgruppe Gebäudereinigung Saar-Trier und des Arbeitskreises Frauen. Dabei kritisiert sie die von der Politik geplante Ausweitung der Minijobs. „Die prekären Stellen, wie sie in der Reinigungsbranche verbreitet sind, treffen insbesondere Frauen. Weil während der Pandemie viele Minijobs verloren gingen, stehen sie ohne Arbeitslosengeld da und haben auch keinen Anspruch auf das Kurzarbeitergeld“, so Langenbahn.

Als neu gewählte Bezirksvorsitzende wolle sie sich für Verbesserungen in allen Branchen der Gewerkschaft einsetzen. „Ob auf der Baustelle, in der Reinigungsfirma oder im Malerbetrieb – gerade am Arbeitsplatz kommt es darauf an, dass die Menschen an einem Strang ziehen. Bessere Löhne und Arbeitsbedingungen fallen nicht vom Himmel“, sagt Langenbahn. Die Gewerkschafterin appelliert an die Beschäftigten, sich für die eigenen Belange einzusetzen. Gerade das Handwerk in der Region sei in den nächsten Jahren auf Tausende zusätzliche Fachkräfte angewiesen. Die Beschäftigten dürften sich deshalb nicht unter Wert verkaufen. „Vom Fassadenreiniger über den Gartenbauer bis zur Buchhalterin in der Baufirma – Fachleute sollten auf einer tariflichen Bezahlung bestehen.“ Wer zu wenig verdiene, solle sich an die IG BAU vor Ort wenden.

Zugleich will sich Langenbahn dafür starkmachen, dass Beschäftigte stärker mitentscheiden, wie ihr Job in Zukunft aussehe. Ein „Riesen-Thema“ sei hier die Weiterbildung. „Viele Branchen stehen vor einem enormen Umbruch. Ob es um die klimagerechte Sanierung von Altbauten, den Waldumbau im Forst oder die Digitalisierung in der Baubranche geht – Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müssen durch zusätzliches Know-how für die Zukunft fit gemacht werden“, so Langenbahn. Neue Trends und Technologien müssten den Beschäftigten zugutekommen, statt Jobs zu gefährden. Beim Wandel der Arbeitswelt sei es unverzichtbar, dass Gewerkschaften und Betriebsräte ein entscheidendes Wort mitredeten, betont die neu gewählte IG BAU-Bezirksvorsitzende.

Außerdem kündigt Langenbahn an, sich in politische Debatten einzumischen: „Viele Vorhaben der Berliner Ampel-Koalition haben direkte Auswirkungen in unserer Region – von der Wohnungsbau-Offensive über die Umgestaltung der Agrarwirtschaft bis hin zur gesetzlichen Rente. Bei all diesen Themen wird sich die IG BAU Saar-Trier einbringen und dabei auch der Kommunal- und Landespolitik auf die Finger schauen.“

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