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SPEYER. Der frühere rheinland-pfälzische Ministerpräsident Bernhard Vogel (CDU) hat sich für einen zentralen Gedenkort für die Flutkatastrophe im Juli ausgesprochen. «Selbstverständlich. Das Gedenken sollte lebendig gehalten werden», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Ob ein solcher Platz im Ahrtal oder auch gemeinsam mit dem ebenfalls betroffenen Nordrhein-Westfalen geschaffen werden sollte, müssten die Verantwortlichen entscheiden. «Aber ein Ort, der an die Toten und an das Ereignis erinnert, wäre gut», sagte Vogel.
Bei dem Hochwasser in der Nacht zum 15. Juli waren in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen 182 Menschen ums Leben gekommen. Besonders betroffen war das Ahrtal in Rheinland-Pfalz, in dem 133 Bewohner durch die Flut starben. Dort werden noch vier Menschen vermisst.
Der 88-jährige Vogel verwies auf das Flugzeugunglück 1988 im pfälzischen Ramstein in seiner Amtszeit und an den Amoklauf von 2002 in Erfurt, als er Ministerpräsident von Thüringen war. «Wir haben nach beiden Katastrophen natürlich ein Gedenken veranstaltet und dabei versucht, zunächst bis zur Beerdigung die Frage, wie konnte es dazu kommen, zurückzustellen und die Trauer im Vordergrund stehen zu lassen», sagte Vogel in seinem Wohnort Speyer.
Erst danach sei es im jeweiligen Landtag zu einer ausführlichen Auseinandersetzung mit den Hintergründen gekommen. «Und das ist auch jetzt ganz ohne Frage wichtig. Hilfe ist notwendig, aber man muss sich auch mit der Frage beschäftigen, wie konnte es geschehen und was muss geschehen, dass es nicht wieder geschieht?»
Die Ereignisse in Ramstein und Erfurt hätten ihn vor «ungeheuer schwierige Aufgaben» gestellt. «Man hätte am liebsten angesichts der Katastrophen geschwiegen, aber man musste handeln, Entscheidungen treffen, helfen, die Verletzten besuchen, um unbürokratische Hilfe bemüht sein», sagte Vogel. «Die Verantwortung zwang einen zum Handeln, obwohl man lieber geschwiegen hätte. Die beiden Ereignisse haben sich bei mir bis heute tief eingegraben.» (dpa)