TRIER. Wie das Ende der Vorstellungen im Großen Haus des Theaters für die Zeit während der Sanierung symbolträchtig eingeläutet wird, steht bereits fest: Nach einem großen Musiktheaterabend an Silvester dieses Jahres wird um Mitternacht der Eiserne Vorhang – ein Schutzvorhang, der bei einem Brand die Bühne vom Zuschauerraum abtrennt – heruntergelassen.
„Dann finden bis zur Wiedereröffnung nach der Sanierung keine Veranstaltungen mehr im Großen Haus statt“, erläuterte Intendant Lajos Wenzel beim vergangenen Theater Talk, der Gesprächsreihe rund um die Sanierung des Theaters. Bis zum 31. Dezember werden also noch Oper, Tanztheater mit Orchester, Konzerte und das beliebte Weihnachtsmärchen im Großen Haus gezeigt. Doch wie geht es weiter, wenn die Sanierung des maroden Baus aus den 1960er-Jahren beginnt, bei der unter anderem das Foyer, in dem sich die Theaterkasse und Garderobe befinden, abgerissen wird? Das Theater hat dann mehrere Spielstätten, auf die es zurückgreifen kann und die teilweise bereits bespielt werden.
Der augenscheinlichste Ersatzspielort für das Theater ist der neue Anbau an die Tufa, der einen großen Veranstaltungssaal mit 380 Sitzplätzen bietet, in dem hauptsächlich Schauspiel- und Tanzproduktionen, aber auch kleine Musiktheateraufführungen und kleine Konzertprogramme aufgeführt werden. Eröffnet wird der Neubau im Oktober. Anschließend wird er dann auch direkt für Aufführungen genutzt. Wie Wenzel erläuterte, wird das Theater auf den sogenannten „En-Suite“-Betrieb umstellen, was bedeutet, dass ein Stück über Wochen ununterbrochen gespielt wird, anstatt – wie es bislang gehandhabt wurde – zwischen verschiedenen Stücken zu wechseln.
Ein weiterer Ersatzspielort wird die zentral am Viehmarkt gelegene Europahalle, die modernisiert wurde und noch immer wird, damit dort Tanzstücke mit Orchester, Musiktheater und Konzerte stattfinden können. Auch das traditionelle Neujahrskonzert des Philharmonischen Orchesters findet Anfang Januar dort statt. Vorteil der Europahalle: Je nach Veranstaltung gibt es verschiedene Varianten für die Nutzung der Bühne.
Ein Spielort, der bereits seit einigen Spielzeiten vom Theater genutzt wird, ist die Europäische Kunstakademie (Eka) in der Aachener Straße. Wie Wenzel erläuterte, bleibe die Eka wichtig für das Theater, auch wenn es in der Übergangsspielzeit dort zunächst weniger Vorstellungen geben wird. Hauptsächlich soll sie für Schauspiel, Tanz und Sonderformate, aber auch für das Bürgertheater und den Kids- und Jugendclub genutzt werden.
Als weitere Spielorte des Theaters während seiner Sanierung nannte Intendant Wenzel die Promotionsaula des Bischöflichen Priesterseminars sowie die ehemaligen Kirchen Maximin und Paulus sowie die Kirche in Heiligkreuz.
„Wir wollen uns nicht zurückziehen. Wir gehen raus in die Stadt und wollen die Menschen begeistern“, machte Wenzel deutlich. Die bestehenden Abonnements sollen fortgesetzt werden. Da insgesamt weniger Plätze zur Verfügung stehen, wird sich laut Wenzel während des Interims auch die Zuschauerzahl reduzieren. Die Theaterkasse wird nächstes Jahr voraussichtlich ins Erdgeschoss im Rathaushauptgebäude am Augustinerhof umziehen, dort wo früher das Bürgeramt war. Damit bleibt sie weiterhin zentral erreichbar und liegt nur wenige Meter von ihrem alten Standort entfernt.
Kulturdezernent Markus Nöhl machte deutlich, dass die aktuellen Planungen zum Interim von der Realisierung der Probebühnen abhängen. „Davon hängt ab, ob wir sanieren können. Wenn wir das Haus am Augustinerhof nicht mehr nutzen können, können wir nicht mehr proben. Wir brauchen die Probebühnen also.“
Der Rat soll im Mai darüber entscheiden, ob die Probebühnen im Energie- und Technikpark von der Stadt angemietet werden. Zur Anmietung der Probebühne wurde im Stadtrat bislang noch keine Vorlage eingebracht, was in Teilen des Stadtrates auf heftige Kritik gestoßen war. Aktuell ruht in den Probebühnen der theaterspezifische Ausbau. (Quelle: Stadt Trier)


















