TRIER. Der Theologe und Seelsorger Petrus Ceelen hat mit seinem aktuellen Buch „Was ich Euch noch sagen wollte“ eine berührende Spätlese seiner spirituellen Aphorismen vorgelegt. Der Autor, der seit mehreren Jahren an einer Krebserkrankung leidet, greift teils auf Texte aus seinem bis in Jahr 1978 zurückreichenden Œuvre zurück, die er fortgeschrieben und weitergedacht hat, teils präsentiert er neue Texte, die für diesen Band geschrieben wurden.
Von Alexander Scheidweiler
Petrus Ceelens aktuelles Buch enthält Texte von großer Lebensklugheit, verfasst von einem, der sich der berückenden Situation der Krankheit literarisch-theologisch stellt und dabei in guter christlicher Tradition den Hoffnungsschimmer am Horizont nicht aus den Augen verliert.
Der 1943 in Flandern geborene Theologe, der mehrere Jahre in Priesterseminaren in Mainz und Speyer war, bevor ihm klar wurde, dass er „zum Zölibat nicht geschaffen“ war, wirkte als verheirateter Laientheologe 16 Jahre lang als Seelsorger im Gefängniskrankenhaus Hohenasperg bei Ludwigsburg und danach von 1992 bis 2005 als Seelsorger für HIV-Infizierte und Aidskranke im Großraum Stuttgart. Er war damit der erste Aids-Seelsorger einer deutschen Diözese. Seit drei Jahren leidet er an Krebs, wodurch sein Blick auf die letzten und vorletzten Dinge nochmals klarer und eindringlicher geworden ist.
„Inzwischen habe ich mich selbst mit dem Tod angefreundet. Die Schmerzen sind manchmal so schlimm, dass ich denke, Streben ist nicht schwer“, erklärt Ceelen schonungslos im Vorwort. Das fast schon Paradoxe seiner Situation – „ich beerdige weiterhin jeden Monat 2-3 Menschen, obwohl ich selbst mit einem Bein im Grab stehe“ – spricht er mit klarem Blick aus. Dennoch wolle er seine Leser „noch einmal berühren“ und ihnen „ein paar Nüsse zu knacken geben“.
Und es sind schöne und wohlschmeckende Nüsse geworden, die Ceelen in „Was ich Euch noch sagen wollte“ darbietet. Gewiss, manchmal muss man tatsächlich etwas knabbern, doch jeder Text entlässt den Leser bereichert und ein wenig nachdenklich.

Diese Nachdenklichkeit ist in einem Buch, das aus dem unmittelbaren Bewusstsein der eigenen Endlichkeit geschrieben ist, angemessen und ein wichtiger Impuls. Denn wir alle wissen um unsere Endlichkeit, doch uns wirklich damit auseinanderzusetzen fehlt oft der Mut. Im Getriebe des Alltags verdrängen wir die eigene Endlichkeit und lügen uns in die Tasche, bis wir diese Haltung in der Konfrontation mit dem Tod nicht mehr aufrechterhalten können: „Jeder Tod löst Nachdenklichkeit aus. Wir werden mit unserer eigenen Endlichkeit konfrontiert. Gedenke Mensch, Staub bist du und zu Staub kehrst du wieder. Daran denken wir lieber nicht. Du, sei mal ehrlich: Hast du nicht auch schon mal gedacht: Alle müssen sterben, nur ich nicht?! Denkste!“
Doch Ceelens Buch bietet auf seinen 122 Seiten nicht nur eine ständige Auseinandersetzung mit dem Tod. Auch für Humorvolles ist in „Was ich Euch noch sagen wollte“ Raum. So enthält der Band eine zauberhafte, kleine Hommage an den Konzilspapst Johannes XXIII., der sein Amt mit Lebensfreude und Selbstironie bekleidete. Eine Anekdote unter mehreren, die Ceelen wiedergibt, berichtet, wie ein junger Bischof dem Papst erzählte, dass er unter der schweren Bürde des Amtes leide:
„Da lächelt der Alte und sagt, dass es ihm nach seiner Wahl zum Papst auch so ergangen sei, er habe kein Auge mehr zugetan. Einmal sei er dann kurz eingenickt, und da sei ihm im Traum ein Engel erschienen, dem er seine Not berichten konnte. Der Engel habe gesagt: ‚Giovanni, nimmt dich nicht so wichtig.‘ Seitdem, so Papst Johannes XXIII., ‚kann ich wunderbar schlafen.‘“
Vielleicht ist auch dies eine Haltung oder Erkenntnis, die man gewinnt oder die sich verstärkt, wenn man der eigenen Endlichkeit ins Auge blicken muss – sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen. Dies ist übrigens ein wesentliches Element der Demut, einer gleichsam „unzeitgemäßen“ Tugend, deren Wert schon die spätantiken Kirchenväter stets betonten. Man denke nur an die Benediktsregel.
Neben Prosatexten enthält der Band auch in Verse gebrochene Aphorismen von einfacher Schönheit und großer Gedankentiefe, etwa den kleinen Text, der einfach nur „Gott“ betitelt ist und dem das Rahner-Zitat „Glauben heißt nichts anderes, als die Unbegreiflichkeit Gottes ein Leben lang auszuhalten“, beigegeben ist. Dieser Satz inspiriert Ceelen zu einem bemerkenswerten Text, der hier zur Gänze zitiert sei:
Mit unseren Begriffen
können wir Gott nicht
in den Griff bekommen.
Er entzieht sich uns,
Trotzdem zieht es uns
zu ihm hin.
Obwohl wir Gott
nicht fassen können,
berührt er uns.
Gott – der Inbegriff
für das das unbegreifliche,
unfassbare Mysterium.
Das klingt im besten Sinne mystisch, fast meint man wie von Ferne ein wenig die Gedankenwelt des vielleicht bedeutendsten mystischen Lehrers des Abendlandes, des Hl. Johannes vom Kreuz, zwischen den Zeilen zu vernehmen. In jedem Falle sollte man sich berühren lassen von den Texten, die der 80-jährige Autor in seinem Buch versammelt hat und die auf dem Hintergrund seiner Krankheitserfahrung eine gelassene, fast schon heitere, christliche Weisheit zum Klingen bringen.
Petrus Ceelen. „Was ich Euch noch sagen wollte“. Hardcover. Verlag Dignity Press: Lake Oswego, 2022. 122 Seiten. €23,95





















