TRIER. Das Thema kostenfreier Busverkehr in Trier kommt in der nächsten Sitzung des Trierer Stadtrates gleich von mehreren Seiten auf den Tisch. Nachdem bereits die Freien Wähler ein Konzept für kostenlose Busfahrten an bestimmten Tagen im Stadtgebiet fordern, legt nun auch die Fraktion „Die Demokraten“ einen ähnlichen Antrag vor.
Die Überschneidung sei rein zufällig, betont Fraktionsvorsitzender Michael Frisch: Es habe keine Absprachen gegeben, vielmehr hätten zwei Fraktionen unabhängig voneinander nahezu zeitgleich dieselbe Idee entwickelt.
Demnach soll die Stadt Trier für die Dauer von sechs Monaten versuchsweise die kostenfreie Nutzung des ÖPNV im Stadtgebiet an Samstagen und verkaufsoffenen Sonntagen ermöglichen. Beraten werden soll der Antrag in der Stadtratssitzung am 10. Juni.
Finanzierung über bisheriges Kombi-Ticket
Zur Finanzierung schlagen die Demokraten vor, jene Mittel zu verwenden, die durch das Auslaufen des bisherigen Kombi-Tickets freiwerden. Dieses hatte bislang unter anderem bei bestimmten Kultur- und Sportveranstaltungen die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs ermöglicht, wurde zuletzt jedoch eingestellt.
Nach Darstellung der Demokraten wären die Kosten für einen solchen Versuch überschaubarer als noch vor einigen Jahren. Hintergrund sei unter anderem das Deutschland-Ticket. Laut VRT müsste die Stadt pro Samstag rund 7.600 Euro an Erlösausfall erstatten. An verkaufsoffenen Sonntagen dürfte der Betrag nach Einschätzung der Fraktion ähnlich hoch liegen.
Entlastung für Familien, Innenstadt und Verkehr
Die Demokraten sehen in dem Modell mehrere Vorteile: Familien und Menschen mit geringeren Einkommen würden entlastet, Park-and-Ride-Angebote könnten attraktiver werden, zugleich könnten Straßen, Parkhäuser und Innenstadtverkehr entlastet werden.
Als Beispiel nennt die Fraktion eine fünfköpfige Familie aus Ehrang oder Mariahof, die bei einer Fahrt in die Innenstadt fast 15 Euro sparen könnte. Profitieren würden nach Ansicht der Antragsteller aber nicht nur Busnutzer, sondern auch Autofahrer – durch weniger verstopfte Straßen und eine entspanntere Parkplatzsituation.
Evaluation mit SWT, Handel und Wirtschaft
Nach Ablauf der sechs Monate soll der Testlauf ausgewertet werden. Vorgesehen ist eine Evaluation gemeinsam mit den SWT sowie innenstadtrelevanten Verbänden, darunter Einzelhandelsverband, City-Initiative, IHK und Handwerkskammer. Untersucht werden sollen sowohl verkehrliche als auch wirtschaftliche Auswirkungen.
Die Demokraten verweisen dabei auf andere Städte wie Mainz, Tübingen und Neuwied, in denen es bereits Erfahrungen mit kostenfreiem Busfahren an Samstagen gibt. Dort werde das Angebot nach Darstellung der Fraktion positiv aufgenommen – auch von Handel und Gastronomie.
Zwei Anträge, ein Ziel
Damit bekommt die Debatte um kostenlosen ÖPNV in Trier neue Dynamik. Die Freien Wähler fordern ebenfalls ein Konzept für kostenlose Busfahrten an bestimmten Tagen und stellen dabei besonders die Stärkung der Innenstadt, soziale Teilhabe und den Umweltaspekt in den Mittelpunkt.
Die Demokraten gehen nun einen Schritt weiter und schlagen einen befristeten Praxistest vor. Scheitert das Experiment, sei man in der Frage zumindest schlauer, so die Argumentation der Fraktion. Sollte sich der Effekt hingegen wie in anderen Städten positiv bemerkbar machen, könnte das Modell später verstetigt und fest im Haushalt hinterlegt werden.
Ob der Stadtrat dem Versuch zustimmt, entscheidet sich in der Sitzung am 10. Juni.

















