„Wir sind stolz auf euch“: Merz-Post zum deutschen WM-Aus sorgt für Spott im Netz

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Foto: Screenshot X

DEUTSCHLAND. Das WM-Aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Paraguay war für viele Fans schon bitter genug. Doch kurz nach dem Abpfiff sorgte ausgerechnet Bundeskanzler Friedrich Merz mit einem Beitrag auf X für zusätzliche Diskussionen. Während so ziemlich alle Zuschauer einen schwachen Auftritt der DFB-Elf gesehen hatten, lobte der Kanzler Einsatz, Teamgeist und Begeisterung. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten.

Deutschland ist bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 früh gescheitert. Gegen Paraguay verlor die Mannschaft von Bundestrainer Julian Nagelsmann nach 1:1 nach regulärer Spielzeit und Verlängerung im Elfmeterschießen. Das Aus in der K.-o.-Runde reiht sich damit in eine Serie enttäuschender Turniere ein.

Sportlich war der Abend für die Nationalmannschaft ohnehin schwer zu erklären. Zwar hatte Deutschland über weite Strecken viel Ballbesitz, doch Tempo, Durchschlagskraft und klare Ideen fehlten über große Phasen. Am Ende entschieden die Nerven vom Punkt und Deutschland musste die Heimreise antreten.

Kanzler lobt DFB-Team nach dem Aus

Kurz nach dem Spiel meldete sich Bundeskanzler Friedrich Merz auf X zu Wort. Seine Botschaft war aufmunternd gemeint, traf aber offenbar nicht überall den Nerv der Fußballnation.

„Auch wenn das Ausscheiden schmerzt: Was für ein Spiel“, schrieb Merz sinngemäß an das DFB-Team. Mit Einsatz und Teamgeist habe die Mannschaft das Land begeistert. Man sei stolz auf das Team.

 

Es war ein klassischer Politiker-Post nach einem bitteren Sportmoment: tröstend, staatstragend, versöhnlich. Nur passte er für viele Fans offenbar nicht zu dem, was sie zuvor auf dem Platz gesehen hatten.

Spott und Kopfschütteln in den sozialen Netzwerken

In den sozialen Netzwerken fielen die Reaktionen entsprechend deutlich aus. Viele Nutzer fragten sinngemäß, ob der Kanzler ein anderes Spiel gesehen habe. Andere warfen Merz vor, an der Stimmung im Land vorbeizuschreiben.

Der Vorwurf: Während Fans, Experten und selbst Beteiligte den Auftritt der Nationalmannschaft kritisch einordneten, klang der Kanzler-Post wie ein Lob nach einer heldenhaften Niederlage. Genau diese Diskrepanz machte den Beitrag zum Gesprächsthema.

Auch prominente Stimmen reagierten spöttisch oder kritisch. Comedian Oliver Pocher kommentierte sinngemäß, an dieser Niederlage gebe es nichts schönzureden. FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann nutzte den Fußballabend sogar für eine politische Spitze und verglich das Auftreten der Mannschaft mit dem Regieren der Bundesregierung.

Trost oder Realitätsverlust?

Fairerweise lässt sich der Merz-Post auch anders lesen: als Versuch, einer enttäuschten Mannschaft nach einem bitteren Abend öffentlich Rückhalt zu geben. Bundeskanzler loben Nationalteams nach Niederlagen häufig nicht deshalb, weil alles gut war, sondern weil sie in solchen Momenten nicht nachtreten wollen.

Doch genau hier liegt das kommunikative Problem. Nach einem Spiel, das viele Fans als ideenarm, zäh und enttäuschend erlebt hatten, wirkt ein Satz wie „Ihr habt unser Land begeistert“ schnell aus der Zeit gefallen. Trost ist das eine. Schönfärberei das andere.

Gerade beim Fußball ist die Öffentlichkeit gnadenlos ehrlich. Wer schlecht spielt, bekommt das gesagt. Wer dann trotzdem staatstragendes Lob verteilt, landet schnell im digitalen Gegenwind.

Das eigentliche Problem liegt tiefer

Der Spott über den Kanzler-Post ist am Ende mehr als nur ein kleiner Social-Media-Aufreger. Er zeigt, wie groß die Enttäuschung über die Nationalmannschaft inzwischen geworden ist. Nach mehreren schwachen Turnieren reicht vielen Fans offenbar kein „Kopf hoch“ mehr.

Die DFB-Elf hat nicht nur ein Spiel verloren. Sie hat erneut Vertrauen verspielt. Begeisterung lässt sich nicht herbeischreiben, auch nicht vom Bundeskanzler.

Fazit: Gut gemeint, schlecht getroffen

Der Kanzler-Post war wohl als respektvolle Geste an die Mannschaft gedacht. Doch in der aufgeheizten Stimmung nach dem nächsten deutschen Turnier-Aus kam er bei vielen Fans nicht als Trost an, sondern als Verkennung der Lage.

Man kann einer Mannschaft nach einer Niederlage Respekt zeigen. Man kann ihr Mut zusprechen. Man kann auch vermeiden, auf einzelne Spieler einzuschlagen.

Aber wer nach einem schwachen WM-Aus von Begeisterung spricht, muss sich nicht wundern, wenn das Netz fragt: Welches Spiel war da eigentlich gemeint?

5 Kommentare

  1. Schön dass dem Merz das Fussballspiel wichtiger ist als das was in Stade passierte, da hat eer sich nicht so explizit geäussert.

  2. Nicht auch DAS noch! Die Nationalelf war doch das letzte, was die meisten Deutschen noch mit der Nation und ihrem Land verband. Darauf konnten doch meisten hierzulande trotz aller wechselhaften Stimmungen und nicht nachvollziehbaren politischen Entscheidungen über die Jahre immer noch etwas für sich mit Deutschland verbinden. Auf die Nationalelf durfte man als Deutscher noch stolz sein, das war bisher nicht unter irgendein Korrektheitsgebot gefallen. Nun ist auch das noch futsch.
    Aber dieses Mal lagt es an der Qualität, dass auf diese Mannschaft niemand mehr stolz sein konnte – außer natürlich einem Bundeskanzler und anderen Meinungsmachern, die jede Kritik auf dem Altar der Schönfärberei und Gesundbeterei opfern: Worte werden dreimal im Munde herumgedreht und weich gespürt vor lauter Angst, es könnte etwas zu Kritisches daran sein, wovon sich irgend eine Mimose im Land mal wieder beleidigt fühlen könnte. Deutschland ist das Biotop der Duckmäuser und Mimosen geworden. Und das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf den Fußball, die letzte Bastion der Bodenständigen und Volksnahen.
    2018 in Russland schon lag der Schatten der Politik über dem Spiel. Verunsicherung herrschte, ob man nicht Putin zu sehr nutzte, wenn man schön spielte. 2022 war Bekenntnis angesagt, die politisch korrekte Einstellung zu Themen, die kaum ein Fussball-Begeisterter interessierte, denen sich aber eine ganz Nation unterwerfen sollte. Nun hätte man befreit aufspielen können. Aber man kann es nicht mehr.
    Die Deutschen können nicht mehr befreit aufspielen, geschweige denn unbeschwert sein. Es ist ihnen in den vergangenen Jahren verloren gegangen und ausgetrieben worden. Da kann auch der Fußball wenig Heilung schaffen. Diese Hypothek ist zu groß. Und doch! Die Erwartungen und Hoffnungen waren da, unnötig von Nagelsmann selbst in die Höhe getrieben mit dem Gerede über den 5. WM-Titel. Die Spiele davor hatten aber auch Anlass geboten, wenn man an das glanzvolle Spiel gegen die Slowakei dachte. Da hatte Fußball wieder Spaß gemacht.
    Aber nun in Amerika gings um die Wurst. Bloß keine Enttäuschung! Bloß keine Fehler! Der größte Fehler, der wenig Beachtung fand, war Nagelsmanns Losung an die Mannschaft: Geduldig spielen. Vom geduldigen Spiel zum langweiligen und schläfrigen ist kein weiter Schritt. Geduld ja, aber es muss die Geduld des Tüchtigen sein, nicht die Geduld des Ängstlichen. Und das zeigte der Verlauf des Turniers. Das 7:1 gegen Curacao war begeisternd, das 2:1 gegen die Elfenbeinküste schon eine Zitterpartie, und gegen Ecuador lief gar nichts mehr. Geduld ist kein Plan. Es lag nicht nur an den Gegner. Es lag in erster Linie an der Mannschaft selbst – und natürlich an den Meinungsmachern, die alles gesund beten aus Angst vor kritischen Worten und einer sachlichen Auseinandersetzung mit den Schwächen (siehe Merz, siehe Kommentatoren).

  3. Das passt doch alles zusammen. Die sogenannte deutsche Nationalmannschaft (die Spielertypen quälen sich sichtlich, weil sie bei der Nationhymne mitsingen müssen) ist so marode wie die deutsche Bundesrepublik. Es stimmt, was vor Jahren ein „Seher“ prophezeit hat: Deutschland schafft sich ab…………..in jeder Beziehung!

  4. Es ist nicht das „Aufmunternde“ was F. Merz schreibt und einen verwundert, es ist das Wofür?
    Hier werden z.T. junge Spieler mit Unsummen bezahlt, sie werden vergöttert, 1000e Fans reisen ihnen 1000e km nach, bezahlen Unsummen für Tickets (natürlich freiwillig) und werden dann im Regen stehen gelassen!
    Genau das ist die Show die uns schon Jahrzehnte die Regierung vorlebt, mit der 4-Jährigen Bitte, doch an der „richtigen“ Stelle das Kreuzchen auf dem Wahlzettel zu machen. Wofür?
    Auch hier ist Mittelmaß das Maß aller Dinge.

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