TRIER. Die Zahlen wirken widersprüchlich: Einerseits steuert die Stadt Trier im Jahr 2026 auf ein Defizit von über 57 Millionen Euro zu. Andererseits sind im neuen Haushalt Investitionen von knapp 109 Millionen Euro eingeplant – so viel wie in den Jahren zuvor. Oberbürgermeister Wolfram Leibe betont, das sei kein Widerspruch, sondern kommunaler Alltag: „Wir nehmen für Investitionen Kredite auf und zahlen diese mit Zinsen zurück – im Grunde wie ein Privatmann, der ein Haus baut.“
Vom Überschuss ins Minus
Nach drei Jahren mit positiven Ergebnissen (2021 bis 2023) rutscht der Haushalt seit 2024 wieder in die roten Zahlen. Für 2026 kalkuliert die Verwaltung ein Minus von 68,6 Millionen Euro, das durch die Hilfe des Landes („Handlungsstarke Kommunen“) um 11,5 Millionen gemildert wird – bleibt ein Defizit von 57,1 Millionen Euro.
Verantwortlich für die Schieflage sieht Leibe bundesweite Faktoren: steigende Ausgaben in Jugend- und Sozialhilfe, höhere Personalkosten, Zinsen und die Inflation. „Wir setzen Bundesgesetze um, ohne dass wir die ausreichende Gegenfinanzierung haben“, so der OB im Stadtrat.
Vier große Brocken bei den Investitionen
Trotz der angespannten Lage will die Stadt weiter investieren. Für 2026 sind es exakt 108,9 Millionen Euro. Vier Projekte stechen heraus:
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Feuer- und Rettungswache mit Leitstelle: 41,2 Mio. Euro.
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Schulen und Kitas: 17,3 Mio. Euro.
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Straßen und Fahrradwege: 7 Mio. Euro.
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Anbau an die Tufa: 4,7 Mio. Euro.
Damit bündelt die Stadt ihre Investitionen in Bereiche, die kaum zu verschieben sind: Sicherheit, Bildung, Infrastruktur und Kultur.
Der unsichere Investitionsbooster
Ein Unsicherheitsfaktor bleibt der viel diskutierte „Investitionsbooster“ des Bundes. Für Trier sollen daraus über zwölf Jahre rund 100 Millionen Euro fließen, also jährlich etwa 8,3 Millionen. Klingt viel, ist aber gemessen am jährlichen Investitionsvolumen von 90 bis 100 Millionen eher ein Zusatzpolster. Zudem ist völlig offen, wofür das Geld konkret eingesetzt werden darf: nur für Baukosten, auch für Planungen oder Personal, ob neue Projekte oder auch alte Schubladenpläne? Bis diese Fragen geklärt sind, tauchen die Booster-Mittel im Haushalt noch nicht auf.
Leibe warnte zugleich vor überzogenen Erwartungen: „Es ist eine Unterstützung, aber wir schwimmen deshalb nicht im Geld.“
Einnahmeseite: keine Gewerbesteuer, aber Bettensteuer
Auf der Suche nach zusätzlichen Einnahmen schließt der OB eine Gewerbesteuererhöhung abermals aus. Stattdessen will die Verwaltung gemeinsam mit Kulturdezernent Markus Nöhl die Beherbergungssteuer („Bettensteuer“) von 3,5 auf 4,3 Prozent anheben – gestreckt über zwei Jahre. Das treffe Touristen, nicht die Bürgerinnen und Bürger.
Nächste Schritte
Mit der Einbringung des Haushalts hat die politische Debatte begonnen. Nach den Herbstferien beraten die Fachausschüsse eine Woche lang ganztägig, bevor Ende November oder Anfang Dezember der Stadtrat entscheiden soll. Leibe setzt auf weitere Sparideen aus den Fraktionen: „Wir brauchen Ihre Vorschläge, wie wir die Ausgaben begrenzen können.“
Fazit
Trier muss 2026 mit einem deutlichen Minus leben – gleichzeitig werden hohe Summen in zentrale Infrastruktur gesteckt. Die neue Feuerwache, Schulen und Kitas, Straßen und die Tufa zeigen, dass die Stadt trotz knapper Kassen handlungsfähig bleiben will. Ob der Investitionsbooster des Bundes zum echten Gamechanger wird oder nur ein kleiner Zuschuss bleibt, entscheidet sich erst in den kommenden Monaten. Bis dahin heißt es für die Politik: Investieren mit Maß – und streiten um jeden Euro.














