MAYEN. Der Museumsverband zieht Bilanz: Im Rahmen eines einzigartigen Pilotprojekts wurden erstmals gezielte Prüfungen in vier rheinland-pfälzischen Museen durchgeführt – mit brisanten Ergebnissen. Die Funde könnten Licht auf bislang unbeachtete Kapitel der Sammlungsgeschichte werfen.
Ziel: Aufarbeitung von NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut
Ziel der Aktion war es, sogenannte Erstchecks auf NS-Raubgut durchzuführen – also zu überprüfen, ob sich in den Sammlungen Objekte befinden, die während der NS-Zeit ihren rechtmäßigen Besitzern entzogen wurden. Im Fokus standen kleine und mittelgroße Museen, deren Bestände bislang kaum systematisch erforscht wurden.
Vier Museen unter der Lupe – verdächtige Objekte identifiziert
Beteiligt waren folgende Einrichtungen:
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Roentgen-Museum Neuwied: Über 700 Objekte aus der NS-Zeit – darunter ein Aufsatzschreibtisch aus dem Jahr 1940 und ein Tafelklavier mit ungeklärter Herkunft. Verdacht auf Zusammenhang mit der jüdischen Gemeinde Neuwied.
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Stadtmuseum Bad Dürkheim: Zahlreiche Verdachtsmomente – u. a. ein Kleidungsstück des jüdischen Kaufmanns Ferdinand Scheuer und Fotografien der Sängerin Rosa Maas. Besonders auffällig: ein Konvolut aus 179 Küchenutensilien ohne Herkunftsnachweis.
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Eifelmuseum Mayen: Fokus auf eine Judaica-Sammlung mit sechs rituellen Objekten. Auch hier könnten Verbindungen zu Opfern der NS-Verfolgung bestehen.
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Erkenbert-Museum Frankenthal: Verdächtige Sammlungsstücke aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, darunter Porzellan, Waffen und Grafiken. Ein Drittel der Porzellanobjekte ist bislang ohne bekannte Herkunft.
Fachliche Begleitung durch renommierte Provenienzforscherin
Die Untersuchung wurde von der erfahrenen Kölner Provenienzforscherin Katja Terlau geleitet. Sie arbeitete bereits für zahlreiche bedeutende Museen in Deutschland und verfügt über große Expertise auf dem Gebiet der Raubkunst.
Klares Ziel: Transparenz und historische Verantwortung
Die teilnehmenden Häuser betonen die Bedeutung des Projekts für den offenen Umgang mit der eigenen Sammlungsgeschichte. So erklärte etwa die Leiterin des Roentgen-Museums Neuwied: „Wir müssen uns auch mit den unbequemen Kapiteln unserer Geschichte auseinandersetzen – das ist unsere Verantwortung.“
Auch das Erkenbert-Museum Frankenthal sieht in der Transparenz einen zentralen Schritt für das Vertrauen der Öffentlichkeit.
Was folgt nach dem Erstcheck?
Der Museumsverband empfiehlt weiterführende Einzelfalluntersuchungen in allen vier Einrichtungen. Diese könnten klären, ob eine Rückgabe an Erben möglich oder ein historischer Kontext ausstellungsfähig dokumentiert werden kann. Die Fördergelder stammten aus Mitteln des Landes Rheinland-Pfalz und des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste.














