Streit um pfälzische Weinkönigin: „Titel, Format und Krone bleiben“

Emotional wurde über den ältesten Titel einer Weinmonarchin in Deutschland diskutiert. Nun ist der Weg frei für die Wahl im Oktober. Ende gut, alles gut?

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Wer tritt am 2. Oktober die Nachfolge der aktuellen Pfälzischen Weinkönigin Denise Stripf an? Foto: Uwe Anspach/dpa

NEUSTADT/WEINSTRAßE. Die leidenschaftliche Diskussion um den ältesten Titel einer Weinkönigin in Deutschland scheint vorerst beendet. «Man hat sich geeinigt, dass Titel, Format und Krone der Pfälzischen Weinkönigin bleiben».

Dies sagte der Oberbürgermeister von Neustadt/Weinstraße, Marc Weigel, der Deutschen Presse-Agentur. «Der Streit ist aus meiner Sicht beigelegt.» Auch der Verein Pfalzwein – die Gebietsweinwerbung von Deutschlands zweitgrößtem Weinanbaugebiet Pfalz – teilte mit, eine Lösung von 2024 habe sich als so «tragfähig und gut» erwiesen, dass man in diesem Sinne weiterarbeiten werde. Also alles vergeben und vergessen?

Neustadt war verärgert

Die Auseinandersetzung hatte sich im vergangenen Jahr an einem Vorstoß von Pfalzwein entzündet. Der Verein hatte angekündigt, dass der Titel Pfälzische Weinkönigin nach fast 100 Jahren in PfalzWeinBotschafterin oder – falls ein Mann gewinnt – PfalzWeinBotschafter geändert werden sollte. Statt Kronen waren Anstecknadeln vorgesehen. Der geplante Schritt sei ein Beitrag zur längst fälligen Erneuerung der traditionellen Rebenregion Pfalz, hieß es.

Doch die Initiative hatte unter anderem Neustadt aufgebracht – die Kommune ist jedes Jahr Krönungsstätte der Pfälzischen Weinkönigin. «Die Stadt Neustadt war verärgert, weil sie nicht als Partnerin betrachtet worden war und man versuchte, eine Botschafterin anstelle einer Weinkönigin zu ernennen», sagte Oberbürgermeister Weigel. Neustadt würde eine solche Veranstaltung nicht unterstützen. Von dem geplanten Schritt sei man aber jetzt abgerückt.

«Es gab dazu ein gutes Gespräch mit Boris Kranz, dem Vorsitzenden der Pfalzwein-Werbung. Im Sinne der Sache ist alles ausgeräumt», sagte der FWG-Politiker. Jetzt gelte es, den Blick nach vorne zu richten. Nach vorne, das ist die Wahl am 2. Oktober im Saalbau. «Nach eingehenden Beratungen» mit der Stadt Neustadt sei das Konzept des Wahlabends gemeinsam verabschiedet worden, teilte der Verein Pfalzwein mit.

Demnach gelten die Bedingungen von 2024: Gewinnt eine Frau, trägt sie den Titel «Weinkönigin» und eine Krone, gewinnt ein Mann, trägt er als «Weinhoheit» eine goldene Anstecknadel.

OB Weigel kann damit leben, sagt aber: «Ich habe weiter Bedenken gegen eine geschlechterneutrale Ausschreibung, weil ich das für die Idee einer Weinkönigin als unpassend halte.» Er sehe natürlich die Entwicklungen bei der Wahl der Deutschen Weinkönigin, bei der es in diesem Jahr auch zwei männliche Kandidaten geben werde. Er bleibe aber bei seiner persönlichen Auffassung.

Wahl der Deutschen Weinkönigin wird reformiert

Die Deutsche Weinkönigin wird eine Woche vor der Pfälzischen Weinkönigin gewählt. Das Deutsche Weininstitut in Bodenheim (Kreis Mainz-Bingen) hatte vor wenigen Tagen mitgeteilt, dass die traditionsreiche Wahl nach fast 80 Jahren vor grundlegenden Änderungen steht. Demnach wird der Wettbewerb, der ebenfalls jedes Jahr in Neustadt/Weinstraße stattfindet, künftig geschlechterneutral «Wahl der Deutschen Weinmajestät» heißen.

Hintergrund ist, dass von den 13 deutschen Weinanbaugebieten erstmals zwei Männer zur Wahl am 26. September entsandt werden: Levin McKenzie vom größten deutschen Anbaugebiet Rheinhessen und Felix Grün vom Mittelrhein. Sollte einer der beiden gewinnen, würde er den Premierentitel Deutscher Weinkönig tragen und statt einer Krone eine Amtskette erhalten. Derzeit ist die 25 Jahre alte Charlotte Weihl aus der Pfalz die 76. Deutsche Weinkönigin. (Quelle: Wolfgang Jung, dpa)

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3 Kommentare

  1. Die im Artikel aufgezeigte Diskussion um den Titel der Pfälzischen Weinkönigin zeigt exemplarisch, wie gesellschaftlicher Wandel und rückwärtsgerichtete Sturheit aufeinandertreffen. Während die Entscheidung, den Titel und die Krone beizubehalten, für viele eine Erleichterung darstellt, halte ich es für wichtig, auch über die zugrundeliegende Frage nachzudenken: wie können wir Traditionen bewahren, ohne die Vielfalt unserer Gesellschaft auszublenden?

    Die Initiative des Vereins Pfalzwein, den Titel geschlechterneutral zu reformieren, war ein mutiger und längst überfälliger Schritt. In einer Zeit, in der wissenschaftliche Erkenntnisse und gesellschaftliche Entwicklungen zeigen, dass Geschlecht weit mehr als nur eine binäre Kategorie ist, wäre es an der Zeit, über neue Formen der Repräsentation nachzudenken.

    Warum nicht den „Regenbogen“ der Geschlechtervielfalt in der Weinbranche sichtbar machen? Warum nicht Raum für Menschen jeden Geschlechts schaffen, die mit ihrer Persönlichkeit und ihrem Engagement die Weinregion repräsentieren können?

    Der Kompromiss, bei dem eine Frau den Titel „Weinkönigin“ trägt und ein Mann als „Weinhoheit“ fungiert, mag vordergründig praktikabel erscheinen. Doch er lässt die Chance ungenutzt, eine wirklich inklusive Lösung zu finden. Ein moderner Titel wie „Weinmajestät“ oder „Weinbotschafter*in“ könnte die Tradition der Region respektieren und gleichzeitig allen Geschlechtern eine Bühne bieten. Statt Kronen und Anstecknadeln könnten symbolische Attribute entwickelt werden, die diese Vielfalt widerspiegeln.

    Die Änderungen bei der Wahl der Deutschen Weinkönigin sind ein positives Zeichen, das Mut macht. Sie zeigen, dass Innovation und Tradition kein Widerspruch sein müssen. Auch die Pfalz könnte hier Vorreiterin sein und mit einem zeitgemäßen Format überzeugen. Denn letztlich geht es nicht darum, die Vergangenheit zu negieren, sondern sie lebendig zu gestalten – im Einklang mit den Werten und Erkenntnissen unserer Zeit.

    Als Verbesserungsvorschlag plädiere ich dafür dass endlich jemand alkoholfreien Wein auf diesen Festen anbietet. So wie das Event konzipiert ist werden viele Menschen islamischen Glaubens ausgegrenzt, denn diese meiden zurecht den Alkohol.

    Die einst rückständige Pfalz scheint die Chance zu nutzen, ihre reiche Geschichte nicht nur zu bewahren, sondern auch zu bereichern – im Geiste einer bunten vielfältigen Gesellschaft. Es ist einfach wunderbar Zeitzeuge dieser Entwicklung zu sein. MIr gefällt diese Entwicklung sehr, das Rumgezicke des Pöbels der sowieso nur eine winzige Minderheit repräsentiert kann man getrost ignorieren.

  2. Zitat bintolerant: „Als Verbesserungsvorschlag plädiere ich dafür dass endlich jemand alkoholfreien Wein auf diesen Festen anbietet. So wie das Event konzipiert ist werden viele Menschen islamischen Glaubens ausgegrenzt, denn diese meiden zurecht den Alkohol.“

    Traubensaft und Mineralwasser sowie andere alkoholfreie Getränke kann man stets erwerben. Wo ist da bitte die Ausgrenzung?

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