Tobias Hans bei Anne Will: «Impfpflicht nicht die Debatte, die wir brauchen»

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Absolvierte im Juli eine Sommertour durch das Saarland: Ministerpräsident Tobias Hans (CDU). Foto: Oliver Dietze/dpa/Archivbild

BERLIN. Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans hält eine Diskussion über eine allgemeine Impfpflicht gegen das Coronavirus derzeit für nicht sinnvoll. «Die Impfpflicht ist nicht die Debatte, die wir jetzt brauchen», sagte der CDU-Politiker am Sonntagabend in der ARD-Sendung «Anne Will». «Jetzt bitte ich doch wirklich, alle Kraft darauf zu konzentrieren zu impfen.»

Jetzt sei ein Zeitpunkt, «wo die Zahlen so intensiv steigen, wo ich Menschen überzeugen kann, sich impfen zu lassen, weil sie auch merken, sie verlieren ihre Freiheiten», führte Hans aus. «Die Anreize waren nie größer als jetzt.»

Man habe noch nicht genug getan, «um wirklich zu überzeugen, dass die Impfung der richtige Weg ist», meinte Hans. «Wir haben ganze Bevölkerungsschichten in prekären Lebenssituationen, an die wir nicht rangekommen sind.»

Hans warnte: «Wenn wir jetzt durch politische Debatten, die zu früh, die zu unausgegoren geführt werden, die nächste Bevölkerungsgruppe auf die Straße bringen, die dann gegen uns demonstriert (…), glaube ich, werden wir nicht unserem Anspruch gerecht, die jetzt drängenden Probleme zu lösen.»

Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sprach sich in der Sendung dafür aus, zunächst vor Weihnachten zu klären, wie eine Impfpflicht in bestimmten Einrichtungen rechtssicher umgesetzt werden kann. «Und dann wird eine Debatte weitergehen, aber in der Reihenfolge.» Die Bundesländer hatten den Bund gebeten, in bestimmten Einrichtungen wie Krankenhäusern und Pflegeheimen eine Impfpflicht für alle einzuführen, die Kontakt zu besonders gefährdeten Personen haben.

Mehrere Vertreter der Union hatten sich zuletzt offen für eine allgemeine Impfpflicht gezeigt. Wenn es nicht ohne gehe, sei er bereit, diesen Schritt zu gehen, sagte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) der «Welt». Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte bereits am vergangenen Freitag für eine allgemeine Impfpflicht plädiert. (dpa)

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9 KOMMENTARE

  1. Gerade dieses hin und her mit den immer wechselnden Corona Bestimmungen der Bundes- und der Landesregierungen hat doch die augenblickliche Situation hervorgerufen, eine Corona Impfung ist doch ähnlich einer Grippeimpfung, sie verhindert die Infektion nicht aber sie sorgt für einen milden Verlauf, wobei es auch einzelne schwere Verläufe noch geben kann.
    Eine Impfpflicht hätte bereits Ende dieses Sommers ausgerufen werden sollen, aber man hat das wohl auch mit Blick auf die Bundestagswahl nicht getan.
    Auf Einsicht von Impfverweigerern zu setzen ist falsch, je länger es dauert die Impfpflicht auszusprechen desto mehr manifestieren sich die Gegner mit zum Teil hanebüchenen Theorien und blockieren Ungeimpfte die Intensivstationen. Das ist mittlerweile unerträglich dass solche Leute das öffentliche Leben lahm legen. Aber jetzt kommt der Zeitpunkt wo aufgrund der vollen Intensivstationen eine Triage durchgeführt werden wird, dann wird sich die Zahl der Impfverweigerer auf natürlichem Weg verringern und das ist auch gut so.

    • Was sind Sie für ein armes Würstchen, sich freuen wenn eine Triage durchgeführt wird und dann vielleicht ein Mensch stirbt. Aber wissen Sie was, Karma vergisst nicht und alles was man anderen wünscht, könnte einen selbst einmal treffen.

      • Sind Sie Impfgegner? Wenn Ungeimpfte nicht mehr Intensivmedizinisch versorgt werden, fände ich das nur fair. Für die gibt’s ja kein Corona, also auch keine Infektion und keine Behandlung. Logisch, oder?

        • Das nächste, arme Würstchen. Jeder Mensch in Deutschland hat einen gesetzlichen Anspruch auf medizinische Behandlung, egal was er glaubt oder denkt. Nach Ihrer Aussage, sollten dann auch keine Folgekrankheiten, die von Rauchen, Alkoholgenuss, Fettleibigkeit usw,, behandelt werden. Ich habe noch die ganzen Sportler und Autofahrer vergessen. Alle diese Menschen gefährden sich sehenden Auges und trotzdem haben sie Anspruch auf die medizinische Behandlung. Zu welcher Spezies der Vorgenannten gehören die beiden, armen Würstchen?

          • @ EinMensch
            Ja, jeder Mensch in dieser Republik hat einen Anspruch auf medizinische Versorgung. Aber mal ein Beispiel aus der Praxis: Ein Freund hat irrsinnige Schmerzen im Rücken, inzwischen soweit, dass er die 2 Stockwerke zu seiner Wohnung kaum noch hochkommt. Er sollte Mitte Dezember operiert werden. Musste leider zum 2. Mal unbestimmt verschoben werden weil die Kapazitäten ausgeschöpft sind. Und jetzt raten Sie einmal, weshalb. Er Hat z. Z. KEINEN Anspruch auf medizinische Versorgung, weil sein Leiden zwar unangenehm ist, aber keine Lebensgefahr besteht.

            So viel zu ihrem Blödsinn.

          • @Deichbuddler aber genau das checken diese selbstgerechten Leerdenker ja nicht. Die haben so viel Rückgrat wie ein Gummibärchen: Erst verhöhnen sie die Corona-Opfer mit ihrem ekelhaften “ist doch nur ne harmlose Grippe” Gelaber und wollen sich nicht impfen lassen und jetzt, wo sie merken, dass die Einschläge näherkommen, will auf einmal jeder von ihnen Anspruch auf intensivmedizinische Versorgung haben.

    • Nach internationalen Rankings gehört Deutschland zu den reichsten, mächtigsten und einflussreichsten Ländern dieser Erde. Sollte es unerwartet regional zu Triage-Situationen kommen, weil 10 oder 20 Betten fehlen, dann ist dies zuallererst der politischen Misswirtschaft im Gesundheitssystem geschuldet und nicht den Erkrankten.

    • DIVI-Register, offizielle Zahlen: Der Anteil Corona-Patienten auf deutschen Intensivstationen liegt derzeit bei etwa 12 %, Rheinland-Pfalz 13 %. Dass die Intensivstationen voll laufen aufgrund Intensivbettenabbau, haben dieselben Politiker verursacht, die etwa wegen der Maskendeals freigesprochen wurden bzw. Verbindungen (z. B. verheiratet) zu Pharmalobbyisten haben. Heute sind 19.723 ITS-Betten belegt und 2.455 noch frei, vor genau einem Jahr waren es 21.934 belegte und 6.273 freie. Offizielle Zahlen zur Übersterblichkeit (Stat. Bundesamt destatis) zeigen keine Übersterblichkeit für 2020, aber für 2021 ab September 10% über Durchschnitt. Das RKI nennt für Spätherbst 2021 die Hospitalisierungszahlen folgender drei Gruppen: 1) Pneumonien/Erkältungen, 2) Herz-Kreislauf-Geschichten, 3) Neurologische Probleme. Die Pneumonien bleiben konstant im erwartbaren Durchschnitt, aber Herz-Kreislauf und Neurologie steigen gerade stark an. FAZIT: Eine evtl. kommende Triage wird durch ansteigende Herz-Kreislauf- und durch neurologische Erkrankungen verursacht.

  2. Es ist unübersehbar, dass der zunehmend stärker werdende Ruf nach einer allgemeinen Impfpflicht insbesondere von den Bundes-Wahlverlierern (CDU/CSU) und deren Mitläufern kommt. Damit wird die neue Regierung torpediert, die den Mist und die gesellschaftliche Spaltung ausbaden werden muss. Zudem erzeugen die Wahlverlierer durch diese Kompromittierung gefährliche Spannungen zwischen den verhandelnden Ampel-Koalitionären. Dieses miese Spiel ist offensichtlich. Was gegenwärtig geschieht ist ein derart unterirdisches politisches Taktieren wie man es in der Nachkriegszeit noch nicht erlebt haben. Das hat selbst der eingespannte ÖR-Rundfunk noch nicht kapiert.

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