Ewiger Sommer trotz schlechten Wetters. Premiere des „Sommernachtstraums“ am Theater Trier

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Schlafende Liebende. Foto: Marco Piecuch

„Einen kurzweiligen Theaterabend in einer lauen Sommernacht“ verspricht das Theater Trier auf seine Homepage für die Produktion seines Bürgertheaters, das den „Sommernachtstraum im Theatergarten“ gibt, der am gestrigen Sonntagabend Premiere feierte. Von einer „lauen Sommernacht“ konnte wetterbedingt leider nicht die Rede sein – ein Teil der Zuschauer vor der Open-Air-Bühne hatte sich Regencapes übergezogen oder Schirme aufgespannt, da es hin und wieder leicht tröpfelte. Von einem „kurzweiligen Theaterabend“ zu sprechen war indes mehr als berechtigt!

Von Alexander Scheidweiler

In Anbetracht der beeindruckenden Reihe von Tragödien, die der „Schwan von Avon“ der Weltliteratur geschenkt hat, in Anbetracht des monumentalen Gesamtkunstwerks, das Shakespeares Königsdramen darstellen, in Anbetracht der finsteren Abgründe, in die düstere Helden von Hamlet bis Richard III. die Theater-Aficionados seit stark 400 Jahren blicken lassen, in Anbetracht dieses dramatischen Kosmos von Brudermord und Bürgerkrieg droht machmal fast in Vergessenheit zu geraten, dass Englands Nationalpoet wohl der einzige unter Europas großen Bühnendichtern ist, bei dem das komische Werk dem tragischen die Waage hält.

Umso mehr ist zu loben, dass die Laienschauspieler des Bürgertheaters Trier sich in der zauberhaften Inszenierung von Nina Dudek und Stephan Vanecek der Shakespeare’schen Zauberposse angenommen haben. Die Freilichtbühne des Theatergartens ist mit Luftballons und Lampions geschmückt, zarter Hinweis auf die zarte Verwobenheit von ätherischer Feen- und profanerer Menschenwelt. Ein rundes, drehbares Bett stellt verschiedene Spielorte vor. Mehr braucht’s auch nicht – bekanntlich kam schon Shakespeares eigenes Globe Theatre mit Wortkulissen aus.

Zu Sphärenmusik und wie schlafwandelnd betreten anfangs die Liebespaare Hermia (Ruth Winandi) – Lysander (Clemens Pretz) und Helena (Lisa Wächter) – Demetrius (Fabian Daubenspeck) die Bühne, während Cupido seinen Pfeilhagel auf sie abfeuert. Dass die Paare anfangs „falsch verbunden“ sind, dass beide Herren in Hermia verliebt sind, Demetrius hingegen die Gefühle Helenas nicht erwidert – dies freilich durch das Zauber-Elixier des Feenkönigs Oberon (Fabian Barte, der auch den Theseus gibt), der selbst mit seiner Titania (Hannah Swoboda, die auch Hippolyta spielt) ebenso sehr im Clinch liegt wie Athens Herzog Theseus mit seiner künftigen Gemahlin Hippolyta, ja, dies freilich ins Reine zubringen, wird die Aufgabe des schelmischen Tricksters und Spaßmachers Puck (Daniel Schatz) sein, dessen Fehlversuche für zahlreiche komische Verwicklungen verantwortlich sind.

Daniel Schatz als Puck. Foto: Marco Piecuch

In gut anderthalb Stunden gaben die sechzehn Mitwirkenden den leicht verschlankten Komödienklassiker der Elisabethanischen Renaissance, bei dem die beliebten Handwerkerszenen besonders für Gelächter sorgten: Das verunglückte Spiel im Spiel, die „spaßhafte Tragödie“ von Pyramus und Thisbe, unter der Leitung von Zimmermann Squenz (Petra Klink) von Weber Zettel (Thomas Edelmann) und und Bälgenflicker Flaut (Kai Willmann) im fünften Akt vor dem herzoglichen Paar dargeboten, war aber auch wirklich urkomisch! Sowohl Klink als brüllender Löwe mit grauem Haarschopf vor dem Gesicht als auch Thomas Edelmann, der in den phantasmorgischen Szenen des dritten Aktes mit Eselsohren in den Armen der Titania besonders brillierte, wie schließlich auch Hillmann in Frauenkleidern und mit Fistelstimme als Thisbe setzten komische Glanzlichter.

Das ganze Laien-Ensemble machte seine Sache hervorragend, wobei neben den äußerst unterhaltsamen und lustigen Handwerkern Lisa Wächters sehr authentisch wirkende Darstellung der sich verspottet glaubenden Helena im dritten Akt herausragend war. Dabei bezogen die Mitwirkenden nicht nur den Zuschauerraum vor der Bühne sondern auch die Mauer dahinter in den Bühnen- und Spielraum mit ein, teilweise geradezu abenteuerlich, wenn man sah, mit welcher Akrobatik Schatz als Puck auf der Mauer herumturnte.

Akrobatischer Auftritt von Puck auf der Mauer. Foto: Alexander Scheidweiler

So viel komödienhafte Heiterkeit und Leichtigkeit machte das trübe Wetter und die gelegentlichen Regentropfen mühelos vergessen. Fast schien es, als seinen Titanias an Zettel gerichtete Worte „Ein ew’ger Sommer zieret meine Lande“ zauberisch und dem wolkenverhangenen Himmel zum Trotz doch Wirklichkeit geworden. Das Publikum dankte es den Mitwirkenden mit reichlichem und reichlich verdientem Applaus.

Weitere Vorstellungen: 3.9. und 5.9., jeweils 17.00 Uhr.

Zum Ticketkauf geht es hier: https://theater-trier.de/auffuhrung/buergertheater-sommernachtstraum/.

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