Stählerner Bücherschrank: Neuer Hingucker im alten Heiligkreuzer Ortskern

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Freuen sich über den neuen Bücherschrank: Walter Oberbillig, Vorsitzender des Brunnenvereins, und Ortsvorsteher Hanspitt Weiler. Foto: Privat

TRIER. Bücherschränke gibt es auch andernorts im Stadtgebiet, doch mit dem Modell „BOKX 01“ des Kölner Designers und Architekten Jürgen Greve setzt man im Ortsteil Heiligkreuz nun neue Maßstäbe für Trier. Am vergangenen Freitag wurde das stählerne Stadtmöbel offiziell eingeweiht. Vor der mehr als 100 Jahre alten Grundschule schafft es ein neues Angebot für Leserinnen und Leser aller Generationen.

Im Urlaub kam Walter Oberbillig auf den Geschmack, im Schwarzwald hatte der Vorsitzende des Heiligkreuzer Brunnenvereins einen Bücherschrank des Kölner Designers Jürgen Greve erblickt. Das Möbel ließ er im Urlaub, die Inspiration brachte er mit nachhause und verfolgte sie fortan mit Verve. Weit über 500 von Jürgen Greves Schränken wurden schon aufgestellt, nur Trier war bislang ein weißer Fleck auf der Landkarte. Der schlanke Stahlschrank aus Cortenstahl mit selbstschließenden Türen aus Sicherheitsglas fasst über 200 Bücher, ist TÜV-geprüft, wartungsfrei und standsicher.

Das Unternehmen Urban Life, das für Bau auf Aufstellen der besonderen Bücherschränke verantwortlich zeichnet, bekam den Auftrag, finanziert werden sollte das Vorhaben aus den Einnahmen des diesjährigen Brunnenfests.

Doch Oberbillig und der Verein hatten die Rechnung ohne die Pandemie gemacht. Weil das Virus auch das Brunnenfest verhagelte, fielen die eingeplanten Einnahmen weg. „Der Brunnenverein erwirtschaftet mit seinem jährlichen Brunnenfest und mit dem Romantischen Heiligkreuzer Weihnachtsmarkt Geld, um Heiligkreuzer Einrichtungen, Institutionen, Vereine, Kirche, Schulen und Kindergärten zu unterstützen“, erklärt Oberbillig und ergänzt: „So konnten wir 2019 über 8.000 Euro an verschiedene Einrichtungen für deren Projekte spenden.“

Dass das Fest ausfiel, konnte der Verein nicht mehr verhindern, doch der Bücherschrank sollte nicht auch dem Virus zum Opfer fallen. „Wir haben hier in Heiligkreuz mit seinem wunderbaren dörflichen Charakter gute Kontakte zu den Vereinen und dem Ortsbeirat, so dass ich nach Rücksprache mit dem Ortsvorsteher einen Antrag an den Ortsbeirat stellte und um Unterstützung für dieses Projekt bat.“ Da Oberbillig mit dem Projekt offene Türen einrannte – die SPD hatte bereits vor Jahren einen Bücherschrank für den Stadtteil gefordert – bekam er volle Rückendeckung: Einstimmig beschloss der Ortsbeirat, die Anschaffung mit 4.500 Euro aus dem Ortsteilbudget zu unterstützen. Nachdem das Amt StadtGrün zugesagt hatte, die Kosten für die Errichtung des Fundamentes zu übernehmen, war klar: der Bücherschrank kommt!

Er kam am vergangenen Mittwoch und wurde zwei Tage später eingeweiht. In seiner Ansprache sagte Oberbillig vor zahlreichen Mitgliedern des Vereins und auch des Ortsbeirats mit Ortsvorsteher Hanspittt Weiler an der Spitze, sowie dem Wahl-Heiligkreuzer und ADD-Präsidenten Thomas Linnert: „Im Sinne von Joseph Beuys, der einmal sagte, ‚Jeder kann Kultur‘, soll dieser Schrank den Bürgern helfen, sich Bücher auszuleihen, eigene Bücher einzustellen und am Schrank mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen.“ Man wolle „Kunst und Kultur auf die Straße bringen.“ Die untere Ablage ist für Kinderbücher reserviert. Das liegt nahe, wurde der Schrank doch am Eingang zur Grundschule aufgestellt.

Die besuchte einst auch Hanspitt Weiler, heute Ortsvorsteher und mächtig stolz auf die Neuanschaffung: „Dieser tolle Bücherschrank ist ein weiterer Schritt zur Aufwertung der Heiligkreuzer Ortsmitte, welche wir mit der Neugestaltung des Umfelds der Heiligkreuzkapelle begonnen haben. Und genau so soll es auch weitergehen.“ Dass man das Projekt realisieren konnte, sei das Ergebnis „partnerschaftlichen und erfolgreichen Zusammenwirkens im Ortsteil, was zu aller Nutzen ist und die Lebensqualität in Heiligkreuz erhöht“, lobte der Ortsvorsteher.

4 KOMMENTARE

  1. Wirklich gut. Mir missfällt im Text die Namensgebung des Amtes. Ist doch kein Amt, nur ein schlechter Scherz. Naja, soweit man hört soll es ja noch schlimmer kommen, weil sich jemand profilieren will.

  2. Sorry, aber 5000€ für einen Büchserschrank sind ein Witz. Dass man dies dann als toller Erungenschaft darstellt ist völlig grotesk. Das sind einfach sinnlose Ausgaben für etwas was woanders ohne Kosten etabliert wurde.

    • Wenn man die beiden Herren auf dem Foto so sieht wird wieder einmal klar dass Altsein keine Frage des biologischen Alters ist. Ganz soviel jünger bin ich sicher auch nicht mehr aber Mitglied in einem Brunnenverein, klingt ja spannend.
      Wenn er statt in den Schwarzwald ins Eisenbahnwunderland nach Hamburg gefahren wäre stünde jetzt in der Ortsmitte vermutlich eine Modelleisenbahn, gefördert mit öffentlichen Geldern.

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