„Augenwischerei“ – Kritik an neuer Vereinbarung zur „Missbrauchs-Aufarbeitung“ in der Kirche!

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Symbolbild. Foto: dpa-Archiv

Zur Vereinbarung zur Missbrauchs-Aufarbeitung in der Kirche, die die Deutschen Bischofskonferenz und die Bundesregierung unterzeichnet haben, erklärt Corinna Rüffer, Bundestagsabgeordnete der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen aus Trier:

Ich glaube nicht daran, dass diese Vereinbarung ein bedeutender Schritt zur Aufarbeitung der Missbrauchs-Fälle in der katholischen Kirche sein wird, sondern meine, dass es sich eher um Augenwischerei handelt. Wie kann beispielsweise die Unabhängigkeit der Aufklärungskommissionen gewährleistet sein, wenn über deren endgültige Zusammensetzung die Bistümer selbst entscheiden?

Aus zahlreichen Gesprächen mit Opfern weiß ich, dass ihr Vertrauen in eine ehrliche Aufklärung unter kirchlicher Führung völlig aufgebraucht ist. Sie warten nun seit einem Jahrzehnt vergeblich auf eine umfassende Aufklärung und Aufarbeitung unter der Verantwortung der Bistümer. Doch das, was im Bistum Trier bislang an Aufklärung geleistet wurde, ist allein der Opfervereinigung „Missbrauchsopfer im Bistum Trier“ (MissBiT) zu verdanken. Die jüngst unterzeichnete Vereinbarung weckt bei den Betroffenen eher den Eindruck eines Ablenkungsmanövers, welches die Aufarbeitung in den einzelnen Bistümern weiter verschleppen wird. Deshalb hat MissBiT mir gegenüber erklärt, dass sie eine Mitarbeit in einer solchen vom Bistum besetzten Kommission unter den Bedingungen der Vereinbarung ablehnen würden.

Ich verstehe das. Auch mir scheint die Vereinbarung eher dem Zweck zu dienen, eine zügige und umfassende Aufarbeitung vermeiden und sich dafür auch noch den Segen von Opfern und Öffentlichkeit abholen zu wollen. Deshalb verstehe ich nicht, dass der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung dabei mitmacht.

Hintergrund:

Die katholische Deutsche Bischofskonferenz und der Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung haben am 22. Juni 2020 eine Vereinbarung zur Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch unterzeichnet. Zentrales Element ist die Einrichtung von Aufarbeitungskommissionen in jedem der 27 Bistümer. Darin sollen Vertreter des Bistums, Experten aus Wissenschaft, Fachpraxis, Justiz und öffentlicher Verwaltung sowie Betroffene sitzen. Über die Zusammensetzung der Kommissionen entscheiden in letzter Verantwortung die Bischöfe selbst.

12 KOMMENTARE

  1. Der Ratzinger war doch jetzt wieder in Bayern.
    Was man da so liest zu seinem Bruder, der noch in Regensburg lebt.
    Der Mann hat immerhin Abitur und einen Hochschulabschluss.
    Aber:
    zu den Regensburger Domspatzen:
    Mehrere Opfer etwa erzählen, dass Ratzinger Stühle nach den Buben geworfen habe, unter anderem ist von „blutenden Platzwunden“ die Rede. Er habe „in vielen Fällen“ Gewalt angewendet, schreibt Weber über Ratzinger, der stets nur von „Ohrfeigen“ gesprochen und beteuert hatte, sich zumindest seit 1980 strikt an das gesetzliche Züchtigungsverbot gehalten habe.

    „Weber dagegen stellt im Bericht fest, dass Ratzinger auch nach 1980 „körperliche Gewalt zumindest in Einzelfällen“ angewendet habe. Ratzingers Nachfolger, Domkapellmeister Roland Büchner, erhebt in einem Interview mit der Zeit nun ebenfalls schwere Vorwürfe. „Es herrschte ein System der Angst“, sagte er über die Zeit Ratzingers als Chorleiter. Dieser sei „impulsiv, ja fanatisch“ gewesen, „wenn er seine Vorstellungen von musikalischer Qualität durchsetzte“. Manche Schüler hätten ihn als Vorbild gesehen, „andere fürchteten ihn als Schläger“.“
    Kein Wort der Entschuldigung kam von diesem Typen, das zeigt schon was für eine elende kleine Kanaille er ist. Zu feige und verklemmt um sein eigenes Leben zu leben und versteckt sich hinter Kirchenmauern und lässt dann seinen Frust an Schwächeren aus.

  2. „Über die Zusammensetzung der Kommissionen entscheiden in letzter Verantwortung die Bischöfe selbst.“
    Die Aufarbeitung wird ad absurdum geführt, denn somit können theoretisch Mißbrauchstäter zu Mitgliedern der Aufklärungskommission nominiert werden.
    Neuer Stoff für die Fortsetzung des Filmes „der Name der Rose „, Teil II.

  3. Es wäre zum lachen, wenn es nicht so ernst ist. Hier beurteilt der Täter selbst seine Taten und kommt zum Ergebnis, gar nicht so schlimm für die Opfer und Schwamm drüber. Können die Kirchenoberhäupter eigentlich noch in den Spiegel schauen oder ist der schon zugehangen. Die Kirche schrumpft sich selbst zu einem Nichts.
    Für mich gab es zu Beginn der „Aufarbeitung“ nur eine Lösung- Kirchenaustritt. Dieser heuchlerischen und menschenverachtenden Sippe keinen Cent mehr.

  4. @Kopfschütteln

    ja korrekt. Aber gegen bestimmte Massnahmen können wir uns nicht wehren.

    Zwei Beispiele:

    1. Warum treibt der Staat (Finanzamt) deren Mitgliedsbeiträge ein? Diese Ressouren (Finanzbeamter u.s.w) müssen wir trotzdem mitbezahlen. Die sollen doch selber gucken wie sie an die Kohle ihrer Mitglieder rankommen.

    2. Gehälter für Bischöfe und sonstiges Personal wird vom deutschen Staat, also auch von Leuten gezahlt, die nicht Mitglied im Verein sind.

    Natürlich ein klarer Verstoss gegen die im Grundgesetz festgelegte Trennung von Staat und Religion.

    • Lieber Beobachter, das ist mir leider bekannt, dass diese Herrschaften ihre Gehälter durch den Staat eingetrieben bekommen. Ich konnte in diesem Verein aber nicht mehr bleiben, mein Gewissen hat hier gestreikt und ich wollte ein bisschen Haltung zeigen. Viele regen sich auf, andere wischen es unter den Teppich, oder können keine Konsequenzen ziehen, da sie als Pflegekräfte, Krankenschwestern oder als Ärzte an diesen Verein beruflich gebunden sind.

      • Tja, und wenn dieser „Verein“ nicht mehr existieren würde, ginge es uns allen besser? Wer betreibt die allermeisten Krankenhäuser in unserem Land und wer kümmert sich um die Armen und Bedürftigen in diesem Land? Bitte, verstehen Sie mich nicht falsch. Der sexuelle Missbrauch der christlichen Kirchen ist abscheulich und unentschuldbar! Aber es liegt an uns allen, diese Schuld einzugestehen und durch unser Wirken zukünftig zu unterbinden. Geben wir uns diese Chance. Ansonsten geben wir zu viel von dem auf, was unseren sozialen Zusammenhalt bislang bewahren konnte.

        • Herr Niesen, es existierten Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen auch bevor die Kirche alle übernommen hat! Ein sozialer Zusammenhalt ist lobenswert, aber bitte ohne Druck der Obrigkeit und Zwang für die Angestellten der Häuser in diesem Verein bleiben zu müssen. Aber so ist die Kirche ihrer Einnahmen von den Schäfchen sicher.
          Welche Schuld soll ich mir eingestehen? Ein unfassbarer Seitenhieb auf alle traumatisierten Opfer.

        • Die Nutzungen der Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen sind nicht kostenfrei.
          Die Kirche macht damit gute Geschäfte.

        • Nicht in allem, wo „Kirche“ draufsteht, ist auch „Kirche“ drin – jedenfalls nicht finanziell. Die kirchlichen Einrichtungen (Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Kindergärten etc.) werden zu 90 – 99 % von den Kommunen, Länder bzw. dem Bund finanziert. Das würden wir auch ohne Kirchen schaffen – zumal dann ja auch die horrenden Zahlungen, die an die beiden Kirchen jedes Jahr geleistet werden, wegfallen würden.
          Und wenn Sie fordern, dass „alle“ die Schuld an sexueller Gewalt in der Kirche eingestehen, fordern Sie das die Opfer dieser Gewalt ihre Schuld eingestehen? Das ist in der Tat ungeheuerlich!

  5. Lasse mich nicht lügen, ich meine es ist schon der dritter Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung seit 2010, und wieder werden die Betroffene verkauft an die Täter selbst. Hier wiederhole mich gern, : “ ein jeder anderer Verein bei soviel nachgewiesenem sexuellen Missbrauch an Kindern, würde von Hundertschaften gestürmt und verboten “ . PS. Kirche beteiligt sich nur mit 9%, an jeglichen Kirchen-Einrichtungen, 91% trägt Steuerzahler/in, ob dieser Mensch einer Kirchengemeinde angehört oder nicht.

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