Das Handwerk als guter Weg in die berufliche Zukunft

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Sie wollte mal etwas anderes machen. Die Graveurin Sina Wenner.

Bildquelle: Handwerkskammer Trier

TRIER. Mit einem deutlichen Plädoyer für den Beruf des Handwerkers verbanden der Präsident des Handwerkskammer, Rudi Müller, und der HWK-Hauptgeschäftsführer Dr. Manfred Bitter die Preisverleihung für die Handwerksgesellen im praktischen Leistungswettbewerb. Trotz der herausragenden Leistungen machen die beiden sich große Sorgen um junge Menschen und deren Blick in die Zukunft, in dem das Handwerk oftmals nicht vorkommt.

Die besten Gesellenprüflinge der Region beim praktischen Leistungswettbewerb des Handwerks zeichnete die Handwerkskammer Trier (HWK) vor rund 150 Gästen aus. Insgesamt 21 junge Handwerkerinnen und Handwerker aus dem Kammerbezirk Trier hatten sich für den Landeswettbewerb qualifiziert. Daraus gingen zwölf Erstplatzierte, vier Zweit- sowie vier Drittplatzierte hervor. Daniel Michels aus Dahlem (Nordeifel) schaffte sogar eine Platzierung auf Bundesebene. Der 24-Jährige erreichte im Wettkampf unter Deutschlands besten Mechanikern für Land- und Baumaschinentechnik den dritten Platz.

„Um- und Irrwege müssen nicht sein“

„Trotz dieser herausragenden Erfolge machen wir uns Sorgen um den Nachwuchs“, sagte Kammerpräsident Rudi Müller bei der Preisverleihung. „Wenn schulische Abschlüsse bis zum Abitur immer mehr an Wertigkeit und Aussagekraft verlieren, dann bezweifeln wir, ob das ‚Abitur für alle’ wirklich die Berufs- und Lebensperspektiven junger Menschen verbessert.“ Fragwürdiges Beispiel dafür sei die rapide steigende Zahl der Studienabbrecher. „Natürlich nehmen wir diese jungen Menschen gerne im Handwerk in eine Ausbildung auf. Aber diese Um- und Irrwege müssen eigentlich nicht sein.“

Ohne vorherige Warteschleife

HWK-Hauptgeschäftsführer Dr. Manfred Bitter betonte die Karrierechancen, die der Meisterbrief jungen Menschen biete: „Wer einen Meisterbrief in der Tasche hat, braucht sich um seine Zukunft nicht zu sorgen.“ Nur etwa jeder fünfte Akademiker werde künftig auf dem Markt gebraucht, sagte er und warb für eine Ausbildung im Handwerk „ohne vorherige Warteschleifen“. Es sei ein Irrglaube, dass jeder Akademiker einen sicheren Arbeitsplatz habe und gut verdiene. „Zahlreiche Akademiker gehen nach dem Studium prekären Beschäftigungen nach“, sagte Bitter. „In unserer Region gibt es 30-jährige Handwerksmeister, die am Monatsende mehr in der Tasche haben als so mancher Akademiker.“

„Technik hat mich schon als Kind begeistert“

Dass bereits der Gesellenbrief gute berufliche Perspektiven eröffnet, unterstrichen die Preisträger des Leistungswettbewerbs bei der Abschlussfeier in der HWK. Daniel Michels, der mit zwei Semestern Forstwissenschaft zu den Studienabbrechern gehört, will noch in diesem Jahr mit der Meisterausbildung beginnen. „Durch den landwirtschaftlichen Betrieb meines Onkels sind mir Traktoren, Mähdrescher und Saatmaschinen von klein auf vertraut“, berichtet  der 24-Jährige über seinen Werdegang. „Ihre Technik hat mich im Grunde schon als Kind begeistert.“ So habe er sich zum Mechaniker für Land- und Baumaschinentechnik ausbilden lassen. „Das fand ich dann doch spannender als Bücher über Tannenzapfen und Äste.“

„Ich wollte mal etwas anderes machen“

Die beste Graveurin aus Rheinland-Pfalz, Sina Wenner, hat sich für die Begabtenförderung beworben. „Aus purer Leidenschaft habe ich dieses kreative und seltene Handwerk ergriffen“, berichtete die junge Frau aus Zemmer. Anstelle der sonst üblichen Gürtelschnalle oder Medaille hatte sie im Rahmen der Gesellenprüfung ein Prägewerkzeug zur Herstellung einer Kette angefertigt. Beim Landeswettbewerb kam sie mit dem ausgefallenen Stück auf den ersten Platz. „Ich wollte mal etwas anderes als meine Vorgänger machen – etwas Neues, auf das ich außerdem besonders stolz sein kann“, so Sina.

„Ich möchte den Lehrlingen Spaß vermitteln“

Von der Begabtenförderung hat auch der Fliesen-, Platten- und Mosaikleger Sebastian Brittner profitiert. Der ehemalige dritte Bundessieger konnte damit seinen Meisterbrief finanzieren. Obwohl für eine Selbstständigkeit in diesem Handwerksberuf nicht erforderlich, habe der Meistertitel ihn dennoch gereizt, sagte der Morbacher auf der Feier: „Es war mir wichtig, in meinem Beruf die maximal mögliche Qualifikation erreichen.“ Heute, zehn Jahre nach seinem Wettbewerbserfolg, bildet Brittner selbst aus – derzeit den Sohn seines damaligen Ausbilders. „Den Lehrlingen möchte ich in erster Linie Spaß am Beruf vermitteln.“

Gute fordern und schwächer fördern

Wie wichtig diese Einstellung ist, betonte auch Thomas Witzmann, Maurer-Ausbildungsmeister bei der HWK, der den ersten Landessieger André Heinen betreute: „Wer mit Freude bei der Arbeit ist, erzielt auch bessere Ergebnisse.“ Aus jedem müsse man herausholen, was im ihm stecke: „Gute Jungs fordern, schwächere fördern“ – mit dieser Devise habe er die besten Erfahrungen gemacht.

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