Nach der Landtagswahl: Wo die CDU gewann, die AfD aufholte – und die SPD abstürzte

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Foto: Harald Tittel/dpa

MAINZ. Die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz hat die politische Landkarte des Landes spürbar verändert. Während die CDU vor allem auf dem Land stark abschnitt und die AfD in vielen Regionen kräftig zulegte, musste die SPD flächendeckend Verluste hinnehmen. Besonders deutlich zeigt das eine Analyse des Statistischen Landesamts zu den vorläufigen Wahlergebnissen: Die Sozialdemokraten verloren in allen 52 Wahlkreisen bei den Zweitstimmen, die AfD legte dagegen in allen Wahlkreisen zu.

SPD verliert überall – AfD legt im ganzen Land zu

Die Zahlen machen deutlich, wie tief der Einschnitt für die SPD ausfällt. Nach 35 Jahren Regierungsverantwortung im Land erlitt sie diesmal in sämtlichen Wahlkreisen Rückgänge bei den Zweitstimmen. Auch die Grünen mussten in 51 von 52 Wahlkreisen Verluste hinnehmen.

Ganz anders das Bild bei CDU und AfD: Die Union konnte in 48 von 52 Wahlkreisen bei den Zweitstimmen zulegen. Die AfD schaffte sogar ein Plus in allen Wahlkreisen – und wurde damit landesweit zum auffälligsten Gewinner.

AfD besonders stark in strukturschwachen Regionen

Auffällig ist laut Analyse, dass die AfD vor allem dort stark punktete, wo der Anteil arbeitsloser Menschen höher ist und mehr Menschen Sozialleistungen beziehen. Teilweise profitierte davon auch die Linke, die den erstmaligen Einzug in den Landtag aber verpasste.

Besonders sichtbar wurde das in der Pfalz. Im Wahlkreis Kaiserslautern I gewann die AfD mit 26,1 Prozent der Zweitstimmen. Auch die Linke kam dort mit 7,0 Prozent auf ein vergleichsweise starkes Ergebnis. Das Direktmandat sicherte sich dennoch knapp der SPD-Kandidat Andreas Rahm mit 27,7 Prozent der Erststimmen.

Noch deutlicher wurde das Bild in Pirmasens. Dort erreichte die AfD im Wahlkreis 26,3 Prozent der Zweitstimmen. In der kreisfreien Stadt Pirmasens selbst kam sie sogar auf 32,1 Prozent – und landete damit auf Platz eins.

CDU auf dem Land klar stärker als in den Städten

Deutliche Unterschiede zeigten sich auch zwischen Stadt und Land. Betrachtet man nur die Landkreise, lag die CDU mit 35,1 Prozent klar vor der SPD mit 26,8 Prozent.

In eher ländlichen Regionen verloren selbst prominente SPD-Kandidaten bei den Erststimmen. Dazu zählten etwa Landtagspräsident Hendrik Hering im Wahlkreis Bad Marienberg/Westerburg und Gesundheitsminister Clemens Hochim Wahlkreis Andernach.

In den kreisfreien Städten konnte sich die SPD dagegen zumindest noch knapp vor der CDU behaupten. Dort kam sie auf 28,2 Prozent, während die CDU 27,5 Prozent erreichte.

CDU in 37 Wahlkreisen vorn

Am Ende lag die CDU bei den Zweitstimmen in 37 Wahlkreisen vorne. Ihr bestes Zweitstimmenergebnis holte Spitzenkandidat Gordon Schnieder im Wahlkreis Vulkaneifel mit 46,5 Prozent. Das schwächste Ergebnis erzielte die Union im Wahlkreis Mainz I mit 17,7 Prozent.

Bei der SPD fuhr Ministerpräsident Alexander Schweitzer im Wahlkreis Südliche Weinstraße mit 41,1 Prozent das beste Erststimmenergebnis ein. Das schlechteste Ergebnis kassierte die SPD ausgerechnet in der Vulkaneifel, wo sie nur auf 19,1 Prozent kam.

AfD mit größtem Plus in Birkenfeld

Das größte Zweitstimmen-Plus gelang der AfD im Wahlkreis Birkenfeld. Dort legte sie um 16,3 Prozentpunkte zu und erreichte 26,3 Prozent.

Damit zeigt sich besonders deutlich, wie stark sich die politischen Gewichte in Rheinland-Pfalz verschoben haben. Während die SPD fast flächendeckend verlor, konnte die AfD in vielen Regionen massiv wachsen.

FDP fliegt überall unter fünf Prozent

Für die FDP fiel die Wahl ebenfalls bitter aus. Sie konnte weder in einer kreisfreien Stadt noch in einem Landkreis die Fünf-Prozent-Hürde überschreiten und schied damit aus dem Landtag aus.

Mainz I bleibt Ausnahme für die SPD

Einen Mehrheitswechsel zugunsten der SPD gab es nur in Mainz I. Dort gewann Innenminister Michael Ebling mit 28,2 Prozent der Erststimmen vor der Grünen-Politikerin Katharina Binz, die auf 27,2 Prozent kam.

Für Ebling ist das ein besonderer Erfolg: Der frühere Mainzer Oberbürgermeister sicherte sich damit zum ersten Mal ein Landtagsmandat.

Große Unterschiede bei der Wahlbeteiligung

Auch bei der Wahlbeteiligung gab es deutliche Unterschiede. Insgesamt war die Beteiligung in den Landkreisen mit 69,9 Prozent um 5,8 Prozentpunkte höher als in den kreisfreien Städten.

Die höchste Wahlbeteiligung wurde im Wahlkreis Bad Dürkheim gemessen. Dort gaben 74,2 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Die niedrigste Beteiligung verzeichnete dagegen Ludwigshafen I mit nur 48,1 Prozent.

Den stärksten Zuwachs bei der Beteiligung im Vergleich zur letzten Landtagswahl gab es in der Vulkaneifel mit einem Plus von 8,2 Prozentpunkten.

Was die Analyse über soziale Unterschiede zeigt

Nach Angaben der Statistiker hängt die Höhe der Wahlbeteiligung auch mit sozialen und wirtschaftlichen Faktoren zusammen. In Gebieten mit niedriger Arbeitslosigkeit gingen tendenziell mehr Menschen zur Wahl als in Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit.

Ähnliches gilt für die soziale Mindestsicherungsquote. Auch in Gebieten mit niedrigerem Ausländeranteil war die Wahlbeteiligung demnach tendenziell höher als in Regionen mit höherem Ausländeranteil. Zudem fiel die Beteiligung in Regionen mit geringem Anteil.

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