Trierer Haushalt 2026: Viel Investition, noch mehr Schulden – ein Überblick

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Symbolbild; Der Trierer Stadtrat; Foto: Trierer Rathaus Zeitung

TRIER. Der Trierer Stadtrat hat den Haushalt 2026 beschlossen. Das Zahlenwerk zeigt ziemlich klar: Die Stadt bleibt handlungsfähig, aber der Preis dafür sind weitere hohe Schulden.

Die Eckdaten: 605 Millionen Euro – 56,3 Millionen neue Schulden

  • Haushaltsvolumen 2026: 605 Mio. Euro

  • Neues Defizit: rund 56,3 Mio. Euro

  • Drittes Minus in Folge (nach 2024 und 2025)

  • Gesamtschulden: laut Debatte inzwischen rund 800 Mio. Euro

OB Leibe und mehrere Fraktionen verweisen darauf, dass die Ursachen größtenteils außerhalb der Stadt liegen: steigende Sozialausgaben, höhere Zinsen, Personalkosten und die allgemeine Inflation. Vieles davon sind Folgen von Bundes- und Landesgesetzen, die die Kommune umsetzen muss – ohne voll gegenfinanziert zu werden.

Wofür geht das Geld drauf? – Schwerpunkt Soziales

Schon bei der Haushaltseinbringung hatte der OB die grobe Verteilung erklärt:

  • Rund 52 Prozent der städtischen Ausgaben entfallen auf Soziales, Bildung, Jugend, Integration.

  • Der Rest verteilt sich auf Verwaltung, Innenstadt/Recht, Bauen/Planen/Gestalten sowie Kultur, Tourismus und Weiterbildung.

Damit ist klar: Der größte Block des Haushalts geht nicht in „Prestigeprojekte“, sondern in Pflichtaufgaben wie Jugendhilfe, Sozialbereich, Kitas, Schulen, Wohnen, Integration. Genau diese Bereiche treiben aber die Ausgaben Jahr für Jahr nach oben.

Gleichzeitig haben mehrere Fraktionen (u. a. Freie Wähler, UBT) erneut die stark gestiegene Zahl der Stellen in der Stadtverwaltung kritisiert:

In den vergangenen zehn bis elf Jahren ist der Personalbestand nach ihrer Darstellung um rund 530 Stellen auf über 2200 Mitarbeitende gewachsen. Teile davon sind gesetzlich erzwungen (z. B. Kita-Standards, Katastrophenschutz), andere interne Stellen sehen Kritiker als verzichtbar.

Die großen Investitionen: Feuerwehr, Straßen, TUFA, Theater

Trotz der tiefroten Zahlen plant Trier 2026 Investitionen von 97,8 Mio. Euro. Die wichtigsten Brocken:

  • 33,5 Mio. € für die neue Hauptfeuerwache (inkl. Rettungswache und Leitstelle)

  • 6,7 Mio. € für Straßen-Instandsetzung

  • 5,0 Mio. € für Sanierung und Erweiterung der TUFA

  • 4,9 Mio. € für die Generalsanierung des Theaters (als Einstieg in das große Kulturprojekt)

Dazu kommen neu aufgenommene Planungsmittel für Grundschulprojekte in Quint und Trier-West – beides Standorte, an denen der Sanierungs- und Ausbau-Druck seit Jahren hoch ist.

Diese Investitionen sind aus Sicht vieler Fraktionen zweischneidig:

  • Positiv: Es wird Vermögen geschaffen (Feuerwehr, Schulen, Kulturgebäude) und die Wirtschaft vor Ort mit Aufträgen gestützt.

  • Kritisch: Jede Investition, die nicht komplett gefördert ist, erhöht über Kredite und Abschreibungen die künftige Belastung des Haushalts.

Einnahmeseite: Mehr Bettensteuer, weiter hohe Abhängigkeit

Um die eigene Einnahmeseite leicht zu verbessern, will die Stadt:

  • die Beherbergungssteuer („Bettensteuer“) in mehreren Stufen
    von 3,5 auf 4,3 Prozent erhöhen.

Hotels, Pensionen und Betreiber von Ferienwohnungen ziehen die Steuer ein, sie fließt der Stadt zu. Das bringt zusätzliche Millionen, ändert aber nichts Grundsätzliches an der Struktur: Trier bleibt stark abhängig von

  • Bundes- und Landeszuweisungen,

  • Förderprogrammen (z. B. Investitionsbooster, Sonderprogramme für Schulen, Sport, Innenstadt),

  • und einer konjunkturabhängigen Gewerbesteuer.

Eine Erhöhung der Gewerbesteuer wurde – wie bereits in der Einbringungsrede angekündigt – nicht weiterverfolgt, weil Trier im regionalen Vergleich ohnehin schon relativ hoch liegt.

Politische Einordnung: Breite Zustimmung – aber kaum jemand glücklich

Zugestimmt haben:

  • Jamaika-Bündnis (CDU, Grüne, FDP)

  • SPD

  • DIE FRAKTION

  • das AfD-Einzelratsmitglied

Enthaltung: Die Demokraten
Ablehnung: Linke, Freie Wähler, UBT

Interessant ist: Auch viele Ja-Sager reden offen von „Zwangsjacke“, „Schieflage“, „Bauchschmerzen“ und unzureichender Finanzierung durch Bund und Land. Fast alle Fraktionen betonen:

  • Der Haushalt sei nicht schön, aber notwendig, um handlungsfähig zu bleiben.

  • Größere Spielräume gebe es praktisch nur bei freiwilligen Leistungen – also genau dort, wo die Stadt sich gerne als attraktiv und lebenswert präsentieren möchte (Kultur, Vereine, Freizeit, Infrastruktur in den Quartieren).

Was bedeutet das für die Bürgerinnen und Bürger?

Kurz zusammengefasst:

  • Trier investiert weiter – sichtbar vor allem bei Feuerwehr, Kulturgebäuden, Straßen und Schulen.

  • Die Stadt bleibt aber finanziell auf Kante genäht:
    – drittes Defizit in Folge,
    – neue Kredite,
    – hoher Schuldenstand,
    – steigende Pflichtausgaben im Sozialbereich.

  • Mehr Einnahmen kommen u. a. über eine höhere Bettensteuer, nicht aber über große neue Steuerarten.

Der Haushalt 2026 ist damit weniger ein „Wunschzettel“ als ein Balanceakt:
zwischen gesetzlichen Pflichten, dringend notwendigen Investitionen – und der Realität, dass Trier seit Jahren über seine aktuellen Einnahmen hinaus lebt.

Jetzt liegt der Beschluss bei der Kommunalaufsicht (ADD). Ohne deren Genehmigung bleibt der Haushalt ein Entwurf – mit ihr wird er zur Grundlage dafür, wie viel die Stadt 2026 tatsächlich gestalten kann.

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3 Kommentare

  1. Schulden?
    Es göbd in der Sozialistischen Republik Deutschland und in der einzigen wahren Karl-Marx-Stadt keine Schulden – nur Sondervermööchn.

  2. Die Verlautbarung der Verantwortlichen von der Stadt ist doch blanker Hohn. Sonst nix. Die Erklärung dass mit den Schulden Vermögen geschaffen wird spricht für das intellektuelle Niveau dieser Leute oder sie halten die Einwohner hier für so dämlich dass man denen auch so einen Quatsch erzählen kann. Ich befürchte dass das funktionieren wird.

    Also lasst alles weiter verrotten, kauft intelligente Mülleimer, lasst Schulen verrotten und investiert in Euer Theater. Bald kommen andere Zeiten, da wird man hoffentlich bei einigen Entscheidungsträgern/Verantwortlichen noch mal genauer hinschauen.

  3. „Es wird Vermögen geschaffen (Feuerwehr, Schulen, Kulturgebäude) und die Wirtschaft vor Ort mit Aufträgen gestützt.“

    Das ist doch Quatsch.. alles war über 5,6Mio Nettowert hat muss europaweit ausgeschrieben werden.. davon habe die Firmen in der Region nichts von..

    Wie die Theater Sanierung – da werden nicht viele Trierer Firmen, was von haben.

    2200 Mitarbeiter.. da würde ich doch mal echt überprüfen wer in welchem Ressource noch Kapazitäten frei hat und dann sparen.. aber das kann Trier nicht… leider..

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