Holocaust-Gedenktag: Landtag gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus

Am 27. Januar 1945 befreiten sowjetische Truppen das deutsche Konzentrationslager Auschwitz. Seit 1996 ist dieses Datum in Deutschland der Holocaust-Gedenktag. Beim Gedenken im Landtag in Mainz werden bestimmte Opfergruppen in den Mittelpunkt gestellt.

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Der Schriftzug "Landtag Rheinland-Pfalz" prangt im Plenarsaal im Landtag von Rheinland-Pfalz. Foto: Arne Dedert/dpa/Archivbild

MAINZ. Bei einer knapp zweistündigen Gedenkveranstaltung wird der rheinland-pfälzische Landtag an diesem Samstag (ab 11.00 Uhr) der Opfer des Nationalsozialismus gedenken. Als Vertreterin der Landesregierung wird Vize-Ministerpräsidentin Katharina Binz von den Grünen bei dem Sonderplenum sprechen.

Im Mittelpunkt des Gedenkens sollen «jahrzehntelang verleugnete Opfergruppen» stehen, wie der Landtag ankündigte. Menschen, die in der sogenannten nationalsozialistischen Volksgemeinschaft keinen Platz gehabt hätten, seien als asozial oder als «Berufsverbrecher» bezeichnet und verfolgt worden – etwa Arbeits- und Wohnungslose, Bettler, Fürsorgeempfängerinnen und -empfänger, Prostituierte, aber auch Sinti und Roma.

Diese Opfergruppen, die viel zu lange darauf hätten warten müssen, dass das ihnen zugefügte Leid benannt und anerkannt worden sei, seien von den Nationalsozialisten stigmatisiert, gedemütigt und entrechtet worden, sagte Binz, die auch Integrationsministerin ist. «Noch immer erleben wir, dass Extremisten Personen in Menschen erster und zweiter Klasse einteilen wollen», sagte die Grünen-Politikerin weiter. «Es gibt keine Menschen erster und zweiter Klasse – weder in Rheinland-Pfalz noch sonst irgendwo auf der Welt.»

Bei der Veranstaltung wird ein Zeitzeuge der zweiten Generation aus der Pfalz, Alfons Ludwig Ims, über seine Erfahrungen berichten. Er ist Verfasser des Buchs «Meine asoziale Pfälzer Familie». Reden wird auch der Sozialwissenschaftler Frank Nonnenmacher, ebenfalls Zeitzeuge der zweiten Generation. Mitwirken werden zudem Schüler des Mons-Tabor-Gymnasiums und des Landesmusikgymnasiums in Montabaur.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD), die wegen der Europadelegiertenkonferenz ihrer Partei in Berlin ist, sagte vorab: «Mehr als jemals zuvor ist es notwendig, unsere freiheitliche Demokratie zu verteidigen und für die Freiheit und Würde aller Menschen einzutreten.» Es brauche die klare Haltung und laute Stimme von jedem und jeder Einzelnen. «Das sind wir den Millionen Opfern des nationalsozialistischen Terrors schuldig, derer wir am 27. Januar gedenken.» Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) sagte: «In Zeiten, in denen in bestimmten politischen Kreisen wieder unverhohlen über die Deportation von Menschen nachgedacht wird, ist Erinnerungsarbeit an Gedenktagen, in Gedenkstätten und in unserem Alltag unverzichtbar.» Es sei gut, dass Schulen dabei eine zentrale Rolle spielten.

In Rheinland-Pfalz sollen Schülerinnen und Schüler in ihrer Schullaufbahn einen Gedenkort besuchen, mit Zeitzeugen oder deren Nachfahren sprechen oder an einem Unterrichtsvorhaben teilnehmen, das sich mit der Geschichte der jeweiligen Region beschäftige. Und jede im Land ausgebildete Lehrkraft habe im Referendariat eine Gedenkstätte besucht. Erst am Donnerstag dieser Woche hatte der Landtag über zunehmende antisemitische Äußerungen in Schulen debattiert. (Quelle: dpa)

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