Gesundheitsgefahren durch Hitze: Land bietet Internetseite – Pflegekammer schlägt Alarm

Kreislaufprobleme, Krämpfe und sogar Todesfälle. Um Menschen vor den Gesundheitsgefahren von Hitze zu schützen, erarbeitet die Landesregierung einen Aktionsplan. Die Eckpunkte stehen. Die Landespflegekammer fordert aber schnellere Hilfe.

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Foto: dpa (Symbolbild)

MAINZ. Rund 4500 hitzebedingte Todesfälle hat es im vergangenen Jahr in Deutschland nach Einschätzung von Fachverbänden gegeben. Im Jahr 2018 mit dem besonders heißen Sommer sollen es sogar 8700 Hitzetote gewesen sein. Auch in diesem Sommer machen Phasen mit Temperaturen über 30 Grad und tropischen Nächten vielen Menschen gesundheitlich zu schaffen. Was das Land tut und die Pflegekammer fordert:

NEUE INTERNETSEITE MIT TIPPS: «Abonnieren Sie die Hitzewarnungen (des Deutschen Wetterdiensts), trinken Sie ausreichend, meiden Sie direkte Sonne und körperliche Aktivitäten», rät der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) auf einer am Donnerstag freigeschalteten Internetseite der Landesregierung zum Umgang mit Hitzegefahren. «Wir wollen Sie hier bestmöglich informieren, wie Sie sich und andere vor Hitze schützen können.» Die Internetseite ist eines der ersten konkreten Ergebnisse des Hitzeaktionsplans des Landes, der bis 2025 stehen soll. «32 Grad können sich ganz unterschiedlich anfühlen, je nach Jahreszeit, Luftfeuchtigkeit und Ort», mahnt Hoch.

Die LANDESPFLEGEKAMMER schlägt unterdessen Alarm und fordert sofort besseren Schutz für Bewohner, Patienten und Fachkräfte in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern. «Der Hitzeaktionsplan der Landesregierung bleibt bisher ein Impulspapier und ist zu wenig, da der Sommer bereits angebrochen ist», kritisiert der Präsident der Landespflegekammer, Markus Mai. «Wir benötigen schnelle und effektive Maßnahmen, um die Betroffenen zu schützen.»

Viele Pflegekräfte hätten nicht einmal genügend Zeit, bei hohen Temperaturen ausreichend Wasser zu trinken, sagt Mai, auf Basis einer nicht-repräsentativen Umfrage. Keine Klimatisierung, kein Thermometer und keine zusätzlichen Pausen: Viele Pflegekräfte litten unter hitzebedingten Beschwerden und würden von ihren Arbeitgebern davor nicht angemessenen geschützt. In vielen Einrichtungen fehlten auch Hitzemaßnahmenpläne und -beauftragte.

«Die Hitze stellt auch eine ernsthafte Gefahr für die pflegerische Versorgung insgesamt dar», betonte Mai. «Es ist äußerst besorgniserregend, dass eine deutliche Mehrheit der befragten Pflegefachpersonen angibt, dass keinerlei Maßnahmen ergriffen werden, um pflegebedürftige Menschen mit einem erhöhten Risiko für hitzebedingte Gesundheitsprobleme zu identifizieren.»

Die Landespflegekammer verlangt die Gewährleistung einer angemessenen personellen Besetzung, die gerechte Verteilung der Arbeitsbelastung und flexible Arbeitszeitregelungen. Dringend notwendig seien auch Hitzepräventionsmaßnahmen wie Wasser, klimatisierte Räume, leichtere Schutzkleidung, Pausenräume und Fortbildungen.

Sozialminister Alexander Schweitzer (SPD) appelliert an die Verantwortung der Betreiber von Pflegeeinrichtungen, aber auch an andere Arbeitgeber: Hitzeprävention werde ihnen trotz des Fachkräftemangels bei der Personalsuche letztlich nutzen.

KRANKENHÄUSER UND PFLEGEEINRICHTUNGEN: Die bauliche Struktur in Kliniken und Pflegeeinrichtungen müsse auch besser werden, verlangt Mai. Eine Klimaanlage in jedem Zimmer wäre allerdings mit Blick auf den Klimawandel kontraproduktiv, sagt Schweitzer. Sinnvoller seien hohe energetische Standards und eine gute Dämmung.

NACHBARN SENSIBILISIEREN: Wichtig sei auch eine Sensibilisierung der Bevölkerung, «mehr auf gebrechliche Nachbarn zu achten», sagt Mai. Dass die Hitzewarnungen sowie die dazugehörigen Informationen und Tipps auch bei den Menschen ankommen, die sie sich nicht so einfach selbst besorgen können – wie ältere, kranke, demente, pflegebedürftige oder wohnungslose Menschen – sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sagte Schweitzer. «Die überwiegende Zahl der Pflegebedürftigen lebt zu Hause.» Er setzt dabei auch auf Pflegestützpunkte und Gemeindeschwestern plus.

Die HITZEWARNUNGEN DES DEUTSCHEN WETTERDIENSTS werden innerhalb der Landesregierung vom Kompetenzzentrum Klimawandelfolgen an alle Ressorts weitergegeben, damit diese in ihrem Verantwortungsbereich warnen und etwa Pflegeheime und Krankenhäuser auf besondere Lagen hinweisen könnten, berichteten die Minister. Auch die kommunalen Gesundheitsämter müssten ihren Teil beitragen, sagte Schweitzer. Sie werden vom Gesundheitsministerium bei Hitze-Wetterlagen «aktiv kontaktiert».

Schweitzer sieht auch BETRIEBE UND ARBEITGEBER in der Pflicht. In besonders von Hitze und dem Fachkräftemangel betroffenen Branchen wie dem Bau, der Gastronomie und der Landwirtschaft werde der Umgang mit Hitze auch darüber entscheiden, ob die gesuchten Fachkräfte gefunden würden. Dabei genüge es nicht, auf Baustellen Sonnencreme auszuteilen «und morgens mal zu gucken, was das Thermometer im Baucontainer anzeigt». Baustellen im Hochsommer müssten vielmehr auch unter dem Hitzeaspekt geplant werden. Dazu gehöre auch, dass ältere Beschäftigte mit Vorerkrankungen dann nicht arbeiten könnten. Menschen, die diese Jobs machen, würden künftig nur gefunden, «wenn sie wissen, dass das nicht noch mehr ihrer Gesundheit schadet».

Einige STÄDTE hätten bereits Hitzeaktionspläne vorgelegt oder arbeiteten daran, berichteten die Minister. Über das mit 250 Millionen Euro ausgestattete Klimaschutzprogramm KIPKI könnten sie dabei auch vom Umweltministerium unterstützt werden. Auch das Ende von Schottergärten oder Konzepte wie die «essbare Stadt» in Andernach trügen dazu bei, das Mikroklima in Städten und Gemeinden zu verbessern, betonte Hoch. Gemeint ist beim Konzept «essbare Stadt» eine urbane, nachhaltige und ökologische Landwirtschaft für alle mitten in der Stadt.

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