Starlink in der Kritik: Müllt Elon Musk den Weltraum zu?

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Satelliten können zu Weltraumschrott werden. Foto: Pixabay/Symbolbild

HAWTHORNE/BARCELONA. Elon Musk gibt sich gerne wohltätig. 2019 spendete der Tesla-Chef eine Million Dollar an ein gemeinnütziges Projekt, um Bäume pflanzen zu lassen. In diesem Frühjahr kündigte der 185 Milliarden Dollar schwere Technik-Mogul an, einen Preis in Höhe von 100 Millionen Dollar zu stiften, der an Forscher gehen soll, die Wege finden, C02 aus der Atomsphäre zu entfernen. Und dass seine Elektro-Autos zum Klimaschutz beitragen, scheint für viele sowieso ausgemacht.

Ein anderes Projekt, für das Musk kommende Woche per Video-Schalte auf der Telekommunikations-Messe in Barcelona werben will, gerät aber zusehends in die Kritik: Starlink, das zu seinem Weltraumunternehmen SpaceX in Hawthorne, Kalifornien, gehört. Im Ganzen 42.000 Satelliten will der philanthropische Multi-Milliardär in einen tiefen Orbit um die Erde schießen, um so rund um den Globus Internet verfügbar zu machen. 1.800 hat er schon in den Weltraum befördert. Dies gehe viel einfacher und schneller als konventionelle Technologien zu nutzen, etwa Glasfaserkabel.

Doch Wissenschaftler schlagen Alarm: Eine so große Anzahl von Satelliten im tiefen Orbit würde so viel Licht reflektieren, dass Astronomen die Beobachtung von Himmelskörpern erschwert werden könnte. Aufforderungen, Satelliten zu verwenden, deren Oberfläche kein Licht reflektieren, hat Musk bisher ignoriert.

Auch am Ende der Lebensdauer der umherkreisenden Helferlein kann es zu Problemen kommen. Funktionieren die Satelliten nicht mehr, stürzen sie nämlich zur Erde zurück und verglühen beim Wiedereintritt in die Atmosphäre. Dabei könnten Substanzen freigesetzt werden, die die Ozonschicht schädigen.

Schließlich das Problem des Weltraumschrotts: Ein gutes halbes Jahrhundert nach der Mondlandung schwirren schon jetzt geschätzte 8.500 Tonnen menschengemachter Weltraummüll durch das All – alles von der ausgebrannten Raketenstufe über verlorenes Werkzeug bis hin zu winzigen Trümmerteilchen. Etwa 100.000 Miniteilchen von einem Zentimeter oder weniger sind darunter. Sie rasen mit Geschwindigkeiten von mehreren zehntausend Kilometern durch die Umlaufbahn und können schlimme Unfälle verursachen. Besonders Zusammenstöße zwischen Satelliten können die Menge solcher Schrott-Geschosse stark vermehren, denn die Satelliten zerbersten in tausende Stücke, wenn sie kollidieren.

Kritiker befürchten nun, dass die hohe Anzahl an Satelliten, die Musk ins All schießen will, die Gefahr solcher Zusammenstöße stark erhöht – und damit die Menge an gefährlichem Weltraumschrott. Im schlechtesten Fall könnte dies die bemannte Raumfahrt gänzlich unmöglich machen. Auch könnte immer mehr Weltraumschrott, verursacht durch Satelliten-Kollisionen, im Rahmen einer Art Schneeball-Effekts immer mehr Satelliten ausschalten, so dass die Kommunikation auf der Erde gefährdet wäre.

Den Tesla-Chef ficht das alles nicht an. Erst vergangene Woche brüstete er sich auf Twitter, Starlink habe jetzt „die strategisch wichtige Schwelle von 69.420 Nutzern“ überschritten und werde innerhalb von sechs Monaten sogar in den Polarregionen Internetempfang ermöglichen.

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